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Ein-Euro-Jobs

Ein Thema auf Städtetour

Nach Berichten über umstrittene Ein-Euro-Jobs in Hannover und Berlin führt ein aktueller Hinweis nach Köln. Der Informant: Ein Bauunternehmer, der selbst zum Billig-Arbeiter wurde.

Nummer 1097, Bergisch Gladbacher Straße. Das Haus mit den runden Fensterbögen im Kölner Stadtteil Dellbrück steht unter Denkmalschutz. "Hier habe ich gemeinsam mit anderen Ein-Euro-Jobbern monatelang das Treppenhaus saniert", sagt Karl Schmitz* und deutet auf die rosafarbene Fassade. Als er noch selbstständiger Handwerker gewesen sei, fügt er dann hinzu, hätte er sich über so einen Auftrag gefreut.

Als ehemaliger Unternehmer ist Schmitz nicht gerade ein typischer Ein-Euro-Jobber. Zwischen 2001 und 2005 hat der Polier eine Baufirma mit zwölf Mitarbeitern geführt. Bis zum unternehmerischen Supergau: Ein Auftraggeber zahlt nicht und treibt Schmitz und sechs andere Bauhandwerker in die Insolvenz. Danach, erinnert sich der heute 31-Jährige, sei er regelrecht vom Rumsitzen krank geworden: "Die Decke ist mir auf den Kopf gefallen. Ich dürfte einer der wenigen Menschen sein, die sich freiwillig um einen Ein-Euro-Job beworben haben. Meine Hände brauchten einfach eine Beschäftigung."

Was Schmitz Anfang 2006 in seinen vier Monaten als Billigarbeiter erlebt hat, löst bei ihm noch heute Kopfschütteln aus: "Was bei solchen Maßnahmen abgeht, ist unnormal. In der Bergisch Gladbacher Straße ging es nicht um vorbereitende Arbeiten. Wir haben die Wände gespachtelt, verputzt und gestrichen. Wir haben alle Fenster geschliffen und lackiert, die Holztreppe haben wir komplett abgezogen und ebenfalls lackiert."

Minimum vier Monate Arbeit fürs Handwerk

Mieter der Immobilie mit der Hausnummer 1097 ist der Internationale Bund, ein öffentlicher Träger betreuter Wohnformen für wohnungslose Erwachsene. Das Haus gehört allerdings der privatwirtschaftlich agierenden Kölner Wohnungsbaugesellschaft "Grund und Boden". Frage an das JobCenter ARGE Köln, das für den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern in der Domstadt verantwortlich zeichnet: Warum ist der Renovierungsauftrag am Handwerk vorbei gegangen?

Die Ein-Euro-Kräfte seien "im Rahmen qualifizierender Tätigkeiten eingesetzt" worden, antwortet ARGE-Geschäftsführer Josef Ludwig: "Die eingesetzten Personen hatten zwar teilweise eine Ausbildung im Malerhandwerk, jedoch einen höchst unterschiedlichen Kenntnisstand und sehr differenzierte Ansichten über die Ausführung fachlicher Tätigkeiten." Das Ziel der Maßnahme sei die "Heranführung an realitätsnahe Arbeitsbedingungen", um so den Teilnehmern eine Chance auf den ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen. Interessant ist der letzte Satz in Ludwigs Stellungnahme: "Der qualifizierende Charakter ergibt sich auch aus dem langen Zeitraum des Einsatzes [...] von Dezember 2005 bis Oktober 2006. Eine Fachfirma hätte [...] höchstens vier Wochen benötigt."

"Vier Wochen Arbeit für eine Fachfirma! Das ist allerdings bemerkenswert", lautet der Kommentar von Karl Schmitz. Erstens habe er immer gedacht, dass Ein-Euro-Jobs den Betrieben keine Arbeit wegnehmen dürften. Zweitens wäre ein Betrieb mit vier bis fünf Mitarbeitern "minimum vier Monate" beschäftigt gewesen: "Da können sie jeden unabhängigen Malermeister fragen. Wir mussten sogar Denkmalschutz-Auflagen einhalten. Und so etwas geht nicht von heute auf morgen ? das war wirklich aufwändig."

* Name von der Redaktion geändert

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