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Work-Life-Balance

Klarer Kopf trotz Reizüberflutung

Je sensibler Menschen auf Reize wie Geräusche oder Gerüche reagieren, desto schneller landen sie in der Stressfalle! Hochsensiblen Menschen passiert das besonders oft. Was tun?

Auf einen Blick:

  • Rund 20 Prozent der Bevölkerung besteht aus hochsensiblen Menschen: Sie reagieren empfindlicher auf Geräusche, Gerüche und andere Reize – und sind davon schneller gestresst.
  • Hochsensibilität ist keine Krankheit, kann aber Stresssymptome wie Herzrasen, Verspannungen und Magenkrämpfe auslösen.
  • Auch im Arbeitsalltag ist Hochsensibilität ein Problem: Wer ständig unter Zeitdruck arbeitet und Multitasking betreibt, leidet besonders unter den zusätzlichen Reizen – und macht leichter Fehler.
  • Die gute Nachricht: Hochsensible Menschen können zwar ihre Sensibilität nicht „abschalten“. Doch mit den richtigen Tipps und Strategien können Sie auch in Stresssituationen einen klaren Kopf behalten.

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Manchmal wird einfach alles zu viel. Zu viele Unterbrechungen, Ablenkungen, Störungen … Und nichts wird mehr fertig. Wem es oft so geht, der ist vielleicht nicht nur gestresst, sondern sogar hochsensibel.

Hochsensibel – was ist das denn?

Das Telefon nebenan klingelt ununterbrochen, Mitarbeiter unterhalten sich lautstark vor Ihrem Büro – und Sie möchten in Ruhe ein Angebot schreiben? Die meisten Menschen können solche Geräusche einfach ausblenden und sich trotzdem konzentrieren. Es gibt aber auch Menschen, die empfindlicher auf störende Geräusche und andere Reize reagieren – und schneller davon überfordert sind.

Wissenschaftler bezeichnen solche Menschen als „hochsensible Person“ oder auch als „HSP“ (Highly Sensitive Person). Hochsensible Menschen sind mit einer besonders feinen „Sensorik“ ausgestattet und nehmen die Vielfalt der ständigen Reize verstärkt wahr. Die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron schätzt, dass 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel sind.

Keine Krankheit – aber …

Sabine Dinkel ist so eine hochsensible Person. Die gelernte Tischlerin und Kauffrau arbeitet heute als Business-Coach und Autorin in Hamburg; sie hat sich auf die Beratung, Coaching und Workshops für hochsensible Menschen spezialisiert.

Sie sagt ganz klar: „Es handelt sich weder um eine Störung, noch um eine Krankheit!“ Vielmehr verfüge das Gehirn hochsensibler Menschen über ein höheres Erregungspotenzial. „Die Gehirnregionen, die für die Dämpfung des Erregungspotenzials zuständig sind, sind bei Hochsensiblen weniger stark ausgebildet. Das führt dazu, dass das Tor zum Bewusstsein mehr Reize als wichtig einstuft, auch wenn sie womöglich gar nicht wichtig sind.“ Dinkel sieht es positiv, sie spricht von ihrer „Wahrnehmungsbegabung“.

Allerdings seien Hochsensible anfälliger für das Auftreten von Krankheitsymptomen. Sie würden Stress „häufiger und ausgeprägter“ erleben, „was dazu führt, dass auch der Körper häufiger und ausgeprägter mit Stresssymptomen reagiert“. Also: Herzrasen, Verspannungen, Magenkrämpfe, Kopfschmerzen … Langfristig könne es zu psychosomatisch bedingten Störungen kommen.

Hochsensibel durch den Tag

In dem Ratgeber „Hochsensibel durch den Tag“ beschreibt Sabine Dinkel, wie man trotz Hochsensibilität mit permanenter Reizüberflutung leben und besser auf sich achten kann, um einen ausgeglichenen Reiz-Haushalt zu erhalten. Und das macht sie ziemlich umfassend – mit Tipps für wirklich alle Lebenslagen.

  • Wie kommen hochsensible Menschen gut durch den Tag?
  • Was hilft am Arbeitsplatz?
  • Tipps für Freunde, Partnerschaft und Netzwerken

Vorbeugen und Planung sind für Dinkel wichtige Themen, denn wer vorbeugt, gerät weniger leicht in die Fallen der Reizüberflutung. Doch was nützt der beste Plan, wenn dann doch alles ganz anders kommt? Auch dafür sorgt die Autorin vor, mit regelrechten Notfallplänen.

Die Tipps sind allerdings nicht nur für hochsensible Menschen interessant. In Stressituationen kann jeder schnell geraten und kleine Übungen zwischendurch können Ihnen auch dabei helfen, stressige Bedingungen besser zu überstehen. Darum hier ein paar schnelle Tipps von Sabine Dinkel für den Alltag:

Vier Tipps gegen Stress durch Reizüberflutung

1. Vorabend-Check

Prüfen Sie am Vorabend was am nächsten Tag eigentlich alles anliegt. Welche Termine stehen an? Welche Aufgaben dulden keinen Aufschub? Achten Sie darauf, den Tag nicht zu sehr zu überfrachten. Lassen Sie Platz für unvorhersehbare Dinge.

2. Multitasking vermeiden

Hochsensible Menschen sind oftmals perfektionistisch veranlagt und geraten durch Unterbrechungen leicht in den Dauerkonflikt zwischen Multitasking und Fehlerquote. Sie möchten 100-prozentig korrekt arbeiten, versuchen aber, unter Zeitdruck mehrere Dinge gleichzeitig fertig zu bekommen. Die Folge sind Fehler, die noch mehr Zeit kosten und den Stress weiter erhöhen. Erstellen Sie lieber eine To-do-Liste mit Prioritäten und Zeitfenster für diese Aufgaben – und arbeiten Sie diese ab.

3. Pause machen, bevor man sie braucht

Machen Sie nicht erst Pausen, wenn Sie gestresst oder erschöpft sind. Es ist wichtig, Pausen bewusst einzubauen. Dazu gehört auch eine Mittagspause von mindestens 30 Minuten. In dieser Pause sollten Sie etwas „Anständiges“ essen, damit Sie Ihren Organismus und Ihren Stoffwechsel unterstützen.

4. Notfallplan, wenn es doch stressig wird

Es gibt Tage, da sind Geist und Körper einfach nicht auf der Höhe. Nehmen Sie sich an solchen Tagen einfache Routine-Aufgaben vor, die leicht von der Hand gehen. Streichen Sie alles weg, was keine Auswirkungen hat, wenn Sie es heute nicht erledigen.

Buchtipp: Diese und weitere Tipps sowie Hintergrundinformationen und ein Selbsttest zum Thema Hochsensibilität finden Sie in dem Buch „Hochsensibel durch den Tag“ von Sabine Dinkel. humboldt-Verlag (2016), 224 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-86910-514-7.

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