Fuhrpark

Im Fahrtest: Nissan NV300 punktet mit durchdachten Details

Gute Ausstattung, akzeptabler Verbrauch, Top-Verarbeitung, hoher Fahrkomfort. Michael Kellner kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. Der Handwerker hat den neuen Nissan NV300 getestet. Und war durchweg überzeugt.

Auf einen Blick

  • Der Lückenschluss: Mit dem NV300 schließt Nutzfahrzeugspezialist Nissan die Lücke in seinem Angebot, die der Primastar in der wichtigen Drei-Tonnen-Klasse hinterlassen hat.
  • Der Praktiker: Michael Kellner ist Bauunternehmer aus Hannover. Für uns hat der überzeugte VW-Fahrer dem Nissan-Transporter auf den Zahn gefühlt.
  • Der Testwagen: 4000 Liter Ladevolumen, Platz für bis zu sechs Insassen in der Doppelkabine, zahlreiche Ablagen und praktische Details – schon auf den ersten Blick ist Tester Kellner angetan.
  • Das Fazit: „Beim nächsten Fahrzeugkauf für unseren Fuhrpark, werde ich den Nissan ernsthaft in Betracht ziehen.”

Von Torsten Hamacher

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„Eigentlich ist VW unsere Hausmarke. Doch der Nissan hat uns wirklich überzeugt”, sagt Michael Kellner. Der Handwerker lehnt am Nissan NV300. Sechs seiner insgesamt 15 Mitarbeiter stehen mit ihm um das Fahrzeug herum. Es ist Freitagnachmittag. Auf dem Hof ist der Grill an. Das hat Tradition im Bauunternehmen Kellner. Zustimmung für den Transporter kommt an diesem Nachmittag von allen Seiten.

Was Kellner vor allem begeistert, ist die gute Lärmisolierung des Innenraums gegenüber dem Motor: „Der ist leiser als mein VW.” Der Unternehmer fährt einen VW Bus der aktuellen Baureihe T5. Außerdem herrscht bei Kellner und seinen Mitarbeitern Einigkeit über die Verarbeitungsqualität. „Die ist wirklich sehr gut”, lobt Kellner.

Lücke geschlossen

Mit dem NV300 genannten Transporter hat Nissan eine wichtige Lücke in seiner Angebotspalette geschlossen. Denn nach dem Aus des Primastar genannten Vorgängers klaffte gerade in der Drei-Tonnen-Klasse lange ein Loch in der Nutzfahrzeug-Flotte der Japaner. Das füllt nun der NV300. Lieferbar ist er als Kasten oder als Kasten mit Doppelkabine. Außerdem: als Fahrwerk sowie als Kombi genannter Bus mit Platz für bis zu neun Insassen.

Michael Kellner und Kollegen waren ein paar Tage mit der Doppelkabine unterwegs. Die ist mit dem längeren Radstand von 3,48 Metern ausgestattet. Damit ist das Fahrzeug knapp 5,40 Meter lang, 1,96 Meter breit und 1,97 Meter hoch. Neben sechs Insassen können noch 4000 Liter Ladevolumen transportiert werden.

„Was mir auch positiv aufgefallen ist, ist die gute Beschleunigung. Gerade im Stadtverkehr war ich verblüfft, wie schnell ich schneller unterwegs war, als ich eigentlich wollte”, sagt Kellner. Für Vortrieb im Testwagen sorgt ein 145 PS starker dCi 145 genannter Diesel mit 1,6 Litern Hubraum. Zwei Turbolader muntern das Aggregat auf, so dass schon bei 1500 Umdrehungen pro Minute das maximale Drehmoment von 340 Nm erreicht wird. Verteilt wird die Kraft über ein manuelles Sechs-Gang-Getriebe. „Die Schaltung ist dabei etwas hakelig”, hat Michael Kellner festgestellt. Grund für ernsthafte Kritik? „Nein. Da gewöhnt man sich sicher schnell dran”, sagt der Unternehmer.

Der Verbrauch hält sich mit etwas unter 7,4 Litern im Rahmen (6,3 Liter Werksangabe). Auf längeren Strecken über Land oder auf der Autobahn rutscht die Angabe im Bordcomputer bei moderat eingesetztem Gasfuß sogar unter die Werksangabe für den Durchschnittsverbrauch.

Laderaum in reinweiß

Ein kleines Schmunzeln umspielt den Mund von Michael Kellner, als er über den Laderaum spricht. Zu erreichen ist der über eine zweigeteilte Flügeltür. Standardmäßig schwingt die um 90 Grad auf. Entriegelt man die Scharniere über einen großzügig dimensionierten Griff in der jeweiligen Türmitte, schwenken die Flügel um bis zu 180 Grad auf. „Wirklich beladen haben wir den aber nicht”, sagt Kellner, „der Ladeboden ist weiß lackiert." Da sind Riefen vorprogrammiert. Ein robuster Ladeboden kann hier Abhilfe schaffen. Aber da haben die Zubehörhersteller ohnehin die passenden Lösungen im Angebot.

Was Nissan bereits fest verbaut hat, sind mehrere Zurrösen. Außerdem schottet eine massive Trennwand mit einem Fenster den Laderaum von der Fahrgastzelle ab. Da eine Durchladeklappe nicht vorhanden ist, darf Ladung maximal 1,81 Meter lang sein. Latten, Leitern oder Rohre können mit einer Länge von bis zu 2,42 Metern bis unter die zweite Sitzreihe geschoben werden.

Praktische Details

Sofort ins Auge gesprungen sind Michael Kellner die praktischen Details, die die Japaner ihrem jüngsten Transporter-Sproß mit auf den Weg gegeben haben. „Unter der Rückbank ist zum Beispiel ein zusätzlicher 12-Volt-Anschluss verbaut”, sagt Kellner und deutet auf einen entsprechenden Hinweis am Sitzpolster auf der Beifahrerseite, der sichtbar wird, wenn man die Schiebetür öffnet.

Auch das Cockpit gefällt: Übersichtlich angeordnete Instrumente, genug Ablagemöglichkeiten für die alltäglichen Dinge des Lebens, eine Halterung fürs Smartphone gut sichtbar unmittelbar rechts, oberhalb vom Lenkrad, Bedienelemente für den Tempomat beziehungsweise den Geschwindigkeitsbegrenzer auf dem Lenkrad und ein Radio, das sich via Bluetooth mit dem Handy verbindet und so zur Kommunikationszentrale entwickelt.

Besonders spannend: Mit der von Renault entwickelten App „R&Go” wird das Mobiltelefon zum bordeigenen Navigationssystem und verfügt über zahlreiche Zusatzfunktionen, so dass Smartphone und Bordcomputer praktisch zusammenwachsen. Aber Vorsicht: Die Nutzung der App wird nach einem Testzeitraum kostenpflichtig, bietet aber dafür auch stets aktuelles Kartenmaterial und mehr. Hand aufs Herz: Google Maps oder das Apple-eigene Kartensystem tun es für die Navigation genauso gut.

Was Kellner außerdem positiv aufgefallen ist: „Der Transporter ist nicht nur durch die Seitenscheiben an der zweiten Sitzreihe sehr übersichtlich.” Ein Übriges leisten die geteilt aufgebauten Seitenspiegel – gerade im Stadtverkehr und beim Rangieren ein echter Vorteil.

Fazit

„Es gibt nichts am NV300, was mir nicht gefällt. Da muss VW sich warm anziehen”, sagt der Unternehmer. Entsprechend wundert es auch nicht, dass es ihm am Ende des Testzeitraums fast ein wenig schwerfällt, die Schlüssel zurückzugeben. „Beim nächsten Fahrzeugkauf für unseren Fuhrpark, werde ich den Nissan ernsthaft in Betracht ziehen”, lautet das Fazit des Testfahrers.

Technische Daten

Name: Nissan NV300 Kastenwagen mit Doppelkabine

Motor: dCi 145 6MT (107 kW/145 PS)

Zuladung: 965 kg

Anhängelast: 2 t

Verbrauch: 6,3 l/100km (Werksangabe)

Preis: ab 29.520 Euro (zzgl. MwSt.)

Preis Testwagen: 32.920 Euro (zzgl. MwSt.)