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Schummelwerker

Hier kostet die Meisterprüfung nur 7,99 Euro

So geht’s auch: Den Meisterbrief bei Ebay bestellen, Kunden damit mächtig beeindrucken – und dann das Bad verwüsten. Eine üble Geschichte mit kuriosen Aspekten.

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Die Posse in Kurzform: Eine Kundin verlangt von einem Handwerker eine Referenz, der überreicht ihr die Kopie eines Meisterbriefes der Handwerkskammer Gelsenkirchen (was daran wirklich bemerkenswert ist, wird sich später zeigen).

Dann geht alles schief, der Klempner verwandelt das Badezimmer der Auftraggeberin in eine Bauruine. Für ein Kamerateam des Fernsehsenders N24 hat sich ein Gutachter die Bescherung angesehen. Die Highlights: schiefe Armaturen, Kloschüssel in Kinderhöhe, Dusche komplett falsch installiert, der Fliesenbelag muss wieder abgebrochen werden.

Nicht gerade meisterlich. Ein N24-Redakteur hat den „Meisterbrief“ dem Präsidenten der Handwerkskammer Münster vorgelegt. Schornsteinfegermeister Hans Rath sagt ganz nüchtern: „Bei der ersten Betrachtung stelle ich fest, dass es keine Handwerkskammer Gelsenkirchen gibt.“ Der Witz des Tages.

Dafür gibt’s Ebay. Wer dort nach dem Begriff „Meisterbrief“ sucht, kommt auf knapp 80 Ergebnisse Ein Beispiel für ein Angebot: „Meisterbrief (Neutral) auf ihren Namen.“ Ein echtes Schnäppchen für 7,99 Euro. „Leisten auch Sie sich mal einen Meisterbrief“, steht dort zu lesen. Hinzufügen ließe sich: Warum nicht mehrere, je nach Auftrag können Sie das gesamte Bauhandwerk abdecken. Und warum nicht gleich eine Bäckerei eröffnen?

Wie so ein Schummelwerker der Branche die "Vorkasse" und das Image versaut, erfahren Sie auf Seite 2.

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Auf keinen Fall Vorkasse

Tatsächlich weist der Ebay-Anbieter „Geschenkeheinze“ darauf hin, dass seine Dokumente „original“ aussehen. Aber: „Es handelt sich bei unseren Erzeugnissen um keine amtlichen oder behördlichen Erzeugnisse.“ Aha.

Im N24-Beitrag kommt übrigens auch ein echter Handwerker zu Wort. Nämlich der Mann, der dafür sorgen musste, dass die Kundin in ihrem Badezimmer auch wirklich duschen kann. Martin Sondermayer sagt über den Schummel-Kollegen: „So einer kriegt Arbeit und versaubeutelt alles.“

Tatsächlich ist das die Moral der Geschichte: Da zieht mal wieder ein „Kollege“ das Image des ganzen Wirtschaftszweiges in den Dreck. Denn solche Leute sorgen dafür, dass die Medien möglichen Kunden tolle Tipps um die Ohren hauen. Der Rat eines Sachverständigen bei N24: Fristen setzen, auf Abnahme bestehen, Baufortschritt dokumentieren, Referenzen einholen. Bis hierhin klingt’s halbwegs vernünftig.

Dann kommt der Hammertipp: "Keine Vorkasse!", rät der "Experte".

Keine Vorkasse?

„Ein seriöser Handwerksbetrieb“, sagt der Gutachter vom Anfang des N24-Beitrags, „kann es sich leisten, das Material zu beschaffen, mit dem er arbeiten wird.“

Ist damit jeder Betriebsinhaber unseriös, der den Begriff „Vorkasse“ ins Spiel bringt? Ganz offensichtlich kann sich eine seriöse Branche Schummelwerker mit gefälschten Meisterbriefen nicht leisten.

Eins noch: Der Mann mit dem Pseudo-Dokument der nicht existenten Handwerkskammer ist laut N24 seit 2008 insolvent – aber er arbeitet munter weiter.

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(sfk)
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