Jan Peter Hansen
Foto: Babian Nockel

Unternehmensfinanzierung

Eine Million Kredit? Alles eine Frage des Businessplans!

Wie stellt man einen Familienbetrieb neu auf und besorgt sich das dafür nötige Geld? Jan Peter Hansen überzeugte die Bank mit frischen Ideen und einem Plan.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Vom Allrounder zum Spezialisten hat Jan Peter Hansen den Familienbetrieb weiterentwickelt – und brauchte dafür eine Menge Geld.
  • Die Kredite über eine Million Euro bekam er von seiner Bank – nachdem er sie mit klugen Überlegungen zur Zukunft des Betriebes und seinen Plänen für den künftigen Umgang mit der Konkurrenz überzeugt hatte.
  • Das Ergebnis: alles im Plan und der Betrieb hat keine schwachen Monate mehr, die er überbrücken müsste.

Mach mal – so lautete sinngemäß und norddeutsch gelassen die Antwort, als Jan Peter Hansen seinem Vater vorschlug, die elterliche Tischlerei komplett umzukrempeln. Einzige Bedingung: Der Vater wollte mit den Krediten nichts zu tun haben. „Das finde ich selbstverständlich, um seine Altersversorgung nicht zu riskieren“, sagt Jan Peter Hansen. Für ihn war das der Startschuss. Er holte den Berater der örtlichen Bank und einen Steuerberater ins Boot.

Hansen hatte schon recht genaue Vorstellungen, wie sich die Tischlerei, in der er das Handwerk gelernt hat und die er 2007 als Geselle verließ, verändern musste. „Eine klassisch eingerichtete Werkstatt ohne CNC- und CAD-Technik, in der Vater alle anfallenden Arbeiten gemacht hat, war die Ausgangssituation“, berichtet der 32-Jährige über den Betrieb. Werden sollte daraus ein moderner Betrieb mit CNC-Technik – und mit mehr Mitarbeitern für größere Projekte.

„Die Idee habe ich aus Süddeutschland mitgebracht, dort habe ich nach der Technikerschule ein Jahr im Ladenbau gearbeitet“, sagt Hansen. Das wollte er zu Hause im hohen Norden auch: hochwertige Möbel und Ladeneinrichtungen bauen. Das war aber mit dem Familienbetrieb in der vierten Generation so nicht möglich. Hansen wollte die fünfte Generation sein – aber in einem Betrieb, der für die Zukunft aufgestellt ist.

Vor der Auszahlung kommt der Businessplan

Nun ist es nicht so, dass ein Kreditinstitut allein für Ideen ihr Geld verleiht. Die Bank wollte einen Businessplan von dem damals 24-Jährigen sehen. Der Plan sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, berichtet der Tischlermeister. Es sei nicht darum gegangen, nur die Idee aufzuschreiben, sondern wirklich ins Detail zu gehen: Wie ist der Standort zu beurteilen? Wie ist die Wettbewerbs­situation? Welche Produkte lohnen sich? Wer ist wie qualifiziert? Wie sollen die Zuständigkeiten verteilt werden? Was sind die kurz- und mittelfristigen Ziele?

Hansen hatte zwischendurch einige Semester Betriebswirtschaftslehre studiert, sich dann aber wieder auf seinen eigentlichen Beruf konzentriert. Jetzt war das Studium sehr hilfreich: „Meine vorläufigen Ziele waren, neue Privat- und Geschäftskunden zu finden, den Lagerbestand abzubauen und innerhalb von vier Jahren den Umsatz zu verdoppeln – gepaart mit einer Steigerung des Gewinns“, sagt der Meister.

Ganz genau hat er sich mit der Wettbewerbs­situation auseinandergesetzt: Wer würde nach der Neuausrichtung des Betriebs zum Wettbewerb zählen? Daraus wiederum ergab sich die Schlussfolgerung, dass Wettbewerb nicht immer Wettbewerb sein muss, sondern auch Partner und Kunde sein kann: „Wir fokussieren uns heute auf Tischler im norddeutschen Raum und beliefern sie mit halbfertigen oder fertigen Produkten; hinzu kommen die ehemaligen Kollegen aus Süddeutschland, die ebenfalls auf uns als Lieferanten zurückgreifen.“

Sechsstellige Investitionen in sieben Jahren

Die Bank akzeptierte Hansens Businessplan und gab grünes Licht für den Anbau an die bestehende Werkstatt – eine Halle mit 300 Quadratmetern Grundfläche – und die Anschaffung eines Fünfachs-CNC-Bearbeitungszentrums, das in der alten Werkstatt keinen Platz hatte. Angemessene Produktionsabläufe wären dort nicht möglich gewesen. 320.000 Euro bewilligte die Hausbank; zusammen mit dem Grundstück als Eigenkapital investierte Hansen 400.000 Euro. „Wichtig ist, dass ich bei einer solchen Investition alle Kosten im Blick habe, beispielsweise auch Notar- oder Vermessungskosten.“

2014 investiert Hansen weiter: in eine Kantenanleimmaschine, die schneller arbeitet und weniger Nacharbeit verursacht. 2017 kam ein weiterer Anbau hinzu – als Platten­lager mit liegender Plattensäge. „Das hat sich mit der Größe unserer Aufträge so entwickelt“, berichtet Hansen. „In den vergangenen sieben Jahren sind eine Million Euro in den Betrieb geflossen“, rechnet er zusammen. „Ich kann nicht sagen, dass ich das emotionslos sehe, aber für mich ist dieses Geld Mittel zum Zweck, um meine Ziele zu erreichen.“

Alles im Plan – Rechnung geht auf

Nach einem Zwischenergebnis befragt, zeigt sich der Tischlermeister zufrieden: „Unsere Planziele haben wir erreicht, sogar etwas früher als gedacht. Wir sind gut ausgelastet und haben keine schwachen Monate mehr – das war früher anders. Zudem habe ich jetzt eine Mannschaft, wie ich sie mir immer gewünscht habe.“

Zu Beginn des vergangenen Jahres hat sich der Vater zurückgezogen und seine Anteile an der Tischlerei auf Basis einer Leibrente an seinen Sohn übertragen. In den kommenden 10 bis 15 Jahren will Jan Peter Hansen den Betrieb weiter spezialisieren.

Was aber bleiben wird, das sind die privaten Kleinaufträge, um die sich jetzt noch der Vater kümmert, der als Meister beschäftigt ist. „Betriebswirtschaftlich mag das nicht immer ein gutes Geschäft sein, aber es ist für mich auch eine Imagefrage hier bei uns auf dem Dorf“, sagt Jan Peter Hansen.

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