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Ablauforganisation

Gesehen, geklaut, gefeiert: 5 Lifehacks für den Betrieb

Handwerksmeister Karsten Müller ist immer auf der Suche nach cleveren Ideen, die das Arbeitsleben erleichtern. Seine besten Entdeckungen verrät er hier.

Auf einen Blick

  • Karsten Müller besucht gerne Handwerks-Kollegen in anderen Betrieben. Die Einblicke liefern ihm wichtige Erkenntnisse für sein eigenes Unternehmen.
  • Manchmal können Kleinigkeiten viel bewirken: Diese 5 Lifehacks hat Müller in anderen Unternehmen entdeckt – und auch bei sich eingeführt. Hier erklärt er den Nutzen von Mitarbeiterkabine, totem Briefkasten und Co.
  • Bei der Digitalisierung hat der Malerbetrieb selbst Vorbildcharakter. Wie er Software zur Baustellensteuerung und Abrechnung nutzt, zeigt das Unternehmen auch anderen Handwerkern.
  • Tipps für Betriebsbesuche: Karsten Müller erklärt, wo Sie Inspiration finden.

Alle Infos

Von Denny Gille

Karsten Müller ist viel unterwegs und immer auf der Suche nach großen oder kleinen Aha-Erlebnissen die er für den Malereibetrieb Müller & Weißling nutzen kann.

„Auf Seminaren, Innungsveranstaltungen oder Messen kann man viele Leute kennenlernen“, berichtet Müller. „Wer mein Interesse weckt, den spreche ich an.“ Das Ziel: ein Betriebsbesuch. Meist bekommt er eine Zusage. So haben Müller und sein Geschäftsführerkollege, Thomas Weißling, von Unternehmen in ganz Deutschland lernen können.

Ein paar schlaue Tricks für den Betrieb hat der Malermeister über die Jahre auch in seinem Unternehmen umgesetzt. Hier verrät er fünf von ihnen:

#1 Die so-kommt-nichts-mehr-weg-Lösung

Es ist ein häufiges Ärgernis im Betrieb: Werkzeuge und Hilfsmittel für die tägliche Arbeit gehen regelmäßig kaputt oder verschwinden. Folge: ständige Neuanschaffungen. Bei einem befreundeten Malerbetrieb hat Karsten Müller die ideale Lösung für das Problem gefunden und übernommen: Einzelkabinen für jeden Mitarbeiter – drei Quadratmeter, abschließbar, Licht drin. „Kabeltrommel, Leitern, Schleifwerkzeuge und Akkuschrauber müssen so zwar für jeden Mitarbeiter individuell angeschafft werden“, sagt Müller, „dafür wird das Material besser behandelt und es kommt nichts mehr weg.“ Denn wer sein eigenes Werkzeug hat und es wegschließen kann, übernimmt gerne Verantwortung dafür – für allgemein verfügbares Betriebseigentum fühlt man sich weniger verantwortlich.

#2 Der keine-böse-Überraschung-vor-dem-Baustellentermin-Kniff

Wo ist plötzlich der Farbeimer für den Flur der Müllers hin? Am Abend hat man sich das Material sauber zurechtgelegt, am nächsten Morgen fehlt es. Hat wohl jemand weggeräumt oder für eine andere Baustelle beschlagnahmt. „Das kommt bei uns nicht mehr vor“, erzählt Müller. Grund: laminierte Namensschilder. Ein kleines Hinweisschild: „Bitte stehen lassen für Ingo Meyer“ und Missverständnisse haben keine Chance. Gegebenenfalls kann man auf den Schildern zusätzlich Baustelle und Datum vermerken.

#3 Der tote Briefkasten

Baustellendokumente, Schlüssel, Fundsachen – manchmal müssen Mitarbeiter untereinander wichtige Dinge austauschen. Problem: Der eine geht früher, der andere arbeitet länger. Man muss sich gezielt verabreden, das ist umständlich und kostet Zeit. Oder man tauscht wichtiges Material über eine Art toten Briefkasten aus. „Wir haben bei uns einen Schrank mit kleinen Fächern eingerichtet“, erzählt Karsten Müller. Die Fächer fassen etwa drei Aktenordner. Sie sind mit Namen beschriftet und mit Haken (für Schlüssel) ausgestattet.

#4 Handwerkstypische Aufbewahrungslösung

Bei manchem Material führt der Mangel an einer guten Aufbewahrungsmöglichkeit zu kontinuierlichen Frusterlebnissen. „Wir wussten zum Beispiel nie wohin mit unseren Gerüstplakaten“, erzählt Müller. Doch auch dafür hat er eine Handwerker-Lösung entdeckt: PVC-Rohre – vorne und hinten ein Stopfen dran, fertig ist die frust- und knitterfreie Aufbewahrungslösung für jedes Plakat.

#5 Plantafeln: Übersicht für alle

Manche Entdeckung nutzt Müller schon so lange, dass er gar nicht mehr genau weiß, wo er sie zuerst gesehen hat. Dazu gehört dieses zentrale Element im Malerbetrieb: die Plantafel. „Auf der sind alle Termine wie Feiertage, überbetriebliche Weiterbildungen und Urlaube der nächsten 16 Wochen verzeichnet“, erklärt Kasten Müller.

„So sehen alle rechtzeitig, ob für die anstehenden Aufgaben ausreichend Mitarbeiter verfügbar sind und wo wir Verstärkung brauchen.“

Das schauen sich andere bei Müller ab: die digitale Baustelle

Karsten Müller besucht nicht nur andere Unternehmen. Er lädt sie auch zu sich ein. „Wir nutzen die Handwerkersoftware Winworker seit langer Zeit sehr intensiv“, sagt er. „Andere Betriebe gucken sich bei uns gerne ab, wie wir damit arbeiten.“ In dem Meisterbetrieb hat jeder Mitarbeiter sein eigenes Firmensmartphone für die Arbeit auf der Baustelle. Über die Handwerkersoftware spielen wir die Baustellendaten auf die Telefone der Mitarbeiter. „Die Zeiten der einzelnen Arbeitsschritte werden von der Angebotsplanung in der Auftragssteuerung hinterlegt“, sagt Müller. Auf seinem Endgerät sieht jeder Mitarbeiter, was beim Kunden zu tun ist. Die einzelnen Arbeitsschritte werden abgehakt, die Arbeitszeit für die Gehaltsabrechnung erfasst die Software dabei automatisch. „So wird gleichzeitig der Lohn generiert und ich sehe, wie weit jede Baustelle ist“, sagt der Chef des 19-Mitarbeiter großen Unternehmens.

Tipp: So finden Sie Inspiration

Für Handwerker, die sich für den Blick in andere Betriebe interessieren, hat Karsten Müller zwei Tipps parat. „Wer Beispiele aus der Digitalisierung sucht, kann über die Software-Hersteller nach erfolgreichen Referenz-Handwerkern fragen“, rät der Unternehmer. Die Hersteller würden oft den Kontakt herstellen. Ansonsten gilt: „Suchen Sie auf Veranstaltungen Kontakt zu anderen Unternehmen.“ Dabei mache es am meisten Sinn, sich einen Betrieb anzugucken, zu dem man auch hin möchte. Dabei gilt: Je weiter das andere Unternehmen weg ist, desto höher ist die Chance auf intime Einsichten, da er keine Konkurrenz fürchten muss. Der Rest kommt von selbst: „Rausfahren, angucken, passieren lassen – dann kann man nur gewinnen“, sagt Müller.

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