Im Sauerland kämpfen Kollegen gegen die Bürokratie.
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Politik und Gesellschaft

Der Pakt gegen den Papierkram

Sicherheitsauflagen, DSGVO, Führerschein für Arbeitsbühnen, GoBD – was denn noch alles? Ein Kollege hat die Nase voll. Er kämpft gegen die nervige Bürokratie.

Auf einen Blick:

  • Frank Lefarth verbringt zu viel Zeit mit Papierkram und bürokratischen Auflagen.
  • Der Elektromeister nennt zahlreiche Nerv-Beispiele.
  • Seine Forderung: Wer eine Verordnung verabschiedet, muss die Betriebe fragen, ob die Umsetzung praktikabel ist.

Frank Lefarth ist Elektromeister in Medebach (Sauerland). Mit 4 Facharbeitern und 2 Auszubildenden bedient er Privatkunden, die Industrie und die öffentliche Hand.

Herr Lefarth, Sie haben sich gefragt, was ein Datenschutzbeauftragter kosten würde und entsprechende Angebote eingeholt.
Lefarth:
Ja. Und die Kosten wären heftig.

Aber Sie haben weniger als 10 Mitarbeiter, vielleicht benötigen Sie gar keinen Datenschutzbeauftragten.

Lefarth: Mag sein. Auf einer Informationsveranstaltung der Stadt Medebach wurde uns allerdings vermittelt, dass wir einen bräuchten.

Und wie hoch wären die Kosten?

Lefarth: Einmalig 2.500 Euro, jährlich 1.800 Euro. Wissen Sie, es gibt Informationen, von Verbänden, von Medien, von der Stadt. Trotzdem muss ich mich hinsetzen und alles selbst zusammensuchen. Das ist extrem mühselig.

Die Bürokratie nervt ohne Ende

Die DSGVO dürfte nur eines der Themen sein, die Sie nerven, oder?

Lefarth: Allerdings. Ich befasse mich gerade mit einer öffentlichen Ausschreibung, da geht es um eine spezielle Position: Lieferung von Laptops an Schulen. Dafür soll ich 14 Seiten Formulare ausfüllen.

14 Seiten? Warum?

Lefarth: Weil jeder Kleinkram aufgeführt werden muss. Und weil ich immer wieder neu erklären soll, dass ich meine Steuern pünktlich bezahle.

Sie müssen die kompletten Daten jedes Mal neu vorlegen?

Lefarth: Ja, jedes Mal, das ist doch nicht normal. Die Betriebsinhaber, die ich kenne, wollen Erleichterungen – und keine neuen Hürden. Nehmen wir das Beispiel Arbeitsbühnen, dafür ist mittlerweile ein Führerschein notwendig. Wenn die Arbeitsbühne umgesetzt wird, muss sie vom Mitarbeiter neu abgenommen werden, und das ist keine Kleinigkeit. Oder die Sicherheitsauflagen. Bei jeder neuen Baustelle müssen wir die Mitarbeiter über mögliche Gefährdungen unterweisen. Das sind alles Verordnungen, für die es im Einzelnen einen Grund gibt, die uns aber insgesamt die Arbeit erschweren – und letztlich wird das alles für Kunden nur teurer.

Um 5 Uhr aufstehen – und schon geht der Ärger los

Wie wirkt sich das konkret auf ihren Arbeitstag aus?

Lefarth: Ich stehe um 5 Uhr auf und stelle den Plan für die Mitarbeiter auf. Wer fährt wohin? Dann suche ich auch schon wieder heraus, ob wir alles dokumentiert haben, welche Pflichten wir noch erfüllen müssen. Dann kommt meinetwegen eine interessante Ausschreibung herein, schon muss ich Details recherchieren, die eigentlich niemanden interessieren – wie bei dem Beispiel mit dem Laptop. Ich will auch irgendwann mal arbeiten, ich will nicht nur den Schriftkram erledigen.

In ihrer Region im Hochsauerland haben Sie sich mit Kollegen zusammengeschlossen, die so denken wie Sie. Wie wollen Sie Veränderungen bewirken?

Lefarth: Ich habe beispielsweise unsere Bundestagsabgeordneten angeschrieben, weil ich den Eindruck hatte, dass deren Kontakt zur Basis abgerissen ist. Wer weiß wirklich, wie es in einem Betrieb läuft? Und die Politiker haben zurückgerufen, ich war überrascht, die Leute nehmen sich tatsächlich Zeit. Mal abwarten, ob das was bringt.

Was müsste sich aus Ihrer Sicht konkret ändern?

Lefarth: Die Verbände und die Politik müssen sich besser mit uns vernetzen und auf uns eingehen. Ich will gar nicht sagen, dass sich da keiner engagiert. Aber bevor jemand ein Gesetz verabschiedet, das ein Betriebsinhaber umsetzen soll, muss er auch die Betriebsinhaber selbst fragen, ob die Umsetzung praktikabel ist.

Nicht einmal die Steuerberater sind im Thema

Klingt naheliegend und einfach.

Lefarth: Es soll einfach sein. Ich kann keinen Betrieb, der fünf Mitarbeiter hat, mit Facebook vergleichen. Damit Sie mich nicht falsch verstehen, Verordnungen sollen eingehalten werden. Aber die Umsetzung darf nicht derart schwierig sein. Dass wir für das Finanzamt die GoBD [Grundsätze der digitalen Buchführung] umsetzen sollen, ist schön und gut, aber ich suche mir einen Wolf, wie das gehen soll. Dann werde ich auf eine Software verwiesen, die man sich kaufen kann. Die kostet 30 Euro im Monat. Toll. Und selbst die Steuerberater sind noch neu im Thema und wissen nicht, wie das umzusetzen ist. Die Arbeit im Büro ist insgesamt ziemlich spaßbefreit.

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