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Strategie

Handwerker-Netzwerke: kleine Betriebe, große Schlagkraft

Risiko durch Digitalisierung? Gibt es. Viel größer aber sind die Chancen, sagt Malermeister Matthias Schultze. Das Handwerk müsse seine Macht nur richtig nutzen.

Auf einen Blick

  • Neue Schlagkraft: In Netzwerken können Handwerksbetriebe ihre Kräfte in bestimmten Bereichen bündeln. So können sie zum Beispiel digitales Marketing und Social Media zentral entwickeln, ohne selbst viele Ressourcen auf diese Aufgaben verwenden zu müssen.

  • Erprobte Strategie: Malermeister Matthias Schultze hat so ein Netzwerk aufgebaut. Er erklärt am Beispiel von mein-maler.de welchen Nutzen die Arbeit in einem Netzwerk allen Partnern bringt.

  • Mehr Aufträge, mehr Austausch: Die Vorteile der Netzwerkarbeit lassen sich auch finanziell belegen. Doch der Nutzen beschränkt sich nicht auf Geldgewinne.

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Von Denny Gille

Schließen sich Handwerksbetriebe zu Netzwerken zusammen, werden sie viel wettbewerbsfähiger, sagt Malermeister Matthias Schultze. In Schultzes Partner-Netzwerk mein-maler.de sind aktuell zwölf Betriebe des Maler- und Raumausstatterhandwerks aktiv. Digital treten sie gemeinsam unter verschiedenen Marken auf. Das sorgt für Sichtbarkeit. Gleichzeitig haben die Unternehmen mehr Zeit, um sich um ihr Kerngeschäft zu kümmen.

Mehr Schlagkraft im Netzwerk

Herr Schultze, welche Herausforderungen sehen Sie auf das Handwerk zukommen?

Wir beobachten, dass Global Player wie Amazon und Google die Digitalisierung nutzen, um mit Handwerksdiensten direkt den Endkunden zu erreichen. Wenn diese Konzerne künftig Planung und Beratung übernehmen, bleibt uns nur noch die Ausführung. Das bedroht unsere Identität. Dagegen sollten wir uns wappnen.

Wie sollte das Handwerk reagieren?

Wir müssen unsere Sichtbarkeit deutlich erhöhen. Das geht auf zwei Wegen: Entweder wir wachsen oder wir vernetzen uns. Ich bin für Vernetzung. So können wir klein und handlich bleiben und entwickeln gleichzeitig eine hohe Schlagkraft, um die digitale Transformation voranzutreiben.

Arbeitsteilung erleichtert Positionierung

Wie helfen Handwerker-Netzwerke, sich im Wettbewerb zu behaupten?

Im Netzwerk bündeln wir unsere Stärken in Marken. Jede Marke spricht gezielt eine bestimmte Zielgruppe an. Der „Gesunde Raum“ zum Beispiel richtet sich an gesundheitsbewusste Kunden, die hochwertige Arbeiten und beste Materialien wollen. Die Marke „Lieblingsmaler“ steht für saubere, pünktliche Handwerker, die jeden Wunsch erfüllen. Unsere Partnerbetriebe kaufen sich in die Marken ein, die zu ihnen passen. Diese Marken werden bundesweit vermarktet.

Das klingt nach viel Arbeit …

Die das Netzwerk übernimmt. Wir entlasten jeden Partner. Denn der soll seinen Job vor Ort, beim Kunden und auf der Baustelle machen. Wir kümmern uns um die digitale Strategie, Marketing, Blog, Social-Media-Präsenz und helfen bei der Mitarbeitersuche. Die Partner bekommen zudem Material, das sie für eigenes Marketing nutzen können.

Netzwerk sorgt für Aufträge und Austausch

Ist der Netzwerk-Vorteil auch finanziell spürbar?

Das Netzwerk generiert Aufträge. Unser Partner Flämingmaler hat letztes Jahr zum Beispiel allein 150.000 Euro über das Netzwerk generiert. Außerdem konnte er seinen Betrieb in kurzer Zeit neu aufstellen, weil er endlich Zeit für seine strategische Ausrichtung hatte. Das schafft man als Einzelkämpfer nicht.

Wer ist in Ihrem Netzwerk Mein-Maler.de?

Unser Netzwerk besteht aus Malern und Raumausstattern. Wir sind aktuell zwölf Betriebe mit unterschiedlichen Schwerpunkten von klassischen bis exklusiven Malerarbeiten.

Wie hilft man sich in Ihrem Netzwerk noch?

Der Austausch von Ideen und Erfahrungen unter den Netzwerkpartnern ist unheimlich wertvoll. Wir setzen dabei auch Themen: Wie kann ich Arbeitsprozesse schlank organisieren? Wie binde ich die Mitarbeiter so ein, dass die Kommunikation fließt? Und vor allem: Wie liefern wir mehr Dienstleistung, ohne uns mehr zu belasten?

Was müssen die Partnerbetriebe mitbringen?

Vor allem die Bereitschaft, im Netzwerk zu arbeiten. Unsere Marken orientieren sich an bestimmten Alleinstellungsmerkmalen. Die müssen die Betriebe natürlich leben. So lernen sie auch, sich intern zu verbessern. Natürlich hat das Netzwerk eigene Ausgaben und es ist für die Partner nicht kostenlos. Wer unsere Werkzeuge aber effektiv nutzt, für den ist das keine Belastung sondern ein Gewinn.

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