3 Handwerker berichten, welche Erfahrungen sie bisher gemacht haben.
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Drei Handwerker berichten

Mehrwertsteuersenkung: Diese Erfahrungen haben Handwerker gemacht

Großen zusätzlichen Aufwand durch die Mehrwertsteuersenkung haben viele Handwerker im Sommer befürchtet. Aber welche Erfahrungen haben sie tatsächlich gemacht?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Im Rahmen des Konjunkturpakets hat der Bund die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr abgesenkt. Viele Handwerker haben im Sommer deshalb befürchtet, dass bürokratische Belastung auf sie zukommen könnte.
  • Wir haben bei drei Betrieben nachgefragt, welche Erfahrungen sie mit der Mehrwertsteuersenkung bisher tatsächlich gemacht haben und wie sie der Erhöhung der Mehrwertsteuer entgegen sehen.

Um in der Corona-Krise die Konjunktur anzukurbeln hat der Bund im Sommer die Mehrwertsteuer gesenkt – befristet für ein halbes Jahr. Bis Jahresende liegen die Steuersätze noch bei 16 beziehungsweise 5 Prozent. Bei vielen Handwerkern hat die befristete Mehrwertsteuersenkung im Sommer für Unmut gesorgt. Noch mehr bürokratischer Aufwand und wenig Nutzen, das waren häufig geäußerte Bedenken.

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Zimmerermeister: Hauptaufwand bei Abschlagszahlungen

Kritisch hat sich im Sommer zum Beispiel Zimmerermeister Marco Naumann geäußert. Doch welche Erfahrungen hat der Chef der MKN Zimmerei & Dachdeckerei nun in den vergangenen Monaten gemacht? „Der Hauptaufwand besteht im korrekten Abrechnen von Abschlagsrechnungen bei der Schlussrechnung“, berichtet er. Hier müsse er immer genau darauf achten, mit welchem Steuersatz er die Rechnungen ins Rechnungsprogramm einpflege.

Sein Rechnungsprogramm hat der Handwerksmeister mit Hilfe des Herstellers auf die reduzierten Steuersätze umgestellt. „Das hat gut geklappt und auch die Steuersätze für 2021 sind dort schon hinterlegt“, sagt Naumann. Der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar sieht er daher entspannt entgegen: „Die Steuersenkung im Betrieb umzusetzen, war im Sommer aufwändiger als das wieder zurücksetzen“, ist er überzeugt.

Und was hat ihm die Mehrwertsteuersenkung 2020 nun gebracht? Zimmerermeister Marco Naumann ist ernüchtert: „Nicht viel, sogar noch deutlich weniger als wir erwartet hatten.“

Handwerkerin setzt bei größeren Projekten auf Vorkasse statt auf Anzahlungen

Auch Handwerksunternehmerin Simone Frings hatte im Sommer vor allem die zusätzliche bürokratische Belastung durch die Mehrwertsteuersenkung befürchtet. Ihre größte Sorge: Mehraufwand durch Anzahlungen bei größeren Projekten, da der Steuersatz auf der Schlussrechnung gegebenenfalls korrigiert werden müsse.

„So schlimm wie befürchtet war es nicht“, sagt sie jetzt. Allerdings habe sie sich vor der Mehrwertsteuersenkung intensiv damit auseinandergesetzt, wie sie ihre Aufwände reduzieren kann. Die Lösung: „Bei großen Aufträgen habe ich mit Kunden keine Anzahlungen vereinbart sondern mit 100-Prozent-Vorkasse gearbeitet“, berichtet Frings.

Eine erhöhte Nachfrage infolge der Mehrwertsteuersenkung konnte die Handwerksunternehmerin nicht feststellen. Die Inhaberin der Lampenschirm-Manufaktur Lichtdesign & Raumdesign hat im Sommer allerdings ihre Nettopreise angepasst: „Es sind und bleiben harte Zeiten“, sagt sie. In ihrem Betrieb seien die Kosten stetig gestiegen und die Umsätze infolge der Pandemie gesunken. Daher habe sie sich für eine Preisanpassung entschieden und ihren Kunden die im Sommer auch angekündigt – zum Beispiel auf der Facebook-Seite ihres Betriebs. Und die Reaktion der Kunden? „Das haben alle anstandslos mitgetragen“, sagt Frings.

Unternehmerfrau: Reduzierter Mehrwertsteuersatz scheint Kunden nicht wichtig zu sein

Wie werden Kunden wohl reagieren, wenn Aufträge nicht pünktlich zum 31. Dezember realisiert werden können und sie dann nicht mehr mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz abgerechnet werden können? Diese Frage beschäftigte Petra Reupke vom SHK-Betrieb Frank Reupke vor der Mehrwertsteuersenkung.

Eine Antwort auf diese Frage hat sie zwar immer noch nicht, schließlich sind es noch ein paar Wochen bis zum Jahresende. Allerdings musste die Unternehmerfrau zu ihrem Erstaunen feststellen, dass den Kunden die Mehrwertsteuersenkung nicht ganz so wichtig zu sein scheint: „Wir mussten schon einige Aufträge ins neue Jahr schieben, da gab es bei keinem Kunden einen Aufschrei wegen der Mehrwertsteuer.“

Reupke hofft nun, dass das so bleibt und sorgt vor: „Wir kommunizieren immer klar, dass wir Aufträge im kommenden Jahr mit dem höheren Mehrwertsteuersatz abrechnen müssen.“

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