Strategie

"Ich brauche Euer Mitleid nicht"

Ein Handwerksunternehmer steht auf: In einem Blog rechnet der Mann öffentlich mit zwei Auftraggebern ab, er gibt den Bauträgern die "Mitschuld" an seiner Insolvenz.

Er war ganz unten. Er war am Boden. Dabei hatte vorher „alles super“ ausgesehen. Schicke Aufträge, motivierte Angestellte, zufriedene Auftraggeber. Das Jahr 2012 markiert einen Bruch in der Biografie des Malermeisters Jens Steenweg. 2012 ist das Jahr der Außenstände. "Zwei Bauträger haben nicht gezahlt, das waren brutale Tiefschläge", sagt Steenweg. Im Frühsommer des Jahres informiert er seine Kunden in einem offenen Brief: „Wie Sie vielleicht schon durch das Internet oder durch Dritte erfahren haben, wurde das Insolvenzverfahren gegen mich als Inhaber des Malerbetriebes Steenweg eröffnet.“

Und heute? Jens Steenweg ist wieder auf den Beinen, der Laden läuft, die Arbeit ist ein Spaß. Die Insolvenz ist durchgestanden. In einem Blog auf seiner Firmenhomepage schreibt er offen über seine „Mitschuld“ an der Pleite. Er selbst hat Rechnungen nicht rechtzeitig geschrieben. Er selbst hat Fehler begangen, die er heute kaum erklären kann. Er selbst hat Baustellen nicht abnehmen lassen. Er selbst hat nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen. Aber vor allem: Er selbst hat ausgeblendet, dass es „auch schlechte Menschen gibt“.

Die "Mitschuld" der Bauträger

Und das hängt ihm nach. Die halbe Welt habe ihm geraten, nicht offen darüber zu reden, wer an seiner Insolvenz die „Mitschuld“ trage. Aber er kann nicht vergessen. Er will nicht vergessen.

Steenweg musste erkennen, wie geschmeidig sich die Chefs einiger Bauträger in den „Grauzonen der Gesetze bewegen“. Von diesen Erfahrungen berichtet er in seinem Blog:

Selbstzweifel! Krankheiten! Angst um die Kinder! Schlaflose Nächte! Zukunftsängste! Steenweg wünscht sich so sehr, dass seine ehemaligen Auftraggeber das durchleben, was er durchlebt hat. Was seine Familie durchlebt hat. Firmenkonto: auf null. Das Konto seiner Frau: auf null. Das Verständnis der Banken: auf null. Steenweg zitiert einen Banker: „Ein Guthaben geführtes Konto wie der Gesetzgeber es vorgibt? Als insolventer Unternehmer? Können Sie ja gerne einklagen!“

Seiner Frau schreibt Steenweg in seinem Blog in extradicken Buchstaben: „Ich habe Dir immer noch für so Vieles Danke zu sagen. Dass wir durch so viele Höhen und Tiefen des Lebens gemeinsam gehen. Ich liebe Dich!“

Erkenne die Menschen, die gut für Dich sind

Er habe Glück gehabt, sagt Steenweg, sein Insolvenzverwalter sei „menschlich“ geblieben: „Sie machen mir nichts vor, und ich mache Ihnen in Ihrem Handwerk nichts vor. Der Betrieb läuft sehr gut. Bleiben Sie so ehrlich wie Sie sind, Herr Steenweg.“

Was unterscheidet den Unternehmer Steenweg aus dem Jahre 2012 von dem Unternehmer Steenweg aus dem Jahre 2016? Er habe das Malerhandwerk ganz bestimmt nicht neu erfunden. Aber er habe sich und seine Einstellung zum Beruf verändert. Die Eckpunkte für seinen ganz eigenen Weg:

  • Verbinde Dich mit Menschen, die Spaß am Netzwerken haben.
  • Verbinde Dich mit Menschen, die gut für Dich sind.
  • Erkenne Deine Stärken, nutze Deine Stärken.

Jens Steenweg 2016: Der Mann hört auf seine innere Stimme, er hält sich fern von schlechten Menschen. Und er lebt seine Leidenschaft für kreative und ausgefallene Oberflächen und ökologische Werkstoffe: „Darauf habe ich Bock, das mag ich.“ Jens Steenweg lässt die Welt wissen: „Ich brauche Euer Mitleid nicht, jetzt nicht mehr!“

Ein Experte gewährt Einblick: „Interview über lähmende Angst, Schuldendruck – und über Selbstmorde im Handwerk.

(sfk)

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