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Glasfusing

Hier entstehen Unikate aus Glas

Glasfusing heißt die Technik. Das Ergebnis: kleine Kunstwerte aus Glas, die nicht nur zur Weihnachtszeit gefragt sind. Silke Dübels Arbeiten schmücken auch Lederaccessoires und Taschen wie die "Glap Bag". Ein Werkstattbesuch.

Ihr gehen die Ideen nie aus. - Silke Dübel vor ihrem Laden auf dem UNSA-Hof in Leiferde bei Gifhorn.
Silke Dübel vor ihrem Laden auf dem UNSA-Hof in Leiferde bei Gifhorn.
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Sie trägt rote Schnürstiefel. Von der Spitze bis zum Schnürband schlängeln sich darauf mit bunten Fäden eingenähte Blumen entlang. Bequem sehen die Schuhe aus und fallen sofort auf. So wie die Frau, die sie trägt: Silke Dübel lebt ihre Originalität und setzt sie in ihren Arbeiten um. Ihr Unternehmen heißt „GlassVIsion“ und hier ist jedes Stück ein Unikat, wie die Frau selbst.

Der kleine Laden mit angeschlossener Werkstatt in Leiferde ist weihnachtlich geschmückt. Vor der Tür hängen aus Draht geflochtene Kränze, verziert mit gläsernen Sternen.  „Glasfusing“ heißt die Arbeitsmethode, mit der die 49-Jährige ihre kleinen Kunstwerke herstellt. Das bedeutet: Verschiedene Glasteile verschmelzen unter Hitzeeinwirkung miteinander.

Weihnachtsschmuck aus dem Brennofen
Gerade schneidet sie die Zacken eines Sterns mit dem Glasschneider zu. „Dazu braucht man schon ein bisschen Kraft“, betont Silke Dübel. Der kleine Strich auf dem weißen Glas mit roten Tupfern ist kaum zu erkennen. Aber durch das Diamanträdchen ist er dick genug, damit sie mit dem „Zwicker“ – einer Zange – das Teil abknipsen kann. „Meine eigentliche Arbeit ist das Entwerfen der Produkte und das geschickte Zusammenlegen der vielen kleinen Einzelteile im Ofen“, sagt die Handwerkerin, die sich vor fünf Jahren den Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht hat. Die gelernte Verwaltungsfachangestellte hat sich schon lange davor in der Glaskunst ausbilden lassen. Kreativ sei sie schon immer gewesen, sagt sie über sich selbst.

Der Brennofen hingegen ist unscheinbar. Eine dicke Isolierschicht sorgt dafür, dass bei Temperaturen von über 1000 Grad keine Wärme nach außen tritt. Auf der Keramikplatte im Ofen liegt ein beschichtetes Blatt. Dort hat sie den Umriss des Sterns aufgezeichnet, legt die Zacken passgenau drauf. In die Mitte legt sie viele kleine Glasteile in rot oder orange – je nachdem, wie der Stern am Ende aussehen soll. „Wichtig ist, dass sich die kleinen Teile gegenseitig und mit den Zacken überlappen“, betont Dübel. „Wenn Zwischenräume bleiben, verschmilzt das Glas im Ofen nicht.“ Dann muss sie erneut brennen. Und das dauert bis zu 12 Stunden.

Zeit spielt auch bei der Handwerkerin eine große Rolle. Ihr Laden auf dem „Unsa-Hof“ in Leiferde ist nur Donnerstagvormittag und freitags geöffnet. Warum? „Ich habe vier Kinder, einen Mann, einen Hund und ein Haus“, sagt sie. Montag bis Mittwoch arbeitet sie mit geschlossener Ladentür. „Wenn ich nichts produziere, kann ich auch nichts verkaufen“, betont Dübel. An den Nachmittagen ist „Familienzeit“, abends wird Silke Dübel wieder kreativ. Nimmt sich Arbeit mit nach Hause, stellt Aufträge fertig. Momentan seien Weihnachtsartikel wie ihre Sterne, Elche, Weihnachtsmänner, Tannenbäume oder Engel gefragt.



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Individuelle Liebhaber-Stücke aus Glas

Das Weihnachtsgeschäft ist Saisongeschäft für Silke Dübel. Ein Markenzeichen ihrer „GlassVIsion“ sind Druckknöpfe aus Glas, die sich vielfältig verwenden lassen. Auch Silke Dübel trägt heute ein Lederarmband mit diesen Knöpfen. Sie hat ein Tuch um den Hals, an dem die Knöpfe hängen. „Ich produziere fast nichts, das ich nicht auch kaufen würde“, sagt die Unternehmerin. Das Herzstück für die Knöpfe bildet eine von ihr und ihrer Freundin entworfene Tasche namens „GlapBag“. Der Name setzt sich zusammen aus Glas und Snap, englisch für Druckknopf.

Die GlapBag ist modular aufgebaut. Sie setzt sich zusammen aus der eigentlichen Tasche aus hochwertigem Leder. Aus 65 Ledersorten können ihre Kunden wählen, das Innen- und Außenfutter selbst bestimmen. Der Deckel ist zum Abknöpfen, wie auch der Rumpf der Tasche. „So kann sich jeder seine individuelle Tasche je nach Geschmack und Anlass zusammenstellen“, sagt Silke Dübel. Auf jedem Deckel sind drei Druckknöpfe. Davon hat sie mehrere Kisten voll auf Lager – in verschiedenen Farben und Größen. Für ganz individuelle Taschen, Armbänder oder Kettenanhänger.

Hergestellt werden die Lederaccessoires von ihrer Freundin Martina Grenz. Und weil es die GlapBag so noch nicht gab, haben beide Frauen sie im Designregister eintragen und patentieren lassen. Die Urkunde mit den Namen der beiden hängt in der Werkstatt. Mit Stolz präsentiert die gebürtige Karlsruherin das Schriftstück. Bestellt wird die originelle Tasche nicht mehr nur aus der nahen Umgebung. Die Liebhaber-Stücke verkauft sie über die niedersächsischen Landesgrenzen hinaus.

In Leiferde ist inzwischen Feierabend für heute. Draußen wird es langsam dunkel, die kleinen Sterne mit der Weihnachtsbeleuchtung kommen nun richtig zur Geltung. Silke Dübel wirft einen letzten prüfenden Blick in den Ofen, sperrt ihn zu und schließt dann den Laden ab. Morgen sind wieder neue Sterne aus Glas fertig.


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