Foto: Chlorophylle - Fotolia.com

Mehr Bürokratie für Betriebe

Handwerk kritisiert strengere Tachografenpflicht

Auch Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen sollen ab 2020 verpflichtend einen digitalen Tachografen an Bord haben. Auf das Handwerk kommen mehr Bürokratie und mehr Kosten zu.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Nun auch für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht ab 2,4 Tonnen: Das EU-Parlament hat eine Ausweitung der Tachografenpflicht beschlossen.

  • Eine Einschränkung gibt es: Die neuen Regelungen gelten nur für Betriebe, die im internationalen Transport aktiv sind.

  • Das Handwerk übt scharfe Kritik: Denn in vielen Grenzgebieten sind Handwerker im Einsatz, die Zusatzkosten liegen im vierstelligen Bereich. Plus der zusätzliche Berg an Bürokratie.

Die Ausweitung der Tachografenpflicht für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht zwischen 2,4 und 3,5 Tonnen steht fest. Das Europäische Parlament hat das Anfang der Woche beschlossen. Allerdings ist die neue Regelung auf Internationale Transporte beschränkt. Es betrifft also nur Betriebe, die über die Grenzen Deutschlands hinaus tätig sind.

Das Handwerk sieht den aktuellen Beschluss dennoch kritisch. Denn: „Gerade in Grenzgebieten nach Dänemark, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich gehört grenzüberschreitende Tätigkeit auch im Handwerk zur normalen beruflichen Praxis“, sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Aus Sicht des Handwerks ist der Beschluss nur der erste Schritt zu einer späteren weiteren Ausweitung auch auf innerstaatliche Transportvorgänge im unteren Gewichtsbereich.

Zusätzliche Bürokratie und Kosten für das Handwerk

Schwannecke betonte zudem, dass Betrieben mehr bürokratische Hürden auferlegt würden und sie in ihrer Mobilität eingeschränkt seien. Das Abstimmungsergebnis müsse aus Sicht des Handwerks korrigiert werden.

Zwar erkenne das deutsche Handwerk die Notwendigkeit der Regulierung und Kontrolle von Lenk- und Ruhezeiten im Personen- und Güterfernverkehr an. Dennoch sei es nicht akzeptabel, dass damit andere Wirtschaftsbereiche belastet werden.

Konkret fielen für einen Betrieb Kosten für den Einbau des digitalen Tachografen von etwa 1500 Euro an. Dazu kämen die Anschaffung von Kontrollkarten für das Unternehmen und seine Mitarbeiter, der Kauf von Software zur Datenverwaltung sowie regelmäßige Wartungs- und Auslesepflichten.

"Handwerker sind keine Berufskraftfahrer"

Wenn Bauhandwerker zu einer Baustelle gelangen wollten oder Bäcker am Morgen ihre Brötchen in die Filialen auslieferten, würden dafür keine Berufskraftfahrer eingestellt, betonte Schwannecke. Handwerksunternehmer fahren direkt zum Ausführungsort ihrer Aufträge und Lenkzeiten spielten eine völlig untergeordnete Rolle.

Ausnahmen für das Handwerk gehen nicht weit genug

Die bisher geltende Ausnahme für Handwerker soll bestehen bleiben: Wer den Radius von 100 Kilometer rund um den Betriebsstandort nicht überschreitet, soll keinen Tachografen brauchen. Dennoch stellt der ZDH klar, dass jede Ausnahme auch einer umfassenden Überprüfung unterliegt. Diese Rechtsunsicherheit seitens der Betriebe sei ebenfalls nicht zu akzeptieren.

Das Baugewerbe soll laut dem Beschluss weitere Ausnahmeregeln erhalten. Das ist aus Sicht des ZDH positiv und sollte für das gesamte Handwerk Anwendung finden.

Auch interessant:

“Handwerker dürfen nicht die Zeche zahlen”

Deutsche Städte dürfen künftig Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge verhängen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Ausnahmen für Handwerker sind wahrscheinlich, dennoch reagieren Betriebe mit Unmut.
Artikel lesen >

Elektro-Nutzfahrzeuge 2018: Lust auf Zukunft?

Immer mehr namhafte Hersteller bieten recht alltagstaugliche Nutzfahrzeuge mit Elektromotor für das Handwerk an. Preise: erschwinglich. Eine Marktübersicht.
Artikel lesen >

-Anzeige-

Wenn Sie Ihre Augen tagsüber nur mit Streichhölzern offen halten können, sollten Sie handeln.
Foto: Yuriy Shevtsov - stock.adobe.com

Work-Life-Balance

5 Tipps gegen Schlaflosigkeit bei Stress im Job

Wer nachts nicht abschalten kann, wälzt sich oft schlaflos hin und her. Doch Sie können etwas tun für erholsamen Schlaf.

Für Handwerker und Betriebe hat die BG Bau für den richtigen Hitze- und UV-Schutz zusammengestellt.
Foto: artea_art - stock.adobe.com

Tipps für richtigen Hitze- und UV-Schutz

Hitze auf dem Bau: So schützen Sie Ihre Mitarbeiter

Arbeit auf dem Bau bei mehr als 30 Grad? Das ist nicht angenehm und birgt Risiken. Mit diesen Tipps sorgen Sie für Hitze- und UV-Schutz.

Das fordert ZDH-Präsident Wollseifer für Auszubildende und ihre Betriebe.
Foto: Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Mehr Wertschätzung für Ausbildung

Wollseifer will Sozialabgaben für Azubis streichen

Handwerkspräsident fordert Gleichstellung mit der akademischen Ausbildung und mehr Wertschätzung für Ausbildungsbetriebe.

Wolfgang Breitner, Chef des Gebäudereiniger-Betriebs Breitner Clean Team in Obernkirchen.
Foto: Martina Jahn

Personal

Integration: Experimentieren für den Erfolg

Für Wolfgang Breitner ist Integration gelebter Alltag. Mit seinem Team geht er dafür manchmal auch unbequeme Wege – und hat damit Erfolg.