Foto: Dan Race - Fotolia.com

Whatsapp-Nachricht mit Folgen

Geht nicht: fristlose Kündigung für „Dusselkopf“

Eine Mitarbeiterin bezeichnet ihren Chef in einer Whatsapp-Nachricht als "Dusselkopf". Mit seiner fristlosen Kündigung kam er aber nicht durch. Das Arbeitsgericht Köln hat dafür einen guten Grund.

Der Fall: Eine Angestellte, die nahezu 20 Jahre in einem Unternehmen beschäftigt war, erhielt von ihrem Arbeitgeber eine ordentliche Kündigung. Daraufhin drückte sie ihre Wut in einer Whatsapp-Nachricht an den Chef aus. Unter anderem nannte sie ihn darin einen „Dusselkopf“. Das empfand der Arbeitgeber als grobe Beleidigung und beendete das Arbeitsverhältnis dann sogar fristlos. Die Arbeitnehmerin wollte das nicht hinnehmen und wandte sich mit einer Kündigungsschutzklage an das Arbeitsgericht in Köln.

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts Köln: Nach Einschätzung der Richter war die fristlose Kündigung unberechtigt. Denn eine fristlose Kündigung könne nur dann ausgesprochen werden, wenn es wichtiger Grund die Kündigung rechtfertigt (§ 626 Abs. 1 BGB). „Die Whatsapp-Nachricht vom 05.01.2016 stellt keinen wichtigen Grund für die fristlose Beendigung des Arbeitsverhältnisses dar“, entschied das Arbeitsgericht Köln.

Die Begründung: Die Bezeichnung „Dusselkopf“ sei zwar eine grobe Beleidigung des Arbeitgebers. Es sei jedoch nicht eindeutig ersichtlich gewesen, dass der Absender die Arbeitnehmerin gewesen sei, da sie nicht mit ihrem Namen unterzeichnet habe. Das Gericht müsse davon ausgehen, dass der Klägerin die Nachricht nicht zuzuordnen sei, heißt es in der Entscheidung.

Das Gericht berücksichtigte auch die Tatsache, dass die Frau schon über einen langen Zeitraum in dem Unternehmen beschäftigt war. Bis zu dem Zeitpunkt der Kündigung sei sie immer vertragstreu gewesen. Die Richter verdeutlichten, dass sie eher eine Abmahnung als geeignete Maßnahme angesehen hätten, um das Risiko nachfolgender beleidigender Nachrichten zu verhindern.

ArbG Köln, Urteil vom 21. September 2016, Az. 13 Ca 247/16

(ja)

Auch interessant:

Recht

Kündigung nach Beleidigung mit Emoticons möglich

Ein Mitarbeiter beleidigte seinen Vorgesetzten mit Emoticons bei Facebook: im Prinzip ein Kündigungsgrund, entscheidet ein Gericht. Doch es kommt auf die Umstände an.

Recht

Mitarbeiter beleidigt Chef – und was dann?

Ist die Stimmung im Betrieb gereizt, geht Mitarbeitern schon mal ein beleidigendes Wort über die Lippen. Doch zu welchen Mitteln dürfen Chefs in so einem Fall greifen?

Recht

Beteiligung an Konkurrenzunternehmen rechtfertigt fristlose Kündigung

Dreiste Masche: Ein Mitarbeiter macht sich selbstständig, als Ihr Konkurrent, noch während er bei Ihnen arbeitet. Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen.

Recht

Auch „Eier-Kontroll-Griff“ ist sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist immer wieder ein Streitthema. Doch liegt sie auch vor, wenn eine Berührung gar nicht sexuell motiviert war? Das Bundesarbeitsgericht musste im Fall eines gekündigten Arbeitnehmers darüber entscheiden.