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Eisiges Investitionsklima

Eisiges Investitionsklima

Die Branche hat es nicht leicht: unsichere Zukunft, rückläufige Verkaufszahlen und Kunden, die um jeden Pfennig feilschen. „Alles bewegt sich bergab, Zulassungen, Gebrauchtwagen, Werkstattgeschäft", sagt ZDK-Sprecher Helmut Blümer. Die Folge: Wenn es um Investitionen geht, sind die Autohäuser vorsichtig geworden.

Unsichere Zukunft, schwächelnde Konjunktur #8211; wenn es um Investitionen geht, sind die Autohäuser vorsichtig geworden.

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"Alles bewegt sich bergab"

Wer einen Autohändler in diesen Tagen fragt, wie es um sein Nervenkostüm bestellt ist, der sollte reichlich Zeit für die Antwort mitbringen. Die Branche hat es nicht leicht: rückläufige Verkaufszahlen, steigende Benzinpreise und Kunden, die um jeden Pfennig feilschen. #8222;Alles bewegt sich bergab, Zulassungen, Gebrauchtwagen, Werkstattgeschäft", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Die Misere in Zahlen: 1999 zählten die Zulassungsstellen 3,8 Millionen Neuwagen in Deutschland, 2000 waren es 3,38 Millionen. Für das laufende Jahr, stellt Blümer fest, #8222;liegen die Auftragseingänge schon wieder unter dem Vorjahresniveau".

Die Gerüchteküche brodelt

Weiteres Spiegelbild der schwierigen Situation: Nach ZDK-Angaben sind die Autohäuser in Sachen Investitionen im Vergleich zu den zurückliegenden #8222;fetten" Jahren extrem vorsichtig. Eine der Ursachen für die Zurückhaltung versteckt sich hinter dem Begriff #8222;Gruppenfreistellungs-Verordnung" (GVO). Bislang hat diese europäische Regelung die Autobranche von kartell- und wettbewerbsrechtlichen Beschränkungen befreit. Noch kann sich die europäische Automobilindustrie aussuchen, wer ihre Produkte vertreibt, sie darf die Zahl ihrer Vertragspartner begrenzen und qualitative Standards festlegen. Im Herbst 2002 wird die GVO auslaufen. Doch wenn die Gerüchteküche auch brodelt, so ganz genau weiß keiner, wie die neue Regelung aussehen wird #8211; und ob es überhaupt eine neue Regelung geben wird.

"Lächerlicher Kündigungsschutz"

Was das Investitionsklima in der aktuellen Situation noch weiter abkühlen lässt: In der Mehrzahl der Verträge zwischen Händlern und Herstellern besteht ein Kündigungsschutz von zwei Jahren. #8222;Lächerlich #8221;, sagt Karl Ludwig Gerber, Vorsitzender des Verbandes der Saab-Händler, #8222;wenn die Hersteller den jetzigen Standard halten wollen, müssen sie uns die nötige Zeit geben, damit sich die Investitionen amortisieren können." Schließlich verlaufe das Geschäftsjahr miserabel. Die aktuelle Rendite bezeichnet Gerber, der in seinem Autohaus in Hannover 16 Mitarbeiter beschäftigt, als #8222;traurig". Die Verbraucher würden immer härter handeln: #8222;Wir müssen unheimlich in Leasing- und Finanzierungszuschüsse zubuttern, um noch Geschäfte machen zu können."

Individuelle Vereinbarungen

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Renault. Zwar billigen die Franzosen ihren Vertragspartnern offiziell nur den branchenüblichen Kündigungsschutz von zwei Jahren zu, in Verbindung mit Investitionen werden aber individuelle Vereinbarungen getroffen, die Fristen auf bis zu fünf Jahre ausgedehnt. #8222;So kann sich der Hersteller sicher sein, dass sein Marketing-Konzept langfristig umgesetzt wird. Das ist für beide Seiten fair und sinnvoll", sagt Uwe M. Mitzel, Präsident des Verbandes der Renault-Händler Deutschlands.

Autohändler im Schwebezustand

Die Unsicherheit rund um das Generalthema Gruppenfreistellungs-Verordnung drängt solche Ansätze in den Hintergrund. Nach ZDK-Angaben befindet sich fast die Hälfte der deutschen Autohändler im Schwebezustand, weil ihnen die Hersteller zum Herbst 2002 vorsorglich gekündigt hatten. Wie wird es weitergehen? BMW-Wirtschaftssprecher Hubert Bergmann wagt eine Prognose: #8222;Die GVO wird sicher modifiziert werden, um die Serviceleistung zu garantieren. Die Ansprüche der Kunden hören nicht bei der Auslieferung der Fahrzeuge auf. Weder der Handel noch der Kunde dürfen leiden."

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