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Hat die Dekra gepfuscht?

Statistik-Professor Walter Krämer bezeichnet Hochrechnungen auf der Basis der aktuellen Dekra-Studie als "statistisch unseriös".

Statistik-Professor Walter Krämer bezeichnet Hochrechnungen auf der Basis der aktuellen Dekra-Studie als "statistisch unseriös".

Wie berichtet hatte die Prüforganisation eine Horror-Bilanz vorgelegt. Allein zwischen 2003 und 2007 habe sich die Zahl der Mängel auf deutschen Baustellen um mehr als hundert Prozent erhöht. Mehr als hundert Prozent! Dass der Bauschadenbericht "eindeutig interessengeleitet sei und die Dekra mit den Zahlen lediglich ihre "eigene Geschäftsfähigkeit" untermauern wolle, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Dr. Karl Robl.

Den größten Fauxpas sieht Robl in der Zahl der Bauvorhaben, auf denen der Bauschadenbericht basiert: nämlich 50. Oder genauer: Die Dekra hatte für ihre Studie die Bauqualität von 50 der "fast 900 Gebäude" ausgewertet, die im Vergleichszeitraum "intensiv geprüft" worden waren. 50? Bei 200 000 Wohneinheiten im vergangenen Jahr? Lässt sich daraus eine repräsentative Studie ableiten? Dr. Karl Robl: Wenn da ein echter Statistiker rangeht, der zerreißt das bis in die letzte Zeile.

Die Redaktion hat den Bauschadenbericht einem echten Statistiker vorgelegt. Ob eine Stichprobe groß genug ist, hängt nicht vom Auswahlsatz ab. Einzig und allein interessant ist die Größe der Stichprobe. Und die ist hier mit 50 eher klein, erläutert Dr. Walter Krämer, Professor am Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik der Technischen Universität Dortmund.

Selbst die fast 900 Gebäude seien nur eine Stichprobe aus der Gesamtheit der Bauvorhaben. Und weil schon das ganz klar keine Zufallsstichprobe sei, bezeichnet Krämer jede Hochrechnung auf dieser Basis als statistisch unseriös. Sein Resümee ähnelt Robls Einschätzung: Als Statistik verkaufte Werbung für die Dekra.

Etwa 20 Prozent der handwerk.com-Leser sehen das genau so. Wir hatten Sie gefragt: "Dekra-Statistik: Nimmt der Pfusch am Bau wirklich zu?" Während 40 Prozent meinen, dass sich in Sachen Pfusch am Bau in den vergangenen Jahren eigentlich kaum etwas verändert habe, bewertet jeder fünfte Umfrageteilnehmer die Dekra-Statistik so: "Blödsinn: Das ist eine reine PR-Masche." Übrigens: Wir leiten aus der Umfrage ausdrücklich nicht ab, dass alle Handwerker, ganz Deutschland oder die komplette Menschheit diese Ansicht vertritt.

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