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Auslandsgeschäfte: So werden Sie zum Exportschlager

Handwerk ohne Grenzen

Wollen Sie lukrative Aufträge im Ausland abwickeln? Die Außenwirtschaftsexperten der Handwerkskammern zeigen Ihnen, was in welchen Ländern geht. Und wo sich teure Fallen auftun.

Den Schritt über die Grenze wagen? - Warum nicht?! Einsatzfelder für Handwerker gibt es reichlich.
Warum nicht?! Einsatzfelder für Handwerker gibt es reichlich.
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Sie hatten den Empfangstresen, die Stehtische, Sitzecken und andere Möbel in Deutschland vorgefertigt und über die dänische Grenze geschafft. Die Mitarbeiter waren angemeldet, das Baustellenschild hing dort, wo es hängen sollte, und die Papiere lagen bereit – die Kontrolleure konnten also kommen.

Erster Auftrag in Dänemark
Das war die Situation im Juni 2013. Die Tischlerei Ahrens mit Sitz in Wulfsen im Landkreis Harburg hatte von einem langjährigen Geschäftspartner den Auftrag erhalten, ein Wettbüro in Kopenhagen einzurichten – und danach noch zwei weitere. „Wir wussten nicht genau, wie wir da herangehen sollen“, erzählt Cirstin Ahrens. Sie ist in dem Zehn-Mitarbeiter-Betrieb für das Büromanagement zuständig, ihr Mann Kim Ahrens kümmert sich als Tischlermeister um die handwerklichen Aufgaben.

Lesen Sie auf Seite 2, wer der Tischlerei mit Rat und Hilfe zur Seite stand.

Kammerexperte half bei der Vorbereitung

Cirstin Ahrens rief bei der Handwerksammer Braunschweig-Lüneburg-Stade an und wurde mit Matthias Reichert verbunden. Mit ihm und Dr. Merret Vogt von der Handwerkskammer Hannover gibt es derzeit in Niedersachsen zwei spezialisierte „Außenwirtschaftsberater“. Die anderen Kammern haben Betriebsberater benannt, die dieses Gebiet mit abdecken sollen und an die sich die Betriebe zunächst wenden können.

Entsendemeldung
Matthias Reichert half dem Ehepaar Ahrens dabei, sich auf Dänemark vorzubereiten. Wichtig: die Entsendemeldung. In Dänemark gibt es dafür das sogenannte RUT-Register, in das sich die Betriebe online eintragen müssen. Anzugeben sind unter anderem die Namen der entsendeten Mitarbeiter, der Standort der Baustelle und wann genau die Mitarbeiter dort im Einsatz sind. Ebenfalls wichtig: ein gut sichtbar angebrachtes Baustellenschild.

Steuerliche Registrierung
Grundsätzlich empfiehlt der Kammerexperte Matthias Reichert den Betrieben, den eigenen Steuerberater bei jedem Auslandseinsatz prüfen zu lassen, ob eine steuerliche Registrierung in dem jeweiligen Land erforderlich ist oder nicht.

Die Vorbereitung war Cirstin Ahrens zufolge zeitaufwendig, hat sich jedoch gelohnt: „Beim ersten Auftrag hatten wir dann auch prompt eine Prüfung, aber die Kontrolleure hatten nichts zu beanstanden.“

Wer Sie ebenfalls zum Thema Auslandsgeschäfte berät, erfahren Sie auf Seite 3.

Handwerk International - gebündelte Kompetenz

Auch Dr. Eva Schmoly hat es häufig mit Betrieben zu tun, die einen ersten Auftrag im Ausland ergattert haben und bei ihr Rat suchen. Sie leitet den niedersächsischen Knotenpunkt des Projektes „Norddeutsches Handwerk International“. Die Projektstelle ist bei der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen in Hannover angesiedelt und arbeitet eng mit den für Außenwirtschaft zuständigen Beratern der einzelnen Kammern zusammen.

Informationen, Unternehmerreisen, Messebesuche ...
Zum Service für die Betriebe gehören Informationsveranstaltungen zu speziellen Ländern und Einzelberatungen zu Themen wie Melde- und Steuerpflichten, Zölle, Mindestlöhne und Arbeitsschutz. Die Stelle gibt Informationsschriften sowie einen Newsletter heraus und hilft bei der Suche nach Kooperationspartnern. Außerdem veranstaltet sie zwei- bis dreitägige Unternehmerreisen. Eva Schmoly zufolge stehen dabei jedes Mal Messebesuche, Vorträge und die Besichtigung einer Baustelle auf dem Programm. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Beratungseinrichtungen wie in Hannover, die unter dem Stichwort „Handwerk International“ zu finden sind.

Bei Auslandseinsätzen müssen Sie häufig in Vorleistung gehen. Und sauber kalkulieren. Mehr dazu auf Seite 4.

Wichtig: Zusätzliche Kosten einkalkulieren

Als wesentliche Voraussetzungen für ein Auslandsengagement nennt Eva Schmoly Sprachkenntnisse mit Englisch als Mindestvoraussetzung, personelle Kapazitäten und Liquidität für Vorleistungen wie Kautionen oder vorzustreckende Reise- und Hotelkosten. „Durch Auslandseinsätze entstehen für die Betriebe zusätzliche Kosten, die sie unbedingt schon bei der Angebotserstellung einkalkulieren müssen“, sagt die Beraterin. Andererseits ließen sich bei ausländischen Auftraggebern oftmals auch höhere Preise erzielen als im Inland. „Wir hören immer wieder, dass deutsche Handwerker wegen der Qualität ihrer Leistungen, ihrer Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gefragt sind.“

Kim und Cirstin Ahrens haben bereits einen weiteren Markt im Visier: Großbritannien. Dort sehen sie einen großen Bedarf an qualitativ hochwertigen Fenstern und elektrischen Rollläden. „Zurzeit sind wir zwar völlig ausgelastet“, sagt Cirstin Ahrens. Doch das sei eigentlich genau der richtige Zeitpunkt, um sich umzusehen: „Wir können in Ruhe unsere Fühler ausstrecken und erste Kontakte knüpfen.“

(afu)

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