Altewichard-Geschäftsführer Frank Imbusch: „Mit kleinen finanziellen Benefits kann man im Team sehr viel erreichen.“
Foto: Denny Gille
Altewichard-Geschäftsführer Frank Imbusch: „Mit kleinen finanziellen Benefits kann man im Team sehr viel erreichen.“

Personal

Gehaltsforderungen: „Man muss sich auf seine Stärken besinnen“

Gehaltsforderungen gehören zur Inflation. Damit muss man aktiv umgehen, weiß dieser Unternehmer. Er sucht das Gespräch – mit Selbstbewusstsein.

Auf einen Blick

  • Gehaltsforderungen in einem aggressiven Abwerbeumfeld sind eine brisante Mischung. Mittendrin: die Altewichard GmbH aus Niedersachsen.
  • Für den Betrieb ist klar: Man kann nicht jede Gehaltsforderung erfüllen. Stattdessen besinnt sich Chef Frank Imbusch auf die Stärken des Unternehmens. Denn das bietet seinen Mitarbeitern schon viel.
  • Das Thema Gehalt wurde zuletzt in einer Teamsitzung angesprochen. Mit einer klaren Perspektive für die Beschäftigten.
  • Bei allzu wechselwilligen Teammitgliedern bleibt der Unternehmer besonnen. Ein Grund: Auch ein verlorener Mitarbeiter kann ein gewonnener Mitarbeiter sein.

In Branchen mit hoher Fachkräftekonkurrenz ist die Gefahr, bei steigender Inflation Leute an Wettbewerber zu verlieren, besonders groß. „Das Thema ist in unserer Region gerade sehr aktuell“, sagt Frank Imbusch, einer der beiden Geschäftsführer des Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetrieb Altewichard GmbH. „Einige Betriebe werben hier gerade sehr stark ab.“

Gehalt aktiv angesprochen

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Den steigenden Lebenshaltungskosten seiner Mitarbeiter ist sich der Chef bewusst. In der letzten Teamsitzung hat er dieses Thema und die Frage, was es für die Gehälter bedeutet, aktiv angesprochen. „Unsere Zusage: Wir suchen gemeinsame Lösungen“, sagt Imbusch. „Gleichzeitig haben wir auf die laufenden Tarifverhandlungen verwiesen, deren Ergebnisse wir abwarten“, sagt der Chef des Innungsbetriebs. Denn die Tariferhöhung käme auf jede zuvor beschlossene Erhöhung oben drauf.

Für den Unternehmer ist klar: Er kann nicht jeder Gehaltsforderung nachkommen – gleichzeitig soll sein Betrieb Abwerbern keine Angriffsfläche bieten. „Es wird immer einen geben, der mehr zahlt“, sagt Imbusch. Davon dürfe man sich nicht nervös machen lassen. Entscheidend sei, dass das Paket stimmt.

„Man muss sich auf seine Stärken besinnen. Wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir bieten“, sagt der Unternehmer. Denn der Betrieb bietet Mitarbeitenden viel. Beim Thema Geld bedeutet das unter anderem:

  • Verschiedene Zuschüsse, zum Beispiel  für Sport und Fitnessaktivitäten und zum Jobticket der Azubis sowie monatliche Tankgutscheine
  • Eine betriebliche Altersversorgung
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • Je nach Leistung die Möglichkeit übertariflicher Bezahlung
  • Stets pünktliche Gehaltszahlung

„Mit kleinen finanziellen Benefits kann man im Team sehr viel erreichen“, sagt Imbusch. „Wir bieten ein ganzes Paket an, damit für jeden etwas dabei ist.“

Stärken sind nicht nur Bargeld

Das Unternehmen ist überzeugt, dass Zufriedenheit der Mitarbeitenden für eine langfristige Bindung unverzichtbar ist. Da gehe es nicht nur ums Geld, sondern auch die Förderung der persönlichen Entwicklung. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden sich weiterbilden“, sagt Frank Imbusch, „zum 1. Januar haben wir wieder drei Kollegen im Meisterkurs, drei anderen Teammitgliedern haben wir in diesem Jahr die Weiterbildung zum SHK-Kundendiensttechniker komplett finanziert.“ Zusatzqualifikationen wie einen Anhängerführerschein zahlt der Betrieb ebenfalls.

Auch dass sich die Monteure ihr Wunschwerkzeug herstellerunabhängig aussuchen können und ein Mitspracherecht beim Innenausbau ihres Firmenwagens haben, zählt Frank Imbusch zu den Dingen, die im Handwerk keine Selbstverständlichkeiten sind. „Gerade die langjährigen Mitarbeitenden wissen, was sie bei uns haben und lassen sich von Abwerbeversuchen mit höheren Gehältern nicht beeindrucken“, sagt Imbusch. Bei einigen Jüngeren sei es nicht ganz so einfach.

Vom Gewinn verlorener Mitarbeiter

Und wenn gedroht wird, das Unternehmen zu verlassen? „Natürlich hat es das auch bei uns schon gegeben“, sagt Frank Imbusch. Das Unternehmen begegnet solchen Situationen bei allem Ernst mit der nötigen Besonnenheit, ohne sich „erpressen“ zu lassen. „Mit Geld allein kann man niemanden auf ewig binden“, sagt Imbusch. „Beide Seiten müssen Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit haben und die setzt auch eine gegenseitige Wertschätzung voraus.“ In letzter Konsequenz müsse man Leute ziehen lassen, die ihr Glück woanders suchen wollen.

Das könne sogar zu einer positiven Wendung führen. Denn auch ein verlorener Mitarbeiter kann ein gewonnener Mitarbeiter sein: Der Unternehmer hat bereits mehrmals erlebt, dass ein ehemaliges Teammitglied wieder zurückgekehrt ist – zuletzt im letzten Jahr. Die Tür des Betriebs stehe dafür immer offen. „Im Team sind Rückkehrer zudem sehr wertvoll“, sagt Imbusch, „sie erzählen weiter, warum sie zurückgekommen sind.“

Und was hält Frank Imbusch von der Inflationsausgleichsprämie, die im Oktober in Kraft trat? „Es ist ein Instrument um Notlagen zu mindern“, sagt Imbusch. „Wir sagen nicht: „Hurra, wir zahlen dem ganzen Team 3.000 Euro aus“, aber wir können uns vorstellen, vielleicht eine Teilzahlung zu leisten – das ist auch abhängig davon, wie die Tariferhöhung ausfällt.“

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