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Strategie

Teamarbeit Naturbau: „Wir sind Freaks unseres Handwerks“

Thomas Rümmler kennt sich mit natürlichen Baustoffen bestens aus. Um seinen Kunden jeden Wunsch zu erfüllen, hat er ein schlagkräftiges Netzwerk aufgebaut.

Auf einen Blick:

  • Raus aus Berlin, ab ins Wendland: Das war für Thomas Rümmler der erste Schritt als erfolgreicher Anbieter für ökologische Bauprojekte.
  • Bauen im Netzwerk: Ein Kernteam aus sieben Betrieben setzt die Projekte für Kunden um. Der 44-Jährige koordiniert die Arbeiten und tritt als Generalunternehmer auf.
  • Ökobau schafft Wohlfühlatmosphäre: Gesundes Wohnklima, Leben ohne staubige Heizungsluft – das sind die Stärken des Öko-Baus.

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Von Denny Gille

Naturbau, gesundes ökologisches Wohnen, das ist eine Nische, die im Wendland gut nachgefragt wird. Und Thomas Rümmler gehört zu den Unternehmern, die diesen Markt bedienen. Vom Erfolg seines Angebots ist der Handwerker selbst überrascht: „Dass es mit der Firma mal so abgeht, hätte ich nicht gedacht.“

Plötzlich Naturbau

Denn eigentlich hatte Thomas Rümmler ganz andere Pläne, als er mit seiner Frau vor knapp acht Jahren von Berlin in den ländlichen Osten Niedersachsens zog. Eine Anlaufstelle für Menschen mit sozialen Problemen hatten sie hier mit einem befreundeten Arzt in ihrem Landhaus aufziehen wollen.

Doch gefragt war Thomas Rümmler unablässig als Handwerker. Bei den ersten Bauprojekten traf er Zimmereien, die sich auf Fachwerk und Holzrahmenbau spezialisiert hatten. Naturbau war hier Thema. So lernte der gebürtige Thüringer die Lehmbauweise kennen. Das hat eine Leidenschaft geweckt, die er ausbauen wollte. Thomas Rümmler besuchte Lehrgänge, lernte mehr über ökologische Bauweisen, Fachwerksanierungen, Strohballenbau und Naturdämmung. So entstand das Unternehmen Tommyfix.

Teamplay zwischen Unternehmern

Heute tritt er als Generalunternehmer in einem Unternehmer-Netzwerk auf, das bei seinen Kunden für ökologische Sanierungen und Neubauprojekte gefragt ist. „Anfangs waren fast nur Zimmerer in dem Netzwerk.“ Doch inzwischen ist es mit Dachdeckern, Elektrikern, Heizungsbauern, Baubiologen, Architekten und spezialisierten Lieferanten so weit gewachsen, dass das Netzwerk selbst für umfangreiche Bauprojekte alle nötigen Gewerke parat hat. „Wir machen alles im Team“, betont der Naturbauprofi. Sieben Betriebe bilden das Kernteam. „Wenn einer zu viel zu tun hat, kennt der selbst ein paar Unternehmen, mit denen man zuverlässig arbeiten kann.“

Der Unternehmer hält bei den Projekten die Fäden zusammen. Er spricht die Bauvorhaben mit den Kunden ab, holt die nötigen Gewerke ins Boot und koordiniert ihre Arbeiten. Als Holz- und Bautenschützer übernimmt Thomas Rümmler auf den Baustellen außerdem die Putzarbeiten. Die Arbeit ist hart. Und sie macht Spaß. „Wir sind Freaks unseres Handwerks. Wir denken mit, wir denken abstrakt und wir setzen die Wünsche des Kunden mit unseren Ideen so um, dass er sich in seinem Haus ein Leben lang wohlfühlt.“

Ökobau zum Wohlfühlen

Wohlfühlatmosphäre gehört zum zentralen Konzept der ökologischen Bauweise. Die Materialien schotten das Haus nicht von der Umgebung ab. Es darf atmen. „Der Lehmputz kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben, was für eine gutes Wohnklima sorgt“, sagt Thomas Rümmler. Heizelemente werden für staubfreie Luft direkt in die Wände integriert. So sorgt eine indirekte Strahlungswärme für gemütliche Innenräume. Der liebste Dämmstoff des Unternehmers heißt Schilfrohr. Auf diese Dämmplatten hat er sich spezialisiert. „Das ist ein sauberer Putzgrund mit 100 Prozent Grip.“

Damit das Ökokonzept aufgeht, müssen alle Handwerker genau wissen, was sie tun. Beim Strohballenbau etwa wird das Stroh mit Pressdruck in die vorgefertigten Holzrahmen der Zimmerer geklinkt. „Da muss man genau arbeiten, sonst entstehen Wärmebrücken und damit Schimmelgefahr“, sagt der Unternehmer. Für sein Team kein Problem. In fünf Jahren Netzwerkarbeit habe es nicht einen Regress-Fall gegeben.

Dabei sind die Kunden anspruchsvoll. „Viele leben die Nachhaltigkeit“, sagt der Handwerker, „sie haben sich mit dem Thema beschäftigt und wollen, dass sie und ihre Kinder gesund wohnen.“ Dafür zahlten die Kunden 30 bis 40 Prozent mehr als bei konventioneller Bauweise. Kundschaft gibt es genug. „Wir haben alle Hände voll zu tun.“

Vom Handwerk ins Leben

Ökologisches Wohnen ist für den Wahlniedersachsen selbst zur Überzeugung geworden. „Wir sind ein Selbstversorgerhaushalt“, sagt Thomas Rümmler. Auf ihrem Grundstück bauen er und seine Frau Gemüse an, halten Hühner und Schafe. Was sie nicht selbst produzieren, kaufen die Rümmlers regional im Wendland. Das eigene Landhaus baut der 44-Jährige nach und nach um. Zurück zur Natur heißt hier das Motto. Alte Bausünden aus Glaswolle und Styropor wollen behoben werden. Ein naturnahes Feriendomizil für die Enkel soll hier entstehen: „Wo es nachts noch richtig dunkel ist und einen morgens der Hahn statt der Verkehr weckt.“ Ganz anders als in Berlin.

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