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Flinke Schreibkraft

Eine Schreibhilfe, die doppelt so viel wegschafft wie Sie? Das gibt es tatsächlich: Eine Spracherkennungssoftware, die speziell auf das Vokabular des Kunden zugeschnitten ist, erleichtert Handwerkern die Schreibarbeit.

Eine Schreibhilfe, die doppelt so viel wegschafft wie Sie? Das gibt es tatsächlich: Eine Spracherkennungssoftware, die speziell auf das Vokabular des Kunden zugeschnitten ist, erleichtert Handwerkern die Schreibarbeit.

von Martina Jahn

Über Michael Klömpges Schreibtisch gehen täglich unzählige Vorgänge. Als Geschäftsführer einer Dachdeckerfirma und als offentlich bestellter und vereidigter Gutachter fällt viel Schreibkram an. Die Zeit, aufs Dach zu kommen, habe ich mittlerweile gar nicht mehr, sagt der Unternehmer. Trotzdem geht ihm die Arbeit als Gutachter seit einiger Zeit schneller von der Hand: eine Spracherkennungssoftware ist sein Gehilfe.

Wenn ich gut drauf bin, kann ich locker die Hälfte der Zeit einsparen, erzählt Klömpges begeistert. Er arbeite damit ausschließlich am Schreibtisch und nutzt es nur zum Erstellen von Gutachten. Und das hat früher Zeit geraubt. Zwar sei seine Hauptbeschäftigung die Leitung der Firma. Aber auch die Gutachter-Tätigkeit sei nicht zu unterschätzen. Die Stunden, die er beim Diktieren der Gutachten spart, kann er in die Firma investieren.

Ich musste mich erst daran gewöhnen, das Geschriebene nicht mehr vor den Augen zu haben, berichtet der Solinger. Das Diktieren sei ihm schwer gefallen. Und die deutliche Aussprache auch. Ohne die geht nichts. Was das Programm nicht versteht, schreibt es falsch. Die Fehler sieht er dann in der Textverarbeitung am Computer und kann sie manuell ausbessern. Ohnehin müsse er jeden Text vor dem Versenden lesen. Das Programm ist schließlich nicht fehlerfrei.

Naturally Dragon Speaking Preferred 9.X heißt die neueste Version der Software, entwickelt von der Firma Nuance aus München. Das Fachvokabular für Sachverständige jeglichen Gewerks kommt aus Aachen. Die Firma AS Anwender Spracherkennung hat sich auf das Feintuning der Software spezialisiert. Wir schneiden das Programm individuell auf Kundenwünsche zu, sagt Michael Etschenberg, Inhaber von AS. Vor dem Tuning erfolgt eine Analyse beim Kunden. Dabei geht es vorrangig um seine Sprache und seinen Stil. Und um das von ihm verwendete Vokabular.

Zu Beginn haben die Aachener etliche Gutachten von mir eingelesen, berichtet Klömpges. Dadurch wird der Spracherkennungswert beim Diktieren erhöht. Auch die Satzstruktur und der Sprachstil des Gutachters werden somit erfasst und dem Programm antrainiert.

Einem Training bedarf es auch vor der Inbetriebnahme der Schreibhilfe. Wir installieren das Programm beim Kunden und schulen ihn, erklärt Etschenberg. Nach zwei bis drei Stunden könne der Anwender loslegen. Das kann der Dachdeckermeister bestätigen. Aber Zeit müsste man sich schon nehmen, um sich mit dem neuen Begleiter vertraut zu machen. Auch die Software muss trainiert werden, berichtet Klömpges. Sie kann neue Wörter lernen, und falsch Geschriebenes wird einfach gelöscht per Sprachbefehl.

Laut Hersteller liegt die Erkennungsquote bei 99 Prozent. Bis zu 160 Wörter in der Minute kann das Programm fassen das muss ein Handwerker erst einmal auf der Tastatur vorlegen. Große technische Bewandnis ist nicht vonnöten. Mit Word sollte man schon vertraut sein, sagt Etschenberg. Ein Computer mit gängiger Software und einem Betriebsystem nicht älter als Windows 2000, das wäre die Voraussetzung. Ein Headset für die Aufnahme ist im Preis enthalten.

Die etwas mehr als 1000 Euro, die der Solinger vor vier Jahren in das System investiert hat, hätten sich auf jeden Fall gelohnt. Und wenn etwas mal nicht klappt? Dann sind die Leute von AS zur Stelle, erklärt Klömpges: Service inklusive.

Darauf sollten Sie bei der Auswahl einer Softwarelösung Wert legen:

Fehlerquote: Entscheidend sind die Geschwindigkeit und die Fehlerquote, mit der die Software arbeitet. Wenn sie eingestellt und trainiert ist, sollte sie Sprache halbwegs flüssig aufzeichnen. Und die Fehlerquote bei der Spracherkennung sollte deutlich kleiner als fünf Prozent sein.

Textverarbeitung? Die Software sollte so gestrickt sein, dass Sie per Sprachbefehl Texte schnell formatieren können. Achten Sie darauf, dass sich Diktate mit wenigen Klicks in Ihr Textverarbeitungsprogramm übertragen lassen.

Textbausteine? Wichtig ist, dass Sie Textmakros anlegen können. Sie brauchen dann nur Schlüsselbegriffe zu nennen, und die Software spuckt automatisch die hinterlegten Standard-Textpassagen aus.

Wörterbuch? In der Software sollte es möglich sein, Sammlungen mit Fachbegriffen aufzubauen, die Sie für Ihr Gewerk benötigen. Fragen Sie nach, welches Fachvokabular der Softwarehersteller mitliefert.

Sprachspeicher? Das Programm sollte Diktate auch als Sprachdatei aufzeichnen, so dass Sie sich die Originale gegebenenfalls wieder anhören können.

Datensicherheit: Ein Muss sind hohe Systemstabilität und automatische Zwischenspeicherung.

Links: Spracherkennungssoftware

Eine kleine Auswahl von Anbietern digitaler Lösungen für die Spracherkennung:

Dragon Naturally Speaking

IBM Via Voice

Philips: Digital diktieren

iListen, Macintosh (Vertrieb ASH)

www.as-ac.de

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Sprachsteuerungssoftware

Zum Diktat bitte, Software!

Diktieren statt tippen: Mit der richtigen Software sparen Sie viel Zeit und Nerven.

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Was taugt die Spracherkennungssoftware

Wie gut ist die Spracherkennungssoftware? Wir haben es mit einem Satz aus einem älteren Artikel getestet.

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Sie können sich nicht entscheiden, ob sich die Anschaffung eines iPad für Ihren Betrieb lohnt? Diese 7 Apps machen Ihnen die Entscheidung sicher leichter, wenn Sie Ihr iPad auch geschäftlich nutzen wollen

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Dem Text Ausdruck geben

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