Foto: Kramosta

Work-Life-Balance

Handwerker-Comedy: „Normal müsste dat halten!“

Sein Vater möchte am liebsten auf dem Gerüst sterben. Kai Kramosta zieht es auf die Bühne. Stoff für seine Handwerker-Comedy sammelte er nicht nur im elterlichen Betrieb.

Auf einen Blick:

  • Krai Kramosta hat gestandene Handwerker im Programm - frei nach dem Motto "Passt, wackelt und hat Luft!".
  • Als Sohn eines Stukkateurmeisters von der Eifel weiß der Comedian, wovon er spricht. Vieles hat er auf der Baustelle aufgeschnappt.
  • Im Interview redet Kramosta auch über die Servicementalistät im Handwerk, über Nachwuchssorgen und die Reaktionen im Publikum.

„Betreten der Lachbaustelle erlaubt“, schreibt Kai Kramosta auf seiner Website. Der 33-Jährige ist in der Eifel aufgewachsen und Sohn eines selbstständigen Stukkateurmeisters. Zurzeit ist er mit seinem Soloprogramm „Normal müsste dat halten – Handwerker, Baustellen, Dorfbewohner“ unterwegs. Seine CD „Eifelhandwerker“ ist in diesem Herbst erschienen.

Herr Kramosta, wie würden Sie einen Handwerker von der Eifel charakterisieren?

Er ist hemdsärmelig, sehr ehrlich und hat ein absolutes Fachwissen. Ein Problem ist, dass er oft nicht über den Tellerrand hinausguckt. Das karikiere ich auch in meiner Figur „Handwerker Peters“: Er kennt sich in seinem Bereich super aus, aber von anderen Bereichen möchte er nichts wissen. Vielleicht, um nicht zu zeigen, dass er da noch ein paar Defizite hat.

Ihr Vater ist Stukkateurmeister, wie haben Sie ihn als Kind erlebt?

Er hatte so eine Cleverness, die ich an Handwerkern sehr mag. Es gibt ja diesen Spruch, was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn ein Problem auftrat, hat mein Vater nicht die Flinte ins Korn geworfen, sondern geschaut, wie man das lösen kann. Einmal musste er zum Beispiel eine Wand verputzen, und davor war ein Gebüsch, das er nicht kaputtmachen wollte. Da hat er sich eine Vorrichtung gebaut, und seine Kollegen haben ihn von oben mit einem Seil heruntergelassen wie einen Fensterputzer. Das fand ich beeindruckend.

Hat Ihr Vater sich gewünscht, dass Sie in seinen Betrieb einsteigen?

Ich musste als Teenager im Betrieb mithelfen, und da hat er schnell gemerkt, dass ich zwei linke Hände mit zwei rechten Daumen habe. Gott sei Dank habe ich noch einen größeren Bruder, der Stukkateur gelernt hat und den Betrieb sehr wahrscheinlich bald übernehmen wird. Mein Vater ist noch voll im Betrieb und denkt auch nicht daran, in Rente zu gehen. Er sagt immer, er möchte auf dem Gerüst sterben.

Warum sind Sie Komiker geworden?

Ich wollte früher Pastor werden, denn ich fand es toll, vor Publikum zu reden. Nicht wegen des Glaubens, sondern eher wegen des Publikums. Ich spielte Kindertheater und dann fiel mal bei uns im Dorf auf der Karnevalssitzung ein Büttenredner aus. Ich wurde gefragt, ob ich da ein paar Witze erzählen könnte. Das habe ich dann probiert, kam super an. Von da an wollte ich nichts anderes mehr werden als Unterhalter.

Handwerker-Comedy: Video-Ausschnitte:

Wer hat für die Figuren Ihrer Handwerker-Comedy „Modell gestanden“?

Die Hauptfigur ist dieser Handwerker Peters, und da sind bestimmt acht bis zehn Handwerker eingeflossen, die ich damals kannte, mein Vater inklusive. Die lustigsten Sachen sind tatsächlich so gesagt worden, die habe ich in der Mittagspause auf der Baustelle aufgeschnappt. Der Handwerker Peters sagt, was er denkt, und kann damit auch manchmal Leute vor den Kopf stoßen. Aber man weiß genau, woran man bei ihm ist. Und er regt sich ständig auf. „Der hat eine durchsichtige Brotdose“, sagt er zum Beispiel über den Polier. „Damit er weiß, ob er zur Arbeit geht oder von der Arbeit kommt.“ Viel zu sagen hat bei mir auch der Bauunternehmer Arno Pütz. So einen Unternehmer habe ich tatsächlich in Köln kennengelernt, aber der heißt natürlich anders.

Und was ist das für ein Typ, dieser Arno Pütz?

Pütz ist so der typische Rheinländer, der zu seinen Kunden sagt, „normal müsste dat halten“ und „passt schon“, wenn sie Zweifel anmelden. Oder er versichert dem Kunden: „Ihr Haus, dat wird wunderschön, und den Rest macht die Farbe.“ Als Chef hält er den Laden zusammen und stellt sich jederzeit vor seine Mitarbeiter, das finde ich toll an ihm. Charakteristisch für Arno Pütz ist auch der Satz: „Ich bin jetzt seit 45 Jahren Bauunternehmer. Ich weiß, wat ich denke, wenn ich hör, wat ich sage.“

Schwingt darin eine – wenn auch lustig verpackte – Kritik an der Servicementalität im Handwerk mit?

Da ist leider was dran. Seit ich in der Stadt wohne, weiß ich die Handwerker vom Land erst richtig zu schätzen. Denn hier in der Stadt heißt es, wir kommen am Freitag zwischen 8 und 18 Uhr – und dann kommt keiner. Es ist natürlich klar, dass bei Handwerkern zum Teil der Nachwuchs fehlt und die viel zu tun haben. Wenn es blöd läuft, müssen in 30 Jahren vier Studierte auf einen 80-jährigen Handwerker warten, weil der Job leider nicht mehr so angesagt ist.

Wie reagieren Handwerker auf Ihre Comedy-Show?

Es kommen sehr viele Handwerker in meine Vorstellungen. Sie lachen über Arno Pütz oder Handwerker Peters, sagen aber nicht, „So bin ich!“, sondern „Ich kenne jemanden, der so ist!“. Aber wenn dann die Frau neben ihnen sitzt, dann sagt die „Der ist doch genauso wie Du!“ – und das ist immer das Schöne.

Das Interview führte Astrid Funck.

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