Fortbildungen müssen für den Steuerabzug den berufsspezifischen Zielen der konkreten Tätigkeit dienen. „Reich werden“ zählt nicht dazu.
Foto: Aleksej - stock.adobe.com
Fortbildungen müssen für den Steuerabzug den berufsspezifischen Zielen der konkreten Tätigkeit dienen. „Reich werden“ zählt nicht dazu.

Steuern

Erleuchtete Krieger kriegen keinen Betriebsausgabenabzug

Sind Reichtum und Erleuchtung sinnvolle Ziele beruflicher Fortbildung? Das muss jeder selbst entscheiden. Doch das Finanzamt hat schon eine Meinung.

Der Fall: Ein gelernter Elektriker will sich als Berater selbstständig machen. Zuvor besucht er jede Menge Fortbildungen. Gesamtkosten eines Jahrs: rund 27.000 Euro. Es dauert noch eineinhalb Jahre bis zur Unternehmensgründung, doch am Ende seines ersten Geschäftsjahres macht der Unternehmer diese Fortbildungskosten als vorweggenommene Betriebsausgaben geltend. Das Finanzamt lehnt das ab – wegen der Seminarthemen: Bei Geldanlage-Kursen wie „Die Garantie zum Wohlstand“ und „Nie wieder arbeiten“ und Persönlichkeitsseminaren mit Titeln wir „Erleuchteter Krieger“ und  „Trainiere den Trainer“ sei ein eindeutiger Zusammenhang zum angestrebten Berufsziel nicht erkennbar.

Das Urteil: Auch das Finanzgericht Düsseldorf hat den Betriebsausgabenabzug abgelehnt. Lehrgänge zur Persönlichkeitsbildung seien zwar nicht grundsätzlich vom Steuerabzug ausgeschlossen. Es komme jedoch darauf an, ob eine solche Fortbildung auf die berufsspezifischen Bedürfnisse der konkreten Tätigkeit ausgerichtet ist. Das sei hier nicht der Fall: Die Seminare richteten sich nach Einschätzung des Gerichts „an alle Menschen, die die Techniken, Einstellungen und Fähigkeiten erlernen wollen, die nach Auffassung des Veranstalters erforderlich sind, um ohne große Anstrengung reich zu werden“. Dass die Seminarinhalte „dazu nützlich sein mögen, (irgendwelche) steuerpflichtigen Einkünfte zu erzielen“, genüge nicht für den Betriebsausgabenabzug. (Urteil vom 15. Dezember 2021, Az. 10 K 2085/17 E).

Tipp: Sie wollen beim Thema Steuern nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Diese neuen Abschlussbezeichnungen gibt es im Handwerk

Den Titel Bachelor Professional können jetzt nicht nur Handwerksmeister führen. Manche Handwerker dürfen sich sogar Master Professional nennen.
Artikel lesen

Wann muss ein Mitarbeiter die Fortbildung zurückzahlen?

Betriebe können Mitarbeiter verpflichten, Kosten für eine Fortbildung zurückzuzahlen, wenn sie den Betrieb danach verlassen. Wir sagen Ihnen, worauf es ankommt.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Entscheidendes Kriterium: Kann „bürgerliche Kleidung“ auch privat getragen werden, gibt es keinen Betriebsausgabenabzug.

Steuern

Kein Betriebsausgabenabzug für normale Kleidung

Ausgaben für normale Kleidung sind steuerlich nicht als Betriebsausgaben abziehbar. Selbst dann nicht, wenn die Kunden solche Kleidung erwarten.

    • Steuern

Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG)

Wird der Meister bald Berufsbachelor?

Die Bundesbildungsministerin will für berufliche Fortbildungsabschlüsse drei neue Bezeichnungen einführen. Das Ziel: mehr Klarheit und bessere Vergleichbarkeit – auch im Handwerk.

    • Politik und Gesellschaft
Kosten für Alkohol in Besprechungen sind nur zu 70 Prozent als Betriebsausgaben absetzbar.

Steuern

Alkohol statt Kekse: Fiskus kappt Betriebsausgabenabzug

Wenn Sie bei internen Besprechungen Alkohol ausschenken, gilt das nicht als „Aufmerksamkeit“ sondern als Bewirtung – das hat steuerliche Folgen.

    • Steuern

Kleinvieh macht auch Mist

Die Top 7 der vergessenen Betriebsausgaben

Ein paar Euro in bar hier, eine kleine Rechnung dort – da kommt auch einiges an Betriebsausgaben zusammen. Diese Posten sollten Sie beim Finanzamt nicht vergessen!

    • Steuern