Vorsicht bei hohen Bareinzahlungen: Das Finanzamt besteht auf einem Nachweis der Herkunft, auch wenn es sich um ein Darlehen handelt.
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Vorsicht bei hohen Bareinzahlungen: Das Finanzamt besteht auf einem Nachweis der Herkunft, auch wenn es sich um ein Darlehen handelt.

Inhaltsverzeichnis

Steuern

Finanzamt prüft hohe Bareinzahlungen genau

Bei hohen Bareinzahlungen auf das Firmenkonto hakt das Finanzamt nach. Kreative Geschichten helfen dann nicht weiter, wie dieser Fall zeigt.

  • Durch eine Bareinzahlung von 70.000 Euro auf ein Firmenkonto werden Staatsanwaltschaft und Finanzamt aufmerksam.
  • Dass es sich um ein Darlehen des im Ausland lebenden künftigen Ehegatten der Unternehmerin handelt, glaubt der Fiskus nicht. Zumal es keine Zollbelege über die Einfuhr des Betrags in bar gibt. Dass die Frau seinen Namen zum Schutz von Leib und Leben ihres Zukünftigen nicht verraten will, verbessert ihre Lage auch nicht.
  • Den Betrag muss die Unternehmerin nun als unversteuerte sonstige Einkünfte ungeklärter Herkunft voll nachversteuern.

Bei Bargeld und Bareinzahlungen ist das Finanzamt schnell mit dem Verdacht der Steuerhinterziehung bei der Hand. Das gilt ganz besonders für hohe Beträge, wenn der Betrieb die Herkunft nicht nachweisen kann oder – wie in diesem Fall – den Nachweis verweigert.

Unternehmerin argumentiert mit Schutz des Darlehensgebers

Der Fall: Eine Unternehmerin zahlt 70.000 EUR in bar auf ihr Firmenkonto ein, in zwei Tranchen zu 45.000 und 25.000 Euro. Eine Woche später erstattet die Bank Anzeige wegen eines Geldwäscheverdachts. Gegenüber der Bank habe die Frau angegeben, dass es sich um einen privaten Kredit handele, mit dem sie finanzielle Verpflichtungen erfüllen wolle. Die Staatsanwaltschaft leitet die Information an die Steuerfahndung weiter.

Das Finanzamt verlangt von der Frau nun Informationen über den Darlehensgeber und die Kreditkonditionen. Gegenüber dem Finanzamt erklärt die Unternehmerin, es handele sich um ein Darlehen ihres künftigen Ehegattens. Der lebe im Ausland, einem Nicht-EU-Staat. Seinen Namen werde sie aus Gründen des Identitätsschutzes nicht nennen. Dieser Mann besitze in seinem Heimatland „absoluten Schutz seiner Identität und Privatsphäre, damit der Schutz seiner Person und seines Lebens gewährleistet sei“.

Den Kreditvertrag habe sie mündlich vereinbart, mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent. Die monatliche Kreditrate von 1.000 Euro begleiche sie in bar bei persönlichen Treffen. Bisher habe sie 16.000 Euro zurückgezahlt. Die Zinsen würden nach Tilgung berechnet und gesondert gezahlt.

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Finanzamt: Bareinzahlung ohne Nachweis und Zollbeleg steuerpflichtig

Damit gibt sich der Fiskus nicht zufrieden und verlangt eine Kopie der Zollbestätigung für die ein- oder ausgeführten Barmittel. Denn Barmittel im Gesamtwert von 10.000 Euro sind bei der Ein- oder Ausreise der deutschen Zollstelle schriftlich zu melden. Die Antwort der Unternehmerin: Sie habe die 70.000 Euro in mehreren Beträgen erhalten, die alle „deutlich unter 10.000 Euro“ gelegen hätten.

Dem Finanzamt genügen diese Angaben nicht. Auch die für das Jahr 2018 vorgelegten Kontoauszüge genügen als Nachweis für Rückzahlungen des Darlehens nicht, da sie lediglich die Abhebung von Bargeld ausweisen.

Daher handele es sich bei den 70.000 Euro um unversteuerte sonstige Einkünfte ungeklärter Herkunft,  die nun zu versteuern seien.

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Gericht: Unternehmerin hat erhöhte Mitwirkungspflicht

Der Fall landet vor dem Finanzgericht Münster. Das entscheidet im Sinne des Finanzamtes: Auch bei einem im Ausland ansässigen Darlehensgeber könne das Finanzamt nicht auf dessen Nennung verzichten Hier habe die Unternehmerin eine erhöhte Mitwirkungspflicht.

Hinzu komme, dass es sich um ein privat wie auch betrieblich genutztes Konto handele. Daher habe die Unternehmerin eine erhöhte Mitwirkungspflicht bei der Prüfung der Frage, ob es sich bei den Einzahlungen um steuerpflichtige Einnahmen oder nicht steuerpflichtige Vermögenszugänge handele.

Diese Mitwirkungspflichten habe die Unternehmerin nicht erfüllt. Folglich gehe das Finanzamt zu Recht davon aus, dass es sich bei Bareinzahlungen um nicht versteuerte Betriebseinnahmen der Unternehmerin handelt. (Urteil vom 9. Juni 2021, Az. 13 K 3250/19 E)

Tipp: Bareinzahlungen immer dokumentieren

  • Halten Sie Privat- und Firmenkonten sauber getrennt. So können Sie leichter steuerfreie private Vermögenszuwächse und steuerpflichtige Betriebseinnahmen trennen. Zudem erschwert die Trennung der Konten dem Finanzamt bei einer Betriebsprüfung den Zugriff auf Ihre privaten Transaktionen.
  • Bei Bareinzahlungen auf Ihr Firmenkonto sollten Sie immer einen Nachweis über die Mittelherkunft führen, denn sonst drohen Steuernachzahlungen und Steuerstrafverfahren.
  • Bei Kreditverträgen mit Verwandten oder künftigen Lebenspartnern gelten die gleichen Regeln wie bei Krediten mit Dritten: Machen Sie es immer schriftlich, zu marktüblichen Konditionen. Und halten Sie die Vertragsbedingungen ein, sonst wird der Fiskus berechtigte Zweifel haben und den Betriebsausgabenabzug verweigern.

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