Das kann ein Kündigungsgrund sein.
Foto: olly - Fotolia.com

Urteil

Fristlose Kündigung nach Beleidigung rechtens?

Ein Mitarbeiter einer Baufirma beleidigt den Chef im Streit. Gegen die fristlose Kündigung klagt er. Das Gericht stellt klar: Der Einzelfall entscheidet.

Wer eine fristlose Kündigung ausspricht, muss dafür einen guten Grund haben. Sie ist zudem nur rechtens, wenn dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar ist, mit dem Mitarbeiter bis zum Ende der Kündigungsfrist zu arbeiten. Gilt das, wenn ein Mitarbeiter seinen Chef beleidigt?

Die fünf größten Fehler bei Kündigungen

Jemandem kündigen zu müssen, ist keine schöne Aufgabe. Noch schlimmer wird sie, wenn man grobe Fehler macht und die Kündigung unwirksam ist.
Artikel lesen >

Der Fall: Zwischen dem Geschäftsführer einer Baufirma und einem Mitarbeiter kam es auf einer Baustelle zum Streit. Die Auseinandersetzung eskalierte, der Mitarbeiter nannte seinen Chef „Arschloch“ und verließ die Baustelle. Als Konsequenz erhielt er eine fristlose Kündigung. Der Mitarbeiter klagte.

Das Urteil: Das Landesarbeitsgericht Köln entschied nur teilweise im Sinne des Mitarbeiters. Eine fristlose Kündigung sei nicht zulässig. Zwar habe der Mann seinen Vorgesetzten grob beleidigt und seine arbeitsvertraglichen Pflichten schwerwiegend verletzt. Aber das Gericht wertete in diesem konkreten Fall mehrere Punkte zu Gunsten des Klägers:

  • Das Arbeitsverhältnis bestand bereits seit elf Jahren und war bislang ohne Probleme verlaufen.
  • Der Kläger habe sich während des Streits in einer „emotionalen Stresssituation“ befunden.
  • Der Mitarbeiter sei ein einfacher Bauarbeiter und insofern eher „ein Mann der Tat als des differenzierten und abwägenden Wortes“.
  • Das Verlassen der Baustelle stelle ein „Fluchtverhalten“ dar.

Zulässig hingegen wertete das Gericht die ordentliche Kündigung, die der Arbeitgeber zusätzlich ausgesprochen hatte.

LAG Köln, Urteil vom 04.07.2019 – Az.: 7 Sa 38/19

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos mehr zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Mit dem handwerk.com-Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden. Hier geht es zur Anmeldung!

Aucu interessant:

Kündigungsgespräch – 5 Tipps für eine knifflige Situation

Einem Mitarbeiter zu kündigen, ist immer eine schwierige Angelegenheit. Mit unseren Tipps behalten Sie die Situation im Griff.
Artikel lesen >

Rechtfertigen kleine Verstöße fristlose Kündigung?

Ein Mitarbeiter macht durch sein Fehlverhalten immer wieder Ärger im Betrieb. Doch darf der Arbeitgeber deswegen ohne Abmahnung kündigen?
Artikel lesen >

Recht

Diese 10 Urteile zu Kündigungen sollten Sie kennen

Auseinandersetzungen über Kündigungen landen oft vor Gericht. Dabei zeigt sich: Der Einzelfall entscheidet. Zehn Urteile, die Sie deshalb kennen sollten.

Recht

Rechtfertigen kleine Verstöße fristlose Kündigung?

Ein Mitarbeiter macht durch sein Fehlverhalten immer wieder Ärger im Betrieb. Doch darf der Arbeitgeber deswegen ohne Abmahnung kündigen?

Urteil

Leergut gesammelt – fristlose Kündigung rechtens?

Eine Angestellte sammelte wiederholt Pfandflaschen während der Arbeitszeit. Der Rechtsstreit über ihre Kündigung ging bis zum Bundesarbeitsgericht.

Urteil

Dienstauto privat genutzt: Kündigung nur nach Abmahnung

Wenn ein Mitarbeiter den Dienstwagen unerlaubterweise privat fährt, muss der Arbeitgeber zunächst abmahnen, entschied ein Gericht.