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Ausbildungsvergütung

Erwarten Azubis zu viel Geld?

Für viele Jugendliche ist das Geld in der Ausbildung ein wichtiges Thema. Fast jeder Dritte erwartet mindestens 700 Euro monatlich. Im Handwerk gibt es oft weniger. Sind die Ansprüche zu hoch?

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Die Verteilung in der Ausbildungsvergütung ist schon auffällig: Azubis im Handwerk verdienen entweder sehr gut oder unter Durchschnitt.

Das zeigt eine Übersicht des BIBB über 184 Ausbildungsberufe, darunter 47 Handwerksberufe:

  • In der Spitzengruppe der 15 bestbezahlten Ausbildungsberufe sind gleich 7 Gewerke vertreten: unter anderem die Zimmerer, Maurer und Fliesenleger.

  • Die große Mehrheit von 35 handwerklichen Ausbildungsberufen findet sich jedoch im hinteren Drittel der Liste: unter anderem die Raumausstatter, Friseure, Schuhmacher, Bäcker usw.

  • Während die Spitzengruppe im Handwerk monatlich durchschnittlich 968 Euro bekommt (Westdeutschland, gerechnet über die gesamte Ausbildungszeit), erreichen Azubis in anderen Branchen kaum die Hälfte (Raumausstatter: 441 Euro, Friseure: 454 Euro, Schuhmacher: 462 Euro).

  • Hinzu kommt: Die Bezahlung ist zwischen West- und Ostdeutschland teilweise sehr unterschiedlich. So kommen Fleischer-Azubis in den neuen Bundesländern auf durchschnittlich 357 Euro (West: 573 Euro), Friseur-Azubis verdienen im Osten 269 Euro (West: 454 Euro).

  • Durchschnittlich verdienten Azubis 2012 laut BIBB 737 Euro monatlich in Westdeutschland bzw. 624 Euro in Ostdeutschland.
 Was sagen die Azubis: Warum spielt Geld für Jugendliche eine große Rolle?
Warum spielt Geld für Jugendliche eine große Rolle?

Dass Geld für Azubis durchaus eine Rolle spielt, hatte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bereits 2010 in einer Befragung unter rund 6000 Azubis ermittelt. Das Ergebnis:

  • Rund 71 Prozent der Befragten bezeichneten es als „sehr wichtig“ oder „wichtig“, bereits in der Ausbildung „viel Geld zu verdienen“.

  • Zwei von drei Jugendlichen waren mit der Vergütung nicht zufrieden.

  • Besonders unzufrieden waren solche Azubis, die fast schon wie eine Fachkraft eingesetzt wurden und unbezahlte Überstunden machen mussten.

  • Fast zehn Prozent der Befragten mussten neben der Ausbildung jobben, damit es für Miete und Lebensmittel reicht.

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Zugegeben: Alle Umfragen zeigen, dass Geld nicht alles ist. Betriebsklima, anspruchsvolle Ausbildung und eine feste, kompetente Ansprechperson spiele für Azubis ebenfalls eine wichtige Rolle.

Doch beim Faktor Geld haben Azubis eben auch klare Vorstellungen. Das belegt eine Umfrage des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK) unter 1654 Schülern.

Auf die Fragen „Wie hoch sollte die Ausbildungsvergütung sein?“ fielen die Antworten so aus:

  • Fast 11 Prozent wären mit 300 bis 500 Euro monatlich zufrieden.

  • Fast 38 Prozent erwarten 500 bis 700 Euro.

  • Gut 22 Prozent halten 700 bis 1000 Euro für angemessen.

  • Fast 9 Prozent wollen über 1000 Euro monatlich.

  • 16 Prozent ist die Ausbildungsvergütung „egal“.
Was sagen die Praktiker dazu?
Können Sie sich das als Ausbildungsbetrieb leisten? Erwarten Azubis zu viel? Oder ist die Ausbildungsvergütung in manchen Branchen tatsächlich zu niedrig? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare!


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