Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Kosten der Steuerberatung

Honorar mit dem Steuerberater neu verhandeln

Die Regeln der Steuerberatervergütung wurden geändert: Jetzt dürfen die gesetzlichen Gebühren unter- aber auch überschritten werden. Steuerberater müssen darüber informieren. Und Mandanten sollten übers Honorar reden.

 - Durch die Reform der Steuerberatervergütungsverordnung ergeben sich Verhandlungsspielräume.
Durch die Reform der Steuerberatervergütungsverordnung ergeben sich Verhandlungsspielräume.
Foto: Marco2811 - Fotolia.com

Haben Sie in diesen Tagen eine Nachricht von Ihrem Steuerberater bekommen, dass die Allgemeinen Auftragsbedingungen (AAB) geändert wurden? Zu dieser Information sind Steuerberater seit dem 23. Juli 2016 durch eine Reform der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) gezwungen. Nach der Gesetzesänderung dürfen Steuerberater niedrigere, aber auch höhere Gebühren als die gesetzlich vorgeschriebenen vereinbaren (§ 4 Absatz 3 StBVV) – und müssen zudem ihre Mandanten über diese Neuerung informieren (§ 4 Absatz 4 StBVV).

Hintergrund: Ursprünglich stand die ganze Vergütungsverordnung auf der Kippe. Die Europäische Kommission hatte deswegen gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Dem Vertragsverletzungsverfahren entging Deutschland durch die Reform der StBVV.

Steuerberater müssen informieren
„Diese neue Informationspflicht war die von den Steuerberatern zu schluckende Kröte, um die StBVV überhaupt zu erhalten“, verrät der Berliner Steuerberater Reinhard Schinkel vom Kanzleiverbund HSP Steuer, dessen Zentrale in Hannover ist.

Meist laufen die Mandate über viele Jahre und deshalb wollen die meisten Steuerberater auch keine „schlafenden Hunde“ wecken. Deshalb werden viele versuchen, diese Informationspflicht möglichst so zu erfüllen, dass den Mandanten die Möglichkeit, das Honorar neu zu verhandeln, nicht unbedingt gleich auffällt. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • eine Ergänzung der Allgemeinen Auftragsbedingungen (AAB),
  • Zusatzklausel im Steuerberatungsvertrag oder
  • in einer Vollmacht oder
  • eine Mitteilung in einer Honorarrechnung.
„Bezahlt der Handwerker die Rechnung mit dieser Mitteilung, dann kann der Steuerberater davon ausgehen, dass er die Information empfangen hat. Damit ist die Informationspflicht des Beraters erfüllt“, erklärt Schinkel. Denn vorgeschrieben ist die „Textform“. Gemeint ist, dass der Steuerberater schriftlich über die Gesetzesänderung aufzuklären hat. Und auch die Vereinbarung eines Honorars, das von der StBVV abweicht, muss in Textform erfolgen – beispielsweise als E-Mail. Schinkel: „Antwortet der Handwerker auf ein entsprechendes Honorarangebot mit „Einverstanden oder ja“, dann genügt dies als Vereinbarung. Eine Unterschrift oder ein mit „Vertrag“ überschriebenes Dokument ist nicht erforderlich.“

Verhandlungsspielraum beim Honorar
Wichtig: Dieser deutlich größere Spielraum bei den Steuerberatergebühren gilt nur für außergerichtliche Angelegenheiten. Zudem muss das vereinbarte Honorar in einem angemessenen Verhältnis zu der Leistung, der Verantwortung und dem Haftungsrisiko des Steuerberaters stehen. Damit haben es Handwerker selbst in der Hand, ihre Kosten für die Steuerberatung zu senken.

Dass die Kosten hierfür immer wieder kritisiert werden, offenbart die im Juni 2013 veröffentlichte Studie der Steuerberatergenossenschaft Datev. Obwohl sich darin 91 Prozent der Handwerker zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Steuerberater zeigen, sind die Kosten und mangelnde Branchenkenntnis häufige Reibungspunkte.

Mit der StBVV-Reform ist es nun legal und legitim, dass Handwerker ein niedrigeres Honorar als bisher mit ihrem Steuerberater vereinbaren können. Bisher mussten Berater, die von der StBVV abwichen, aufpassen. Denn immer wieder mahnten Steuerberaterkammern „Discount-Steuerberater“ ab. Nun dürfen sie niedrigere Gebühren vereinbaren und abrechnen, wenn sie mit den Steuererklärungen, der Finanzbuchhaltung, der Gehaltsabrechnung und anderen Dienstleistungen für den Handwerker einen geringeren Aufwand hatten.

Tipps, um Beratergebühren zu senken
Als Handwerker haben Sie selbst den Hebel in der Hand, die Kosten für die Steuerberatung zu senken. Folgende Tipps helfen dabei:
  • Ordnen Sie rechtzeitig Ihre Belege und strukturieren Sie diese bestmöglich nach Ausgaben- und Einnahmenkategorien, die Sie gemeinsam mit der Steuerkanzlei festlegen sollten.
  • Liefern Sie Ihre Daten pünktlich und geordnet. Halten Sie sich an vereinbarte Termine.
  • Nutzen Sie die Chancen der Digitalisierung. Papiergebundene Buchführung ist zeitaufwendig. Der Trend geht hin zu eingescannten und elektronisch verarbeiteten Belegen.
  • Buchen Sie selbst. Programme wie „Unternehmen online“ der Datev ermöglichen eine digitale Buchhaltung, auf die Sie selbst und auch der Steuerberater zugreifen können. Es können zudem Belege digitalisiert und im Rechenzentrum gespeichert werden. Alternativ können Sie auch andere Programme wie Lexware einsetzen. Die meisten Steuerberater sind jedoch Datev-Anwender.
  • Am besten klären Sie in einem persönlichen Gespräch die Arbeitsaufteilung zwischen Ihrem Handwerksunternehmen und der Kanzlei. Falls Sie dem Steuerberater auf diese Weise viel Kleinarbeit erspart haben, haben Sie eine gute Verhandlungsposition das Honorar des Beraters zu drücken. Steuerberater leiden immer mehr unter Personalknappheit.
  • Weitere Tipps sowie konkrete Beispiele zu Steuerberatergebühren und zur Frage, wie Sie einen passenden Steuerberater finden können, finden Sie hier.
Leistungen zählen mehr als der Preis
Handwerker sollten jedoch bei den Steuerberaterleis­tungen nie allein auf den Preis schauen. Ein guter und unternehmerisch orientierter Steuerberater kann Ihnen langfristig viel Geld sparen und ist auch sein Honorar wert. So zeigt die Nachfolgestudie der Datev aus dem Jahr 2016, dass das Preisimage bei den 500 befragten kleinen und mittleren Unternehmen als gut wahrgenommen wird. Insbesondere, wenn nur tatsächlich beanspruchte Leistungen abgerechnet werden. Und dies sollten Sie mit Ihrem Steuerberater klar vereinbaren.

(ur)

Weitere Themen, die Sie interessieren könnten:
Urteil: Vertrag zu flexibel – kein Steuerabzug
Neuregelung: Was ist neu bei der Erbschaftsteuer?
Steuerprüfung: Fiskus darf rückwirkend schätzen





Foto: Coloures-pic - Fotolia.com

Steuern

Wie viel darf ein Steuerberater kosten?

Steuerberater sind für viele Unternehmer unverzichtbare Helfer und Ratgeber. Ins Grübeln kommt so mancher Mandant jedoch, wenn er die Rechnung des Experten in Händen hält.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Mehrkosten für jeden Betrieb

So teuer wird Steuerberatung wirklich!

Nur um fünf Prozent teurer soll Steuerberatung werden? Das sagt zumindest das Bundesfinanzministerium. Doch das ist nicht einmal ein Drittel der Wahrheit. Bei Einzelposten wie der Lohnbuchführung liegen die Aufschläge sogar bei 50 bis 100 Prozent.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Archiv

So finden Sie den passenden Steuerberater

Den richtigen Steuerberater zu finden ist nicht einfach. Wie Sie bei der Suche am besten vorgehen und worauf Sie achten sollten, lesen Sie hier.

Image
Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Passenden Berater finden

Sind Sie zufrieden mit Ihrem Steuerberater?

Arbeiten Sie eine Zeit lang mit Ihrem Steuerberater zusammen, sollten Sie kritisch hinterfragen, ob Sie mit ihm zufrieden sind oder ob Sie eventuell lieber den Berater wechseln sollten. Folgende Punkte sollten Sie dabei überdenken:

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.