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Soziales Engagement

Gutes tun und Lob ernten

Viele Betriebe sind sozial engagiert. Das sollten sie ruhig an die große Glocke hängen und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Viele Handwerksbetriebe sind sozial engagiert. Das sollten sie ruhig an die große Glocke hängen und sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.

von Britta Lorenz

Damit hatten die Pepernys nun wirklich nicht gerechnet: Kaum war ihre Tochter Kassandra auf der Welt, stand plötzlich Gerhard Schünemann am Wochenbett der Mutter im Magdeburger Marienstift und überreichte der jungen Frau einen Scheck über 1000 Euro. 1000 Euro für jedes 1000. Baby, das in Magdeburg geboren wird - diese Aktion hat sich der Inhaber eines SHK-Unternehmens ausgedacht, um ein Zeichen zu setzen für Kinder- und Familienfreundlichkeit.

Vor allem aber will Schünemann auf die besorgniserregende demografische Entwicklung in Deutschland aufmerksam machen: "Unsere überalterte Gesellschaft ist dringend darauf angewiesen, dass mehr Kinder geboren werden".

In seinem "Baby-Begrüßungsgeld" sieht Schünemann "eine Anerkennung für den Mut, Familien zu gründen, ein Zeichen der Achtung vor dem, was Eltern leisten." Zugleich soll das 1000-Euro-Sparbuch ein Symbol sein für die besseren Rahmenbedingungen, die Familien benötigen: "Es ist ja nicht so,

dass die Leute aus Bequemlichkeit keine Kinder mehr wollen. Von den Kosten bis hin zur Betreuungssituation ? es gibt wirklich zu viel, was zur Belastung wird, wenn man sich für Kinder entscheidet", weiß der dreifache Vater.

Missstände einfach hinzunehmen, ist Schünemanns Sache nicht: "Als Unternehmer will man seine Umwelt gestalten. Man kann nicht über das schimpfen, was über einen hereinbricht, wenn man nicht die Möglichkeit genutzt hat, sich einzuschalten", sagt der Zentralheizungsbaumeister.

Mit seinem sozialen Engagement ist Schünemann nicht allein. "IT-Unternehmen unterstützt Kinderhospiz", "Handwerker-Männerchor spendet Konzerteinnahmen für den Heimattiergarten", "Bäcker spenden für das Seniorenheim": Wer in die Zeitungen blickt, gewinnt den Eindruck, es gebe kaum ein Handwerksunternehmen, dass sich nicht für einen guten Zweck einsetzt.

Die meisten helfen unmittelbar vor Ort, spenden Geld, Material oder Arbeitsstunden. Doch es gibt auch die Optiker, die Brillen für Bedürftige in Bulgarien sammeln, die Ofenbauer, die Kinderheime in Litauen mit Öfen ausstatten, die Tischler, die in Afrika Werkstätten aufbauen - das Engagement der Handwerker reicht weit über die Landesgrenzen hinaus.

Rund zwei Milliarden Euro spenden deutsche Unternehmen in jedem Jahr für gute Zwecke, hat die Stiftung Mitarbeit ausgerechnet, einer der Verbände, der sich die Förderung des ehrenamtlichen Engagements auf seine Fahnen geschrieben hat. Das Handwerk dürfte an dieser Summe einen erheblichen Anteil haben: Über 90 Prozent der Handwerksunternehmer bekennen sich zu einer hohen sozialen Verantwortung, stellt eine Untersuchung des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages fest.

Der Magdeburger Dom braucht Geld für eine neue Orgel? Eine kulturhistorisch bedeutende Brücke über die Elbe soll wieder aufgebaut werden? Misshandelte Kinder sollen wieder Freude am Leben finden? Reiner Riegg weiß Rat. Der Inhaber eines Metallbau-Unternehmens in Magdeburg gilt nicht nur als überaus großzügiger Sponsor, sondern ist auch ein findiger Einsammler von Spendengeldern. Jahrelang war er in der Innung aktiv, er ist Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU Magdeburg.

Längst kennt Riegg wichtige Politiker persönlich, weiß, wer in Behörden und Ämtern an den entscheidenden Hebeln sitzt. "Wenn es darum geht, Gutes zu tun, hilft manchmal ein Anruf, und es bewegt sich was." Der Unternehmer handelt aus sozialer Verantwortung, weiß aber sein Engagement zugleich zum Wohl seiner Firma zu nutzen.

"Wer Gutes tut, soll dafür ruhig Reklame machen. Es gibt keine bessere Werbung für den Betrieb ? und wenn die Firma profitiert, sichert das letztlich Arbeitsplätze." Leider herrsche in Deutschland immer noch die Einstellung vor, dass gute Taten nichts mit dem eigenen Vorteil zu tun haben dürften, bedauert André Habisch, Professor für Gesellschaftspolitik an der Katholischen Universität Eichstätt.

"In den USA und England ist ehrenamtlicher Einsatz eher auf Kommunikation angelegt: ,Tue Gutes und rede darüber' ist dort nichts Ehrenrühriges." Doch langsam setzte sich mit dem aus den USA übernommenen Begriff "Corporate Citizenship" auch in Deutschland die Erkenntnis durch, dass gesellschaftliches Engagement den Unternehmern auch Wettbewerbsvorteile verschaffen sollte.

Wichtig sei allerdings, dass sich das Unternehmen in einem Bereich engagiert, der zu ihm passt. Und es komme entscheidend darauf an, dass ein Projekt gefunden wird, in dem für alle Beteiligten ein Geben und Nehmen möglich ist. Außerdem sollte es Teil der Unternehmenskultur werden und somit auch innerbetriebliche Früchte tragen.

"Am Anfang war ich alles andere als begeistert: Was ? wir sollen ohne Bezahlung in sozialen Projekten arbeiten? Ob der Betrieb sich das leisten kann?" Sven Markhof erinnert sich noch gut an seine Vorbehalte, mit denen er im September 2003 der Aktion "Helfende Hände" begegnete, die sein Chef starten wollte. Doch Michael Grübel, Inhaber eines Bielefelder Trocknungsfachbetriebs, konnte seine damals zwölf Mitarbeiter letztlich überzeugen.

Ob eine Schulbibliothhek unter Wasser stand, ein Kinderspielplatz verschmutzt war oder ein Heim für alleinerziehende Mütter renoviert wurde: "Innerhalb eines Jahres hatten wir neun Einsätze im Gegenwert von 10.000 Euro. Im Schnitt waren dabei jeweils zwei Mitarbeiter zwei Tage lang beschäftigt", bilanziert Grübel. Ganz im Sinne des Corporte Citizenship-Gedankens hat er das Interesse der örtlichen Presse auf die "Helfenden Hände" lenken können. Mit dem Effekt, dass seine Kunden mit Lob für die Firma nicht sparten.

Dies sei nicht nur ein Vorteil im Wettbewerb. Es motiviere vor allem die Mitarbeiter. "Wenn die Monteure auf der Baustelle angesprochen werden: ,Ach, Sie kommen von Grübel, die immer so tolle Sachen machen', dann wertet sie dieses Lob auf." Das Team identifiziere sich in hohem Maße mit dem Betrieb: "Die Mitarbeiter haben das Gefühl, ihre Firma ist etwas Besonderes, und kommen gern zur Arbeit." Auch Sven Markhof ist längst begeistert von der Aktion "Helfende Hände": "Es ist eine absolut tolles Gefühl, wenn man helfen kann!"

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