Foto: Denny Gille

Fuhrpark

Fahrbericht Toyota Proace: Schlicht, spritzig, sparsam

Kompakte Maße, ordentlich Stauraum und viele praktische Funktionen. Damit soll der Toyota Proace bei Handwerkern punkten. Geht das Konzept auf? Malermeister Olaf Maikowski hat den Wagen getestet.

Auf einen Blick:

  • Gemacht für Transporte: Im Toyota Proace sorgen 180° aufschwenkbare Hecktüren, seitliche Schiebetüren – wahlweise links und rechts – und die nur kniehohe Ladekante für einfaches Be- und Entladen.
  • Kommt gut vom Fleck: Die mittlere Motorisierung mit 1,6 Liter Dieselmotor und 116 PS verleiht dem Transporter eine beachtliche Agilität. Gleichzeitig bleibt der Proace sparsam. Im Testzeitraum brauchte er durchschnittlich 6,4 Liter Diesel pro 100 Kilometer.
  • Schafft was weg: Den Proace gibt es in drei Längen. Die Dreisitzer-Variante mit knapp fünf Meter Fahrzeuglänge nimmt drei Europaletten auf. 2512 Millimeter misst hier die Laderaumlänge, ein Durchladesystem in der Trennwand erhöht die Länge auf 3674 Millimeter.
  • So urteilt Malermeister Olaf Maikowski nach einer Testwoche im Proace: „Fährt sich in Stadt und Umland angenehm und bietet genug Platz für einen kleinen Fahrzeuginnenausbau.“

Alle Infos

Frühling in Hannover. Die Bäume tragen erste Blüten, die Vögel zwitschern unter der frühen Sonne, untermalt vom Hubkonzert der morgendlichen Balz im städtischen Berufsverkehr. Und was macht der Toyota Proace? Der lässt erstmal ein paar Kompaktwagen an der nächsten Ampel stehen.

Eine angenehme Überraschung: Schon in der mittleren Motorisierung fährt sich der Proace spritzig. Der 1,6-Liter-Dieselmotor mit 116 PS beschleunigt den knapp fünf Meter langen Transporter so agil, dass der Arbeitsweg Spaß macht.

Maler macht den Alltagstest

Zeit für die nächste Station: Malermeister Olaf Maikowski soll den Toyota Proace eine Woche lang in seinem Arbeitsalltag testen. Maikowski hat sich mit seinem sieben Mitarbeiter starken Betrieb auf die betagte Kundschaft spezialisiert. Die Seniorenmaler versprechen bequemes Renovieren als Komplettpaket, bereiten die Wohnräume der Kunden vor und hinterlassen sie sauber und aufgeräumt nach der Renovierung.

„Häufig bearbeiten wir ein Objekt zwei bis drei Tage“, sagt Olaf Maikowski. Das heißt für die Firmenfahrzeuge: Sie werden zum Einrichten und Abräumen der Baustellen eingesetzt. „Farbeimer, Leiter und Tapeten gehören zum Standard-Transportgut“, erzählt Maikowski. Nebenbei fallen immer wieder Abfalltouren an.

Leicht zu beladen

Wie schlägt sich da der Toyota Proace? „Wir haben unser Material gut unterbekommen“, urteilt der Meister. Hilfreich war die flache Ladekante. Die ist mit 54 Zentimetern nur etwa kniehoch und mit einem Schritt gut zu bezwingen. Die beiden Hecktüren des Proace schwingen bis zu 180 Grad weit auf – und lassen sich bei Bedarf auch von innen öffnen.

Der Laderaum der Testversion ist mit einem grauen Laderaumboden mit sechs Befestigungsösen ausgestattet. Halbhoch sind auch die Wände damit ausgekleidet. „Das ist praktisch, doch die Verkleidung hätte auch höher sein können“, meint der Meister. „Man muss sich etwas vorsehen, dass die Ladung im oberen Bereich nicht versehentlich eine Beule in die Karosserie drückt.“

Platz für 3 Europaletten

In Sachen Ladevolumen lässt das Fahrzeug kaum Wünsche offen. 5,3 Kubikmeter schluckt der Laderaum in der mittleren Version – höchstens drei Europaletten. Hier beträgt die maximale Laderaumlänge 2512 Millimeter. Ein Durchladesystem in der Trennwand erhöht die Länge auf 3674 Millimeter. Eine Tonne Zuladung erlaubt das Fahrzeug. 2,5 Tonnen darf es ziehen.

Fahrgefühl und Verbrauch überzeugen

Olaf Maikowski hat mit dem kleinen Transporter gleich mehrere Baustellen eingerichtet, zwei Mülltouren gemacht und ein paar Kundenbesuche erledigt. „Der Proace fährt sich in Stadt und Umland angenehm“, resümiert der Unternehmer. „Die Gänge schalten sauber und ruckelfrei und der Motor überzeugt im kompletten Drehzahlbereich.“ Zudem zeigt sich der Wagen genügsam im Verbrauch. Auf den 225 Testkilometern – überwiegend im Stadtverkehr – hat sich der Toyota Proace im Schnitt pro 100 Kilometer mit 6,4 Litern Diesel begnügt.

Auch mit der Übersicht im Fahrzeug ist der Malermeister zufrieden. Es sei keine besondere Vorsicht nötig gewesen. „Man kann den Wagen wie einen normalen Pkw fahren“, sagt Maikowski. Auch mit drei Personen. Der Unternehmer hat es ausprobiert: „Zu dritt kann man bequem sitzen.“ Und wenn der mittlere Sitz gerade frei ist, wird die Rückenlehne zur Ablagefläche umfunktioniert.

Ablagen ohne Ende

Ablagen bietet das Fahrzeuginnere reichlich. Allein in die Türen sind drei Fächer unterschiedlicher Größe eingelassen. Der Beifahrer hat unter dem Handschuhfach ein zusätzliches Fach und in der Hutablage lassen sich ebenfalls Dokumente verstauen. Letzteres Fach sei etwas tief geraten. „Da muss man sich ganz schön vorbeugen, um die Sachen wieder herauszuangeln“, sagt Maikowski.

Parken: Bitte mit Gefühl!

Vermisst hat der Malermeister im Fahrzeug nur eines: die Parksensoren. Die gehören ebenso wie eine Rückfahrkamera zur optionalen Ausstattung. „Für die kleinen Parklücken in der Innenstadt sind ein paar Sensoren schon wichtig“, sagt Maikowski. Gleichzeitig stellt er fest: „Man gewöhnt sich erstaunlich schnell wieder ans Parken ohne Hilfsmittel.“

Zufriedener Tester: "Gute Größe"

Wäre der Toyota Proace etwas für den Fuhrpark des Meisters? Olaf Maikowski ist nicht abgeneigt. „Er hat eine gute Größe zwischen Kastenwagen und Kleintransporter.“ Aktuell werden die kleineren Fahrzeuge des Unternehmens für jede Baustelle komplett be- und entladen – da bleibt kein Platz für dauerhaftes Transportgut. In einem Wagen wie dem Proace könnte sich der Unternehmer vorstellen, ständig benötigte Ware wie Leiter oder Mischfarben fest im Auto zu lassen.

„Auch bietet der Wagen genug Platz für einen kleinen Fahrzeuginnenausbau mit Systainerboxen“, sagt Maikowski. Auf jeden Fall würde der Malermeister zwei Optionen zum Fahrzeug dazubuchen: „Ein Navi und die Parksensoren.“

Eckdaten - der Toyota Proace Transporter (Medium) im Überblick

  • Motor: 1,6 l Dieselmotor (95/116 PS), 2,0 l Dieselmotor (122/150/177 PS)
  • Verbrauch kombiniert: modellabhängig 5,1 bis 5,9 l 100 km (Werksangabe)
  • Max. Laderaumlänge: 2512 mm (3674 mm mit Smart-Cargo-Durchladesystem)
  • Max. Laderaumbreite: 1628 mm
  • Zuladung: 1,0 bis 1,4 t
  • Anhängelast: 1,8 bis 2,5 t
  • Preis Basisversion ab: 21.900 Euro zzgl. MwSt.
  • Preis Testfahrzeug: 26.990 Euro zzgl. MwSt.

Fuhrpark

Fahrbericht Citroën Jumpy: Das sparsame Wiesel

Kann ein Transporter wendig, geräumig, sparsam und praktisch zugleich sein? Dachdeckermeister Andreas Kellner aus Hannover hat den neuen Citroën Jumpy ausprobiert.

Fuhrpark

Fahrbericht Toyota Hilux: Baustellenprüfung vom Maurermeister

Jens Kursawe weiß, was er von einem Pick-up erwartet. Belastbar muss er sein, Material wegschaffen können und sich souverän auf jedem Untergrund fahren. Konnte der Hilux von Toyota seinen Test bestehen?

Fuhrpark

Überblick: Die Nutzfahrzeug-Neuheiten 2017

Neue Fahrzeuge, nützliches neues Zubehör, interessante neue Konzepte: Die Hersteller passen ihre Angebote immer genauer an die Bedürfnisse des Handwerks an.

Fuhrpark

Elektrotransporter für jedermann

Handwerkertaugliche Elektro-Laster sind bei den großen Autoherstellern Mangelware. Die Deutsche Post hat ihren Streetscooter daher einfach selbst entwickelt. Jetzt kann jeder den Transporter mit Elektroantrieb kaufen.