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Wirtschaftsauskunfteien: Schäden durch falsche Infos

Falsche Angaben sofort richtigstellen

Was wissen andere über Ihren Betrieb? Jede Menge – denn Lieferanten, Banken und auch Kunden nutzen ständig die Dienste von Wirtschaftsauskunfteien. Schlimm, wenn die Infos nicht stimmen. So wehren Sie sich!

Wissen Sie, was andere über Sie wissen? - Informationen von Auskunfteien sind nicht immer zuverlässig.
Informationen von Auskunfteien sind nicht immer zuverlässig.
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Was macht ein Lieferant, ein Leasinggeber oder ein Firmenkunde, bevor er mit Ihnen spricht? Er besorgt sich Infos von einer Wirtschaftsauskunftei. „Das ist das Erste, was Unternehmen prüfen – der erste Filter“, berichtet Finanzierungsexperte Carl-Dietrich Sander vom KMU-Beraterverband.

Egal ob die Auskunft von Creditreform, Bürgel oder Bisnode (früher: Hoppenstedt) stammt: Geschäftsprofis wollen wissen, ob sich ein Gespräch mit Ihnen lohnt oder ob sie sich damit nur finanzielle Probleme einhandeln. Wie ist die Bonität? Wie ist die Zahlungsmoral? Gab es schon mal Ärger?


Auskunft vor dem ersten Kontakt – und dann immer wieder!
Diese Auskunft entscheidet bereits vorm Erstkontakt darüber, ob sich ein Unternehmen überhaupt auf ein Gespräch mit Ihnen einlässt.

Doch auch in bestehenden Geschäftsbeziehungen haben die Unternehmen immer die neuesten Infos der Auskunfteien zur Verfügung: „Wer einmal eine Auskunft einholt, hat eine Art Abo“, sagt Sander. „Sobald die Auskunftei über einen Betrieb neue Erkenntnisse sammelt, erfahren ihre Kunden automatisch sofort davon.“

Fehlerhafte Infos schaden dem Betrieb
Das Problem: Die Informationen der Wirtschaftsauskunfteien sind nicht immer richtig. Das kann gravierende Folgen haben: Es kann dazu führen, dass ein Handwerker keine Leasingangebote bekommt, beim Lieferanten nur per Vorkasse oder mit ganz wenig Kredit einkaufen kann und von Firmenkunden keine Aufträge bekommt.

Sanders Rat: Informieren Sie sich, welche Auskünfte die Wirtschaftsauskunfteien über Sie geben. Prüfen Sie die Angaben genau und kümmern Sie sich darum, dass Fehler beseitigt werden.

Nächste Seite: So erfahren Sie, was die Auskunfteien über Sie wissen und denken!

Was Wirtschaftsauskunfteien über Sie wissen

1. Fordern Sie eine Selbstauskunft an
Bitten Sie eine oder mehrere Auskunfteien um eine Selbstauskunft. Die Auskunfteien sind zu der Auskunft verpflichtet und das kostet Sie auch nichts.

„Auf jeden Fall sollte man eine Selbstauskunft bei der Creditreform einholen, die sind die Größten auf diesem Markt“, rät Sander. Größere Betriebe sollten auch Selbstauskünfte von Bürgel und Bisnode anfordern.

2. Prüfen Sie Ihren Bonitätsindex und den empfohlenen Kreditrahmen!
Eine Auskunftei lässt alle Informationen in einen Bonitätswert einfließen, den sogenannten Bonitätsindex. „Mit einem Score von mehr als 300 zum Beispiel bei Creditreform braucht man bei einem Lieferanten oder einem Leasinggeber nicht mehr anzufragen“, warnt Sander. Gut ist ein Bonitätsindex von 250 oder weniger.

Auf diesen Bonitätsindex schauen Geschäftsprofis zuerst. Und dann auf die Empfehlung der Wirtschaftsauskunftei, weiß der Experte: „Da steht dann unter ‚Krediturteil‘, ob Kredit gegeben werden kann und welches maximale Kreditlimit die Auskunftei empfiehlt.“

Ein Bonitätsindex von über 250 bedeutet: Sie sollten aktiv werden und zumindest prüfen, was Sie daran ändern können.

Nächste Seite: Diese Angaben müssen Sie unbedingt überprüfen!

3. Prüfen Sie die Angaben über Ihr Unternehmen

Wenn Sie mit Bonitätsindex und Kreditempfehlung der Wirtschaftsauskunftei nicht zufrieden sind, schauen Sie sich die Details der Auskunft an. Dort finden Sie die Gründe für schlechte Werte.

Achten sollten Sie vor allem auf die folgenden Punkte:

  • Branchenzuordnung: 
    Die Branchenzugehörigkeit fließt in den Bonitätswert ein. Gerade im Handwerk komme es immer wieder zu falschen Zuordnungen.

  • Firmendaten:
    Stimmt das Gründungsdatum? Je älter ein Betrieb ist, desto besser für die Bonitätsnote. Stimmen die Angaben zu Inhabern, Gesellschaftern usw.?

  • Unternehmenszweck: 
    Die Firmentätigkeit kann sich im Laufe der Jahre ändern. Steht da vielleicht seit der Gründung vor 15 Jahren als Unternehmenszweck „Heizung, Klima, Sanitär“, obwohl das längst nicht mehr aktuell ist? Angesichts der Vielfalt in den einzelnen Gewerken seien Angaben zu Spezialisierungen immer sinnvoll, „die Benennung des Gewerks sagt da noch nicht viel aus“. Dass sich ein SHK-Betrieb zum Beispiel auf Sanierungs- und Renovierungsarbeiten für Wohnungsbaugesellschaften spezialisiert hat, sollte auch in seiner Auskunft stehen, rät Sander: „Das ist für potenzielle Neukunden eine wichtige Information.“

  • Geschäfts- und Finanzkennzahlen
    Prüfen Sie, ob die Angaben stimmen. „Da stehen auch mal falsche Zahlen“, warnt Sander. Zum Beispiel wirkt sich eine zu niedrig eingetragene Eigenkapitalquote natürlich schlecht auf die Bonität aus. Die aktuellen Geschäftszahlen von Kapitalgesellschaften ziehen sich die Auskunfteien aus der Kurzbilanz im Unternehmensregister. „Aber als Einzelfirma würde ich den Auskunfteien freiwillig zum Beispiel Umsatz und Mitarbeiterzahl melden, das ist für Lieferanten und Kunden interessant“, sagt Sander.

    Wichtig: „Wenn man in guten Zeiten bestimmte Zahlen an die Auskunfteien gibt, dann muss man das auch in schlechten Zeiten durchhalten, sonst wirkt das unglaubwürdig“, warnt der Experte.

  • Negativ-Merkmale zum Zahlungsverhalten
    Die Wirtschaftsauskunfteien ziehen Daten nicht nur aus öffentlichen Registern und Angaben der Unternehmen. „Wenn ein Kunde einer Auskunftei schlechte Erfahrungen mit einem Betrieb macht, dann meldet er das an die Auskunftei zurück – das fließt in die Auskunft ein“, berichtet Sander. Problem: Diese Angaben sind nicht immer aktuell und auch nicht immer ganz richtig.
Nächste Seite: So stellen Sie falsche Angaben richtig!4. Angaben ergänzen und korrigieren

Sie können Informationen über Ihr Unternehmen jederzeit ergänzen, aktualisieren und auch Fehler korrigieren. Die Auskunfteien sind dankbar für Ihre Mitarbeit, denn korrekte und umfassende Daten sind ihr Kapital.

Allerdings erwarten die Wirtschaftsauskunfteien Belege für Ihre Informationen.

Schwierig seien Änderungen bei negativen Zahlungsinformationen, berichtet Sander. „Aber ich gehe davon aus, dass nachweislich falsche Informationen aus der Auskunft entfernt werden.“

Gut für die Bankbeziehung
Der Aufwand lohnt sich in jedem Fall. Denn sogar Ihre Hausbank nutzt die Auskunfteien. „Die Banken interessiert natürlich, ob ihre Kunden noch Kredit bei anderen bekommen können.“ Und wenn die Hausbank sieht, dass der Bonitätsindex eines Kunden langsam in Richtung 300 abrutscht, dann hat das auch Auswirkungen auf die weitere Kreditbereitschaft.

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(jw)

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