Foto: Timo Bürger/bfp

Fuhrpark

Fiat Doblò Natural Power: Der steckt was weg

Erdgasantrieb, Schiebetüren und geräumiger Innenraum: Der neue Fiat Dobló ist für viele Einsätze bestens gerüstet – mit ein paar kleinen Abstrichen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Sparen mit Erdgas: Den Fiat Doblò Natural Power betankt mit mit CNG im Schnitt 70 Cent günstiger als einen Benzinmotor.
  • Schafft was weg: Hinter den Rückbänken stehen mindestens 790 Liter Gepäckraumvolumen zur Verfügung. Nach dem Umklappen der Rückwand sind es 3200 Liter.
  • Praktisch: Die gummierte Ablagewanne auf dem Armaturenträger. Nicht so praktisch: Dort abgelegte Utensilien spiegeln sich in der Windschutzscheibe und deponierte Handys heizen sich an diesem Ablageort schnell auf.

 

Die Spritpreise sind hoch wie lange nicht – und die ersten Städte sprechen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge aus. Höchste Zeit, nicht nur für Fuhrparkverantwortliche, über einen anderen Antrieb nachzudenken. Ein Elektro- oder Hybrid-, oder erst recht ein Plugin-Hybrid-Antrieb sind (noch) zu teuer, aber wie wäre es denn mal mit Erdgas (CNG)?

Dieser Kraftstoff ist energiereicher und gleichzeitig günstiger als Benzin oder Diesel; aktuell ist CNG umgerechnet etwa 70 Cent pro Liter günstiger als Super.

Fiat Doblò Natural Power mit bivalentem Antrieb

In der Regel sind CNG-Fahrzeuge bivalent ausgelegt. Wie auch im Fall des Fiat: Der bietet vier insgesamt 16 Kilogramm Erdgas fassende Tanks plus einen Benzintank mit einem Fassungsvermögen von 22 Litern. Die 16 Kilogramm CNG entsprechen etwa 24 Litern Super, insgesamt fasst der Doblò also 46 Liter Kraftstoff.

Gestartet wird immer mit Benzin, sogleich wechselt das System aber in den CNG-Modus. Beim Umdrehen des Zündschlüssels ist dabei ein metallisches Zischen oder Klacken zu vernehmen – die Ventile öffnen sich. Apropos Akustik: Der Klang des 1,4 Liter großen Turbo-Vierzylinders ist auffällig, er liegt irgendwo zwischen einem etwas rauen Dreizylinder und einem Dieselmotor. Unangenehm ist der Sound aber nicht, eher ungewöhnlich.

Keine genaue Verbrauchsanzeige

Der Füllstand der Gastanks lässt sich leicht auf einer Balken-Skala ablesen, eine exakte Reichweitenanzeige gibt es nicht. Standardmäßig wird solange mit CNG gefahren, bis entweder die Gastanks leer sind, oder manuell per Tastendruck in den Benzinmodus gewechselt wird.

So knauserig wie im Datenblatt versprochen – da ist die Realität auch keine andere als bei Fahrzeugen mit Diesel- oder Superantrieb – ist der Fiat nicht. Mit 4,9 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer kommt wohl nicht einmal der behutsamste Fahrer hin. Es dürften gut sechs Kilo sein. Den Gastanks ging nach moderat schnell gefahrenen gut 200 Kilometern die Luft aus.

Fiat Doblò kommt flugs von der Stelle

Leitungstechnisch gibt es aber nichts zu nörgeln: Mit beiden Modi – Benzin oder Erdgas – erreicht der kastige Typ die gleiche Leistung. Die 120 PS machen aus dem Familientransporter wie zu erwarten natürlich kein Katapult, aber: Der in "Amore-Rot" lackierte Doblò kommt an der Ampel doch überraschend flott aus den Puschen.

Bis allerdings die Autobahn-Richtgeschwindigkeit erreicht ist, vergeht die eine oder andere Sekunde mehr, als man es gewohnt ist. Maximal 206 Newtonmeter sind eben nicht die Welt. In Zahlen ausgedrückt: Von null bis 100 km/h benötigt der Italiener 12,3 Sekunden, bei 172 km/h ist dann Schluss mit dem Vorwärtsdrang. Aber das geht völlig in Ordnung, einen Doblò kauft man nicht der Beschleunigungswerte wegen.

Allzu forsch sollte man enge Kurven aber nicht nehmen, der Doblò ist ob seiner Höhe von 1,85 Meter in Kombination mit den "nur" 16 Zoll großen 195er-Rädern nicht der Allerstandfestete. Und wer noch eine Erkenntnis bezüglich der Verzögerung mitnehmen will: Die Bremsen dürften etwas selbstbewusster zupacken.

Über drei Kubikmeter Fassungsvermögen

Aber natürlich: Ein Kastenwagen ist weder für lange Autobahnhatzen noch für enges Kurvenräubern gemacht – ein Kastenwagen soll etwas (weg-)packen, seien es Kinder oder Kegel. Und hier punktet der 4,40 Meter lange Wagen richtig: Mindestens 790 Liter Gepäckraumvolumen und gar 3200 nach dem Umklappen der Rückwand weist das Datenblatt auf.

Zwei Schiebetüren gestatten den Hinterbänklern auch in engen Parklücken einen komfortablen Einlass, vorne freuen sich Fahrer und Beifahrer ebenso über den großzügigen Türausschnitt. Allen Passagieren, gleich in welcher Reihe, ist der großzügige Platz gemein.

Das fehlt dem Fiat Doblò Natural Power

Schade nur, dass es Fiat nicht geschafft hat, dem Smartphone einen adäquaten Platz zuzuweisen. Zwar gibt es auf dem Armaturenträger eine gummierte Ablagewanne, allerdings spiegeln sich dort alle abgelegten Utensilien störend in der Windschutzscheibe. Zudem heizt sich ein ebendort deponiertes Handy schnell auf. Und: Die Heizdrähte für die Heckscheibe irritieren beim Zurückstoßen – und alleine auf die elektronische Parkhilfe möchte man sich auch nicht immer verlassen.

Üppige Sicherheitsausstattungen serienmäßig

Verlassen hingegen darf man sich auf eine umfangreiche serienmäßige Sicherheitsausstattung: Elektronische Stabilitätskontrolle, Berganfahrassistent, Anti-Blockier-System und Bremsassistent sind immer an Bord.

Für den Fahrer bietet Fiat einen höhenverstellbaren Fahrersitz mit Lordosenstütze, für den jungen Nachwuchs zwei Isofix-Befestigungen. Apropos Befestigungen: Vier Verzurr-Ösen auf dem Kofferraumboden sollen das Verstauen von Taschen erleichtern.

Fazit Fiat Doblò Natural Power

Wer auf der Suche nach einem unkomplizierten Fahrzeug mit riesigem Stauraum ist, fährt mit dem Fiat Doblò sicher gut. Wer weg von Diesel oder Superbenzin möchte, findet in dem kompakten Italiener eine interessante Alternative. Verbrauchswunder darf man aber auch vom CNG-Antrieb nicht erwarten – in Sachen Strömungswiderstand ist ein Kastenwagen eben immer auch ein kleiner Alptraum.

Als Benzinmotor (120-PS-Motorisierung) ist der Fiat Doblò ab 21.900 Euro zu bekommen. Als bivalentes Benzin-/Erdgas-Fahrzeug beginnt die Preisliste bei 24.700 Euro.

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