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Dachdecker als Drohnenpiloten

Handwerk hebt ab

Was bringen Drohnen dem Handwerk? Diese Dachdeckerei wollte es genau wissen. Gekauft, geflogen – begeistert?

Flug auf Augenhöhe  - Chefpilotin Melanie Kahle hat ihren Quadrocopter voll unter Kontrolle.
Chefpilotin Melanie Kahle hat ihren Quadrocopter voll unter Kontrolle.
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Das Surren gleicht einem Hornissenschwarm. Mühelos heben die vier Rotoren den Quadrocopter in die Luft, hinterlassen nur einen leichten Luftzug am Boden. In Sekunden zieht das fliegende Auge an der Hausfassade vorbei, bis es aus erhabener Position auf Dächer und Baumwipfel hinabblickt.

Unten am Boden steuert Melanie Kahle die fliegende Inspektionshilfe von Stolberg Bedachungen. Seit Herbst 2015 hat der Dachdecker-Betrieb die Copterinspektion fest im Service-Programm. „Wir fanden diese Multicopter schon lange faszinierend“, sagt Dachdeckermeister Hans-Jürgen Kahle.

Quadrocopter auf Mission - Dem fliegenden Auge entgeht kein Schaden.
Dem fliegenden Auge entgeht kein Schaden.
Foto: Denny Gille

Immer auf Sichtkontakt
Für Unternehmerfrau Melanie Kahle bedeutet die Anschaffung eine willkommene Abwechslung von der Arbeit im Büro. Als Drohnenpilotin beweist sie Fingerspitzengefühl. Langsam fliegt sie mit dem Fluggerät das Dach ab, in ihren Händen die große Steuereinheit. Darin ist ein Tablet eingespannt, das permanent Positionsdaten und Live-Bilder des fliegenden Auges anzeigt. Kahles Blick wandert unablässig zwischen dem Copter in der Luft und den Live-Bildern hin und her. „Sichtkontakt ist enorm wichtig“, sagt sie.

Der Quadrocopter liegt ruhig in der Luft, selbst bei rauerem Wetter. Mit stoischer Gelassenheit schluckt er Windböen wie laue Lüftchen. Für diese Balance sorgen Lagesensoren, GPS-Empfänger und eine intelligente Steuerung.

Im Freiflug verirrt
Doch auch Nervenkitzelmomente kann die vierrotorige Maschine ihrem Befehlsgeber bescheren. Melanie Kahle weiß das aus eigener Erfahrung. Schaltet man etwa die GPS-Unterstützung aus, verliert der Copter seinen Orientierungssinn. So widersetzt er sich Böen nicht mehr automatisch, sondern lässt sich von ihnen wegtragen. „Das ist uns in den ersten Flugstunden bei einem Übungsflug im freien Gelände passiert“, erzählt Kahle. „Plötzlich wurde unser Copter immer kleiner.“ Ein Druck auf den Homebutton rettete die Situation – der Quadrocopter schaltete auf Autopilot und flog zum vorprogrammierten Landepunkt zurück.

Der Flug ohne GPS-Unterstützung gehört zur Pflichtkür bei der Prüfung für die Flugbescheinigung. Die benötigt jeder Pilot um von der Luftfahrtbehörde die allgemeine Aufstiegserlaubnis zu bekommen. Ohne die sind gewerbliche Copterflüge in Deutschland nicht gestattet.

Melanie Kahle hat die Übungsstunden lange hinter sich gelassen. Sie ist auf dem Weg zur Chefpilotin der Dachdeckerei. Eine strategische Entscheidung, durch die der Betrieb effizienter arbeiten soll. „Meine Frau wird die Fluginspektionen künftig allein beim Kunden durchführen – und mir bleibt mehr Zeit, die Aufträge zu bearbeiten“, sagt Hans-Jürgen Kahle. Darauf bereitet sich Melanie Kahle zurzeit vor – bei jedem Flug erklärt ihr der Dachdeckermeister, welche Teile des Dachs für ihn besonders wichtig sind. „In den letzten Monaten hat meine Frau viele Details über unser Handwerk gelernt“, sagt der Meister.

Investition zahlt sich aus
Schon jetzt hat sich das fliegende Auge in der täglichen Arbeit der Dachdeckerei ausgezahlt. „Vor allem verwinkelte Dächer sind im normalen Job schwer zu begutachen“, sagt Hans-Jürgen Kahle. Meist werde das Dach von den Fenstern aus begutachtet, um Schäden abzuschätzen und dem Kunden ein Angebot zu machen. Schäden außerhalb dieses Sichtbereichs werden erst später entdeckt. „Das kann teure Überraschungen geben“, erklärt Kahle. Der Copter beugt dem vor. Und seine Fotos von der gesamten Dachfläche vereinfachen das Auszählen der Ziegel.

So ermögliche der Copter bei geringerem Aufwand viel genauere Kostenvoranschläge. Und besser verkaufen lassen sich die Angebote auch noch: „Meine Kunden können jetzt viel besser einschätzen, wie groß der Handlungsbedarf an ihren Dächern wirklich ist“, erklärt Kahle. „Ein Bild von unserem Quadrocopter sagt wirklich mehr als tausend Worte.“

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