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Gleichgültigkeit statt paranoider Leere

Ekelbilder ohne Schockwirkung

Nach dem Fleischskandal in Supermärkten: Verbraucher lassen sich von den Ekelbildern nicht sonderlich lange beeindrucken. Zahlreiche große Ketten überlisten das Urteilsvermögen der Kunden mit einem Verpackungstrick.

Nach dem Fleischskandal in Supermärkten: Verbraucher lassen sich von den Ekelbildern nicht sonderlich lange beeindrucken. Zahlreiche große Ketten überlisten das Urteilsvermögen der Kunden mit einem Verpackungstrick.

8. März 2005. Ein Mitarbeiter der Supermarkt-Kette real spielt der Staatsanwaltschaft ein Video mit einer eindeutigen Botschaft zu: Was in deutschen Landen frisch auf den Tisch kommt, ist nicht immer so frisch, wie es das Haltbarkeits-Datum verspricht. Ausgerechnet beim Hackfleisch sind in real-Supermärkten munter die Etiketten frisiert worden, die TV-Aufnahmen verdorbener Fleischberge sorgten für vorübergehendes Unwohlsein in deutschen Wohnzimmern.

Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt die Stimmung an der Fleischtheke im Skandalmarkt real eingefangen. Ergebnis: Wo die Journalisten paranoide Leere erwartet hatten, trafen sie auf reichlich Kunden und ebenso viel Gleichgültigkeit.

Mogelpackung sorgt für optische Täuschung

Die Nur der Preis zählt-Mentalität drückt das Zitat einer real-Kundin aus: Wenn etwas passiert, dann habe ich eben Pech gehabt. Das kann woanders auch passieren, und dann hab ich auch noch richtig viel bezahlt.

Tatsache ist: Das optische Urteil über die Qualität vermeintlich frischer Fleischprodukte überfordert die Verbraucher. Unter anderem liege das an den atmosphärisch getauschten Verpackungen, die vor allem von großen Supermarktketten verwendet werden, verdeutlicht der Fleischermeister Thomas Moll.

Indem die Luft rausgezogen und ein Gasgemisch in die Plastikschalen eingeblasen wird, könne über Tage eine Farbstabilität erreicht werden, die über die tatsächliche Frische des Fleisches hinwegtäusche.

Mit Erzeugergemeinschaften auf der sicheren Seite

In seinem eigenen Betrieb in Seelze bei Hannover setzt Moll auf Qualität. Er ist Mitglied der Erzeugergemeinschaft Landjuwel. Die Haltung der Tiere, das Futter, das Schlachten, die Fleischproduktion jeder Schritt bis zur fertigen Wurst unterliegt strengen Richtlinien.

Der Handwerker hat kurzfristig von den real-Schlagzeilen profitiert: Im Vorjahresvergleich sind die Umsätze in unseren Geschäften tatsächlich gestiegen. Leider seien die Verbraucher mit keinem sehr langlebigen Bewusstsein ausgerüstet. Nach BSE hat sich der Ansturm auf die Fleischerfachgeschäfte, die nachvollziehbar Qualität produzieren, schnell wieder gelegt, erinnert sich Moll.

real hat auf den Fleischskandal reagiert. Als Antwort auf den erlittenen Image-Verlust setzt die Supermarkt-Kette jetzt so genannte Frische-Manager ein. In ihren weißen Kitteln sehen die Mitarbeiter aus wie besorgte Ärzte, witzelt die Süddeutsche.

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