Foto: Anna-Maja Leupold

Personal

Einstellungstest hilft bei der Azubisuche

Bei der Auswahl seiner Lehrlinge setzt Elektromeister Peter Clemens nicht nur auf sein Bauchgefühl. Er hat einen Einstellungstest entwickelt.

Auf einen Blick:

  • Das Problem: Die Hindernisse bei der Ausbildung sind nach Einschätzung von Elektromeister Peter Clemens die unterschiedlichen Vorkenntnisse und die mangelnde Motivation der Bewerber.
  • Die Lösung: Ein Test, der aus vier Teilen besteht. Damit prüft er unter anderem das handwerkliche Geschick der Bewerber. Es geht aber auch um Mathematik und Rechtschreibung.

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Auf dem Schreibtisch von Elektromeister Peter Clemens liegt ein dicker Ordner. Darin hat er dutzende Einstellungstests abgeheftet. Denn den mussten bisher fast alle absolvieren, die sich in seinem Göttinger Betrieb um eine Lehrstelle beworben haben. Nur seine ersten Lehrlinge hat er ohne Test eingestellt – doch sein Bauchgefühl erwies sich im Nachhinein nicht immer als richtig.

Seit 1997 ist Clemens selbstständig. Angefangen hat er mit einem Gesellen. Doch der Betrieb wuchs schnell. „Für mich war immer klar, dass ich auch ausbilden muss, wenn es mit unserem Handwerk weitergehen soll“, sagt Clemens. Bald stellte er daher seinen ersten Lehrling ein. Der junge Mann sei anfangs hoch motiviert gewesen. Doch so blieb es nicht. Irgendwann sei der gepflegte Musterschüler zum Problemkind geworden. „Mit Ach und Krach hat er die Ausbildung beendet“, berichtet der Elektromeister. Das war ein steiniger Weg – abschrecken ließ sich Clemens von dieser Erfahrung nicht. Er bildet seither aus.

Doch sein erster Lehrling war nicht der einzige schwierige Fall. Immer wieder stieß er auf Probleme wie fehlende Vorkenntnisse und mangelnde Motivation. Deshalb wurde ihm bald klar, dass er bei der Auswahl der Bewerber etwas ändern muss. Auf eine Lösung stieß Clemens durch Zufall: Ein Kollege erzählte ihm, dass seine Azubis immer erst einen Test machen müssen, bevor sie den Lehrvertrag unterschreiben. „Das klang gut, also habe ich das bei mir auch eingeführt“, sagt der Elektromeister. Vier Teile umfasst der Test seither.

Teil 1: Der Praxistest

Zunächst bekommen die Bewerber von Clemens ein Blatt vorgelegt, auf dem zwei Zahlen und zwei Buchstaben zu sehen sind. Dazu bekommen sie Kupferdrähte sowie drei verschiedene Zangen. Durch den richtigen Einsatz von Kombizange, Spitzzange und Seitenschneider müssen die Bewerber den Draht in die gewünschte Form bringen. „Die acht ist am Schwierigsten“, verrät der Elektromeister. Und das ist für auch für Laien unschwer zu erkennen. Denn während Clemens durch den Ordner blättert, sind nur einige akkurat geformte Zahlen zu sehen. Die meisten haben Dellen – mal mehr, mal weniger.

Teil 2: Der Motivationstest

Auf die Praxis folgt ein schriftlicher Motivationstest. Clemens will von seinen Bewerbern wissen, warum sie sich um einen Ausbildungsplatz in seinem Betrieb beworben haben. „Wer sich vorher nicht mit dem Beruf des Elektrikers befasst hat, kann das nicht schlüssig beantworten“, findet Clemens. Doch die Motivation ist nicht das einzige, was den Elektromeister interessiert. Er will auch wissen, wie es um die Rechtschreibkenntnisse seiner Bewerber bestellt ist. Denn die seien bei vielen ein großes Manko.

Teil 3: Mathetest

Prozentrechnung, Dreisatz, und Textaufgaben – sind Teil des anschließenden Mathetests. Damit prüft Clemens, über welche Grundkenntnisse die Bewerber verfügen. „In der Ausbildung müssen die Azubis zum Beispiel komplizierte Winkelfunktionen berechnen“, sagt er. Doch wer schon mit den Grundrechenarten Probleme habe, der schaffe das schlicht und einfach nicht.

Teil 4: Allgemeinwissenstest

Zum Abschluss des Tests kommt noch das Allgemeinwissen der Bewerber auf den Prüfstand. Wie viele Bundesländer hat Deutschland und wie heißt der Ministerpräsident Niedersachsens, so lauten etwa die Fragen. Es geht aber auch um physikalische Maßeinheiten wie Ohm, Ampere und Lumen. „Wer hier Wissenslücken zeigt, disqualifiziert sich nicht automatisch“, sagt Clemens. Was zählt ist der Gesamteindruck.

Der Test hilft ihm dabei, sich über „den Bauch hinweg ein Bild zu machen“. Bisher fährt der Elektromeister, der den Betrieb Ende des Jahres an seinen Sohn Markus übergeben wird und sich dann noch einmal selbstständig macht, gut damit: „Denn momentan haben wir richtig gute Lehrlinge“, schwärmt Clemens.

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