Innovationskraft, Vielfalt und Digitalisierung sind potenziellen Fachkräften nicht leicht zu vermitteln, wenn Handwerk in der Gesellschaft ein Traditionsimage hat.
Foto: tiero - stock.adobe.com

Kommunikation

Gutgemeinte Vorurteile: Was tun gegen das altbackene Image?

Traditionell, aber nicht modern: Selbst manch gutgemeinter Medienbericht über das Handwerk kann die Fachkräftesuche erschweren. Was kann man da tun?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ein gutes Image hilft bei der Fachkräftesuche. Das Problem: Auffällig häufig würden Medien ein eher traditionelles Bild des Handwerks vermitteln, bemängelt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).
  • Folglich gewinnen Zuschauer nicht unbedingt den Eindruck, dass Innovationskraft, Digitalisierung und Vielfalt den Arbeitsalltag im Handwerk prägen.
  • Wie lassen sich die Vorurteile vom alten Handwerk aus den Köpfen bekommen? Der ZDH arbeitet daran mit seiner Imagekampagne. Aber auch Betriebe können selbst aktiv werden – zum Beispiel in dem sie aktiv auf Redaktionen zugehen.

Die Suche nach Fach- und Nachwuchskräften gehört zu den großen Themen im Handwerk. Das untermauern auch die handwerk.com-Umfragen regelmäßig. Erst im Oktober fragten wir Sie: „Was haben Sie gerade zu wenig?“ Über die Hälfte der Teilnehmer antwortete „Fachkräfte“.

Das alte Bild von Tradition und Handarbeit

Ein gutes Image hilft bei der Fachkräftesuche. Positiv sei laut Holger Schwannecke, dem Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), dass das Handwerk insgesamt ein hohes Ansehen genieße und respektiert und geschätzt werde. Allerdings thematisierten TV- und Radioproduktionen auch auffällig häufig eher seltene, teils traditionelle Handwerke, in denen viel händisch in Werkstätten gearbeitet wird. „Das erzeugt zwar schöne Bild- oder Textwelten und strahlt eine gewisse Urtümlichkeit aus, repräsentiert aber nicht das moderne Handwerk in seiner Breite, Vielfalt und Innovationskraft.“

Gute Fotos, Logo auf der Brust und liebevoll gepflegte Auftritte auf Facebook und Instagram.

Wenn Handwerker zur Marke werden

Das Internet hat Markenbildung für Handwerker revolutioniert. Den Grundstein für eine starke Marke hat Ihr Betrieb sogar schon gelegt! Lesen Sie hier, wie Sie das nutzen können.
Artikel lesen

Das Problem aus Sicht des ZDH-Generalsekretärs: „Dadurch wird den Zuschauern und Zuhörern ein eher traditionelles Bild des Handwerks vermittelt, das für die Mehrzahl der Gewerke so nicht mehr zutrifft.“ Denn zum Handwerk gehört mehr als Tradition, Werkbank und Blaumann: „Tablets, 3D-Scanner und 3D-Drucker, Drohnen, digitale Vermessungs- oder Bearbeitungsgeräte, Fernwartung – all das prägt längst den Arbeitsalltag im Handwerk“, erklärt Holger Schwannecke.

Gute Argumente für das Handwerk

Und der Einsatz moderner Technologien ist nicht das einzige, was die Handwerksbranchen potenziellen Fachkräften bieten. Sie punkten zum Beispiel auch mit diesen Vorteilen:

Karrierechancen: „Das durchschnittliche Arbeitseinkommen eines Meisters in seinem Berufsleben ist genauso hoch wie das eines Bachelor-Absolventen“, sagt Schwannecke. Mit Fortbildungen wie dem Meister, dem Betriebswirt im Handwerk, dem Restaurator oder Gestalter in diversen Handwerken stünden alle Türen offen – und zwar über das Handwerk hinaus.

Arbeitsplatzsicherheit: Da im Handwerk händeringend Fachkräfte gesucht werden, brauchen sich künftige Fachkräfte hier keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. „Ein Beruf im Handwerk kommt quasi einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit gleich“, betont Schwannecke. „Diese liegt im Handwerk im Übrigen niedriger als bei Akademikern.“

Weg mit den Vorurteilen – durch Medienarbeit

Wie aber lassen sich die Vorurteile vom alten Handwerk aus den Köpfen von Gesellschaft und Medienschaffenden bekommen? Zum einen leistet der ZDH Aufklärungsarbeit. „Nicht nur in unserer Imagekampagne zeigen wir: Handwerk heute ist dynamisch, zukunftsorientiert, nah am Kunden und vielerorts digital“, sagt Holger Schwannecke.

Zum anderen können auch Unternehmen, die zum modernen Image ihres Handwerks beitragen wollen, laut Schwannecke aktiv werden. „Persönlicher Austausch und die Motivation, mit gutem Beispiel voranzugehen, sind immer gute Wege, um Vorurteile abzubauen“, sagt der ZDH-Generalsekretär.

Schwannecke weiß, dass viele Betriebe ihre guten Leistungen für Kunden, Belegschaft und junge Menschen – vielfach auch über die Sozialen Medien – sichtbar machen oder mit ehrenamtlichen Engagement auf sich aufmerksam machen.

Auch mit aktiver Medienarbeit könnten Betriebe laut dem ZDH-Generalsekretär dazu beitragen ein zutreffenderes Bild vom Handwerk zu vermitteln und – netter Nebeneffekt – gleichzeitig ihr Unternehmen präsentieren. So könnten sie auf Redaktionen zugehen, „um Redakteure etwa zu Tagen der offenen Tür, Jahrestagen oder anderen besonderen Aktionen einzuladen“, sagt Schwannecke, „viele Redakteure sind sehr aufgeschlossen für einen solchen Einblick in die Praxis.“

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Kommunikation verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter: Jetzt anmelden!

Auch interessant:

Behauptet sich in einer klassischen Männerdomäne und das macht sie stolz.

Imagekampagne: Diese Handwerker sind die neuen Botschafter

Diese fünf Handwerker sind stolz auf ihren Beruf. Und das ist ab sofort bundesweit auf den neuen Plakatmotiven der Imagekampagne zu sehen.
Artikel lesen

Besitzen Sie die Gabe des Zuhörens?

6 Tipps für Ihre tägliche Kommunikation

In der Kommunikation spielen viele Faktoren eine Rolle. Mit diesen Tipps von handwerk.com-Autor Klaus Steinseifer punkten Sie immer bei Ihren Kunden.
Artikel lesen
Gebäudereinigermeister Uwe Haster.
Foto: Denny Gille

Politik und Gesellschaft

Stolz gegen mediale Vorurteile: So reagieren Sie richtig

Verbreiten Medien Vorurteile gegen das Handwerk, wird der Schaden spätestens bei der Fachkräftesuche deutlich. Wie lässt sich dem entgegenwirken?

Industrielle Hersteller von Geräten könnten aus den Nutzungsdaten künftig eigene Dienste für Kunden entwickeln. Auf Kosten der Handwerker.
Foto: S.Gvozd - stock.adobe.com

Digitalisierung + IT

So bedrohen Datenmonopole Ihren Betrieb!

Bald könnte die Industrie Endverbraucher direkt bedienen. Handwerker hätten dann kaum Chancen, für ihre Kunden neue Leistungen zu entwickeln. Dagegen wächst Widerstand.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Werbetrommel

Start für die Imagekampagne des Handwerks

Der Startschuss ist gefallen – für die groß angelegte Imagekampagne des Handwerks. Wir haben einige Eindrücke für Sie zusammengestellt – in Bild und Ton.

„Aufrechter Gang, Berufsehre, Stolz – das sind so Dinge, die müssen Handwerker einfach wieder lernen."
Foto: privat

Panorama

"Das Handwerk hat sich zu lange unter Wert verkauft"

Malermeister Oliver Gimber spricht auf Sat1 Imageprobleme des Handwerks an. Er fordert mehr Stolz. Der ZDH bewertet das Thema ähnlich.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.