Schaetzung-kasse.jpeg
Foto: olly - stock.adobe.com
Geringfügige Fehler in der Kassenführung sind kein Anlass für eine Hinzuschätzung.

Steuern

Finanzamt: Keine Schätzung bei kleinen Kassen-Fehlern

Das Finanzamt schätzt einen Betrieb auf 150.000 Euro Mehreinnahmen. Ein Finanzgericht kommt auf 100 Euro – und wirft dem Fiskus Rechenfehler vor.

Bei geringfügigen Fehlern in der Kassenführung darf das Finanzamt den Gewinn nicht schätzen. Das hat das Finanzgericht Münster entschieden.

Der Fall: Bei einer Außenprüfung stellte das Finanzamt fest, dass eine Imbissbude einzelne Barumsätze nicht in seiner elektronischen Registrierkasse erfasst hatte. Die Prüfer kamen für fünf Tage in drei Jahren auf einen Fehlbetrag von 93,73 Euro. Schuld waren einige nicht gebuchte Pfandgelder und Verkaufseinnahmen.  Zudem stellten sie fest, dass der Betreiber an neun Tagen Einnahmen um ein bis zwei Tage verspätet gebucht hatte. Damit waren die Aufzeichnungen nach Auffassung des Finanzamts in dem Zeitraum nicht ordnungsgemäß. Bei einer anschließenden Schätzung kalkulierten die Prüfer steuerpflichtige Mehreinnahmen von rund 150.000 Euro.

Ohne Warnung: So prüft das Finanzamt Ihre Kasse

Risikofaktor Kassen-Nachschau: Seit Anfang 2018 kann das Finanzamt die Kasse ohne Vorankündigung prüfen. Auch Bau- und Ausbaugewerke sind betroffen.
Artikel lesen

Das Urteil: Das Finanzgericht reduzierte die Hinzuschätzung auf 93,73 Euro aus den nachweislichen Barbeträgen. Diese seltenen und geringen Mängel fielen im Verhältnis zu den bis zu 30.000 Einzelbuchungen im Jahr nicht ins Gewicht. Das gelte auch für die Kassensturzfähigkeit in diesen wenigen, kurzen Zeiträumen. Trotz einzelner Mängel sei die Buchführung ordnungsgemäß. Daher gebe es keinen Anlass zur Schätzung. Darüber zeigte das Gericht eine Reihe von Schätzfehlern der Prüfer auf. Deren Kalkulation sei „derart fehlerhaft“, dass selbst bei bestehender Schätzbefugnis nicht für eine Schätzung getaugt hätte. (Urteil vom 9. März 2021, Az. 1 K 3085/17 E,G,U)

Tipp: Sie wollen beim Thema Steuern nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Finanzgericht senkt Hinzuschätzung von Umsätzen

Bei Buchführungsmängeln hat das Finanzamt eine Schätzbefugnis. Doch dieser Richter hat ein Einsehen – und korrigiert die Schätzung nach unten.
Artikel lesen

Betriebsprüfung unter Corona: Wann prüft das Finanzamt?

Während der Corona-Pandemie gibt es weniger Betriebsprüfungen. Dennoch müssen kleinere Betriebe aufpassen, sonst fließt vielleicht der halbe Jahresgewinn in die Nachzahlung.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Gilt auch für in Word oder Exel: Wenn Sie die Software für Rechnungen nur als Schreibprogramm nutzen und anschließend ausdrucken, sind Sie auf der sicheren Seite.

Steuern

Keine Schätzung – trotz manipulierbarer Rechnungssoftware

Ein Unternehmer ändert und löscht Rechnungsdateien, doch ein Finanzgericht stoppt die Steuerschätzung. Das Urteil zeigt, worauf es bei Rechnungssoftware wirklich ankommt!

    • Steuern
Eine Excel-Tabelle als Ergänzung zur ordnungsgemäßen Kassenführung ist kein Grund für eine Schätzung durch das Finanzamt.

Steuern

Kassenführung: Excel-Tabelle führt nicht zwingend zur Schätzung

Bedeutet der Einsatz einer Excel-Tabelle immer einen schweren Mangel in der Kassenführung? In diesem Fall entschied ein Gericht gegen das Finanzamt.

    • Steuern
Ordnungsgeld-finanzgericht.jpeg

Steuern

Termin schwänzen beim Finanzgericht kostet Strafe

Das Finanzgericht verlangt Ihr persönliches Erscheinen zu einem Termin – und Sie wollen nicht hin? Dann kann das Ordnungsgeld mehr kosten als erwartet.

    • Steuern

Steuern

So legen Sie Einspruch gegen die Schätzung ein

Das Finanzamt wird ungeduldig und schätzt kurzerhand die Steuern. Fall erledigt? Keineswegs: Wer jetzt immer noch nicht reagiert, zahlt zu viel!

    • Steuern