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Gebäudetechnik

Gebäudetechnik ? versorgen statt verkabeln

Um die Rolle des Systemintegrators ist ein Wettlauf der Gewerke ausgebrochen. Das Elektro-Handwerk sieht sich mit der Marke "Intratec" vorn. Aber auch die Sanitär-Branche steht bereit. Im Privatkundenbereich ist Gebäudetechnik allerdings noch ein mühseliges Geschäft.

Um die Rolle des Systemintegrators ist ein Wettlauf der Gewerke ausgebrochen und das Elektro-Handwerk sieht sich vorn. Aber auch die Sanitär-Branche steht bereit.

Die Gebäudetechnik rüttelt die Gewerke auf, jeder will dabei sein. Besonders begehrt ist die Rolle des Systemintegrators. An ihn sollen sich die Kunden mit komplexen und lukrativen Aufträgen wenden - so hoffen zumindest die Gewerke.

Elektro-Handwerk sieht sich vorn

"Jahrtausendchance" und "Milliarden-Markt" - so wird die Gebäudetechnik auf den Internetseiten des Zentralverbandes der Elektro-Handwerke (ZVEH) genannt. Weiter heißt es dort, dass das Elektrohandwerk die idealen Voraussetzungen besitzt "um sich die Führungsrolle in der Gebäudetechnik langfristig zu sichern." Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik des ZVEH, betont aber auch die Zusammenarbeit der Gewerke. "Den Verbänden ist bewusst, dass sich mit Einzelkämpfermentalität weniger erreichen lässt als zusammen."

SHK mit neuem Namen

Die Zusammenarbeit ist auch für Udo Wirges vom Zentralverband

Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) wichtig. Einen Wettlauf um die Rolle des Systemintegrators sieht er nicht. "Wer das letztlich sein wird, das wird in keiner Verordnung stehen, das wird der Markt zeigen." Dafür stellt sich der ZVSHK mit neuem Namen und neuen Angeboten auf. "Bundesverband Gebäude- und Energietechnik" lautet der neue Verbandsname, der die Branche mit dem Zukunftsmarkt verknüpfen soll.

"Der Markt für Gebäudetechnik entwickelt sich", sagt Wirges. Marktchancen sieht er in neuen Dienstleistungen, etwa in der Fernwartung von Heizung und Klima. Auf Messen präsentiert der ZVSHK das "SmartHouse" und zeigt damit, wie Wohnen bequemer, sicherer, energiesparender werden kann.

Für den Absatz setzt Wirges auf ein Stufen-Konzept: "Man wird nur wenigen Kunden ein komplett vernetztes Haus empfehlen können. Er will das Tempo selbst bestimmen, mit dem er auf das vernetzte Haus zuschreitet." Um Kunden auf diesem Weg entgegen zu kommen, hat die SHK-Branche den so genannten Internet-Controller entworfen. Der etwa 1200 Euro teure Apparat soll bis zu zehn Hausgeräte über das Internet fernschaltbar machen.

Elektro-Handwerk wirbt mit Intratec für Qualität

Das Elektrohandwerk will mit "Intratec" seine Kompetenz in der Gebäudetechnik bewerben. Die ersten Betriebe haben sich qualifiziert.

"Intratec" steht für Kompetenz

Beim Thema Gebäudetechnik sind sich alle einig: Intelligente, vernetzte Technik verlangt einen mehrfach qualifizierten Handwerker, der Leistungen aus einer Hand bietet: den so genannten Systemintegrator. Das Elektro-Handwerk hat sich mit "Intratec" eine Marke geschaffen, mit der es diese Rolle ausfüllen will. Jetzt tragen die ersten Betriebe das Intratec-Label.

In der Gebäudetechnik werden die Leistungen der verschiedenen Gewerke zu einer Lösung verschmolzen: Elektroinstallationen regeln die Heizung abhängig vom Wetter oder Kälteanlagen rufen automatisch den Reparaturdienst, wenn sie ausfallen. "Gewerkeübergreifende Gebäudetechnik wird immer wichtiger", sagt Bernd Dechert vom Zentralverband der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). "Mit Intratec wollen wir dokumentieren, dass es sich um qualifizierte Betriebe mit entsprechendem Know-how handelt."

Gewerkeübergreifende Qualifikation

Intratec soll ein Qualitätssiegel sein, mit dem sich qualifizierte Firmen abheben können vom "Fachbetrieb für Gebäudetechnik", wie sich jeder Innungsbetrieb nennen darf. So ist gewerkeübergreifende Qualifikation Voraussetzung für Intratec, hinzu kommt die Innungsmitgliedschaft und die Teilnahme an einem eintägigen Kurs über die neue Marke. "Große Handwerksbetriebe können mehrere Gewerke abdecken", sagt Dechert, "für kleinere kommen eher Kooperationen in Frage." Elektrobetriebe könnten auch Meister benachbarter Gewerke einstellen oder eine Teileintragung erreichen. Dafür hat der ZVEH mit dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) eine Verbändevereinbarung zur gewerke-übergreifenden Weiterbildung getroffen.

Zur Qualifikation der Intratec-Teilnehmer hat der ZVEH 15 Lernmodule geschaffen, die bundesweit angeboten werden sollen. Das Lehrangebot reicht von Telekommunikationstechnik über Kooperationsstrategien bis zu Gebäudeautomatisierung sowie Sanitär- und Heizungstechnik.

Ein Elektromeister setzt auf Großkunden

Elektromeister Carlheinz Starz bietet der Industrie mit seinen 49 Mitarbeitern typische Installationsleistungen vom Trafohäuschen bis zu Computernetzen. Für das Intratec-Label hat sich der Inhaber von Starz-Elektro in Schwäbisch Gmünd bei Stuttgart in Kälte- und Klimatechnik fortgebildet. "So kann ich dem Kunden mehr bieten", sagt er. Sein Ziel sei es, Generalunternehmer zu werden. Ein typischer Auftrag in seinem Geschäftsfeld sei, Produktionsanlagen an einem Ort ab- und anderswo wieder aufzubauen - eine Aufgabe für viele unterschiedliche Gewerke. Als Intratec-Betrieb möchte er diese Lösung aus einer Hand bieten. "Das wird vielleicht nicht sofort, aber sicherlich bald angenommen", schätzt er.

Starz' Kunden stammen aus der Industrie und dem Gewerbe, damit setzt er auf den größten Abnehmer für Gebäudetechnik. "Knapp 75 Prozent der Aufträge an das Elektrohandwerk stammen aus dem gewerblichen Bereich", sagt Dechert. Gerade für das Gewerbe zahle sich moderne Gebäudetechnik schnell aus. Im privaten Wohnungsbau werde Gebäudetechnik wenig nachgefragt.

Privatkunden - ein Markt im Tiefschlaf

"Gekauft hat diese Technik, wer an der Börse viel Geld verdient hat", sagt Richard van Lipzig über Privatkäufer von Gebäudetechnik. "Ich muss leider in der Vergangenheit sprechen, denn diese Kunden gibt es nicht mehr."

Van Lipzig ist kaufmännischer und technischer Leiter bei der Firma Efkemann Sanitär und Heizung, die an ihrem Standort Duisburg am "Innovationszentrum Intelligentes Haus" mitgearbeitet hat. In diesem Doppelhaus zeigt die Fraunhofer Gesellschaft den Stand der Gebäudetechnik. Zusätzlich hat er zwei Elektriker eingestellt, um bei den Kunden die nötige Steuerelektronik installieren zu können. Aber der Privatkundenmarkt gebe derzeit nicht viel her. Das Konzept eines vernetzten Hauses liegt brach, "allenfalls Einzelkomponenten laufen noch", sagt van Lipzig.

Technisch ist die Automatisierung von Häusern oder Wohnungen kein Problem mehr. "Die Schnittstellen sind da", meldet Udo Wirges, Referent Technik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Jürgen Nitschke vom Institut für Energie und Gebäude Nürnberg pflichtet bei: "Es gibt die ganzen Technologien, aber es kauft sie keiner."

Grundlage für vernetzte Gebäudetechnik ist ein Bussystem, über das wie bei Nervenbahnen Informationen ausgetauscht werden. "Nur vier Prozent der Neubauten werden mit Bussystemen ausgestattet", sagt Helmut Bechem, Inhaber von Bartholomäus Bechem Elektroanlagen in Hannover. Gebäudetechnik ist sein Spezialgebiet, für den Zentralverband der Elektro-Handwerke (ZVEH) entwarf Bechem die Intratec-Weiterbildungskurse.

Renovierungsmarkt bietet Chancen

Die Experten sind sich einig: Der Wohnungsneubau bietet wenig Potenzial für die Gebäudetechnik. "Deutschland ist bebaut", stellt Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik des ZVEH, lapidar fest.

Andreas Bek von der Landesinnung Elektro in Baden-Württemberg sieht dennoch eine Chance für Gebäudetechnik in Privathaushalten: "Der Renovierungsmarkt ist der große Markt, der sich abzeichnet." Da könne der Kunde mit einer Teillösung einsteigen und diese beliebig erweitern.

"Der Trend geht zu modularen Teillösungen", bestätigt Jürgen Nitschke. Privatkunden würden sich zuerst für energiesparende Lösungen entscheiden und sich dann Anwendungen zuwenden, die den Komfort oder die Sicherheit erhöhen.

Handwerker können helfen, den Markt für Gebäudetechnik zu bereiten, meint Nitschke. "Das Handwerk kann Überzeugungsarbeit im kleinen Bereich leisten, etwa bei Privatleuten oder Wohnungsbaugesellschaften."

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