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Politik und Gesellschaft

Feuerschock: „Hätte nie gedacht, dass es mir passiert“

Sein kompletter Betrieb ist in Flammen aufgegangen: Eine Entscheidung, die Handwerksmeister Michael Schöne in der Vergangenheit nicht (!) getroffen hat, rettet ihn heute finanziell.

Auf einen Blick:

  • Gegenwart: Der Tischlermeister Michael Schöne steht vor der Brandruine seines Betriebs. „Das ist unwirklich.“
  • Vergangenheit: Wegen der hohen Beiträge hatte Schöne tatsächlich darüber nachgedacht, die Feuerversicherung zu kündigen. „Aber ich hab’s nie getan.“
  • Zukunft: Der Neustart ist keine Kleinigkeit, vor allem die Maschinen sind teuer: „Wer Möbel bauen will, muss investieren.“

Michael Schöne ist Tischlermeister im niedersächsischen Nordsteimke, er beschäftigt 10 Mitarbeiter. Ende Januar dieses Jahres ist sein Betrieb vollständig abgebrannt. Ein Interview über eine extreme Erfahrung.

Wann genau haben Sie von dem Brand erfahren?

Schöne: Ich war auf dem Weg in die Werkstatt, als das Telefon klingelte, morgens um viertel nach sechs. Als ich dann vor Ort ankam, war schon alles abgesperrt.

Ihr erster Gedanke, als sie den Brand gesehen haben?

Schöne: Ich war vollkommen geschockt. Der eigene Familienbetrieb geht in Flammen auf, das ist unwirklich. Ich wusste, dass so etwas passieren kann, aber ich hätte nie gedacht, dass es mir passiert.

Tischlerei xy brennt – es gibt kaum eine Schlagzeile im Handwerk, die sich derart oft wiederholt.

Schöne: Holz brennt leicht, das ist so. In unserem Fall kommt noch dazu, dass die Tischlerei nicht so gebaut war, wie man einen neuen Betrieb bauen würde. Das Gebäude ist nach und nach gewachsen, das war früher ein Bauernhof. Mein Vater hat im Kuhstall angefangen.

Können Sie das alles überhaupt wieder aufbauen?

Schöne: Nein, der alte Betrieb wird plattgemacht und zusammengeschoben. Wir kriegen auch keine neue Baugenehmigung für das Grundstück.

Haben Sie daran gedacht, einfach aufzuhören, einen Schlussstrich zu ziehen?

Schöne: Ganz kurz, aber das ist schon deshalb kein Gedanke, weil ich noch den einen oder anderen Kredit bezahlen muss.

Da könnte eine Versicherung hilfreich sein.

Schöne: Ja, glücklicherweise bin ich gut versichert. Ich habe mich sehr oft über die hohen Beträge geärgert, die das monatlich kostet. Und immer wieder gedacht, dass ich das bald kappen müsste – aber ich hab‘s nie getan.

Gibt es einen Plan, wie geht es weiter?

Schöne: Ja, das läuft alles an. Ich habe einen Bauplatz gefunden, ein befreundeter Architekt hilft mir. Ich wollte eigentlich nie in ein Gewerbegebiet, aber mir bleibt nichts anderes übrig.

Zynisch gesehen könnte man von einer Chance sprechen, von der Möglichkeit, völlig neu anzufangen.

Schöne: Es fällt mir gerade wirklich schwer, die positiven Seiten zu sehen. Wissen Sie, es ging 20 Jahre lang bei mir immer nur bergauf – und dann sehen Sie, wie der Betrieb abbrennt. Natürlich, ich muss positiv nach vorne blicken, auch da bleibt mir nichts anderes übrig. Ich habe das Geld der Versicherungen noch nicht auf dem Konto. Ich habe noch keine neue Firma aufgebaut. Da kann man schon mal unruhig schlafen.

Speziell die Maschinen dürften ins Geld gehen.

Schöne: Ja, mit 1,5 Millionen Euro sind sie schnell dabei. Wer Möbel bauen will, muss investieren.

Was passiert eigentlich mit den Aufträgen, die sie aktuell bearbeitet hatten?

Schöne: Zwei nette Kollegen aus dem Braunschweiger Raum haben mir ihre Werkstatt und ihre Maschinen angeboten, da habe ich kleinere Arbeiten abgewickelt. Und für den Übergang habe ich bereits eine Ersatzhalle gemietet und mir von einem Lieferanten Maschinen geliehen. Die Kosten werden verrechnet, wenn ich sie später kaufen sollte.

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