Fuhrpark

Ist der MAN TGE der bessere VW Crafter?

Der MAN TGE erweitert die Modellpalette der Münchner erstmals in der Firmengeschichte um ein leichtes Nutzfahrzeug unterhalb der 7,5 Tonnen. Die Chancen für den Transporter scheinen hervorragend. Wir waren mit dem neuen TGE schon unterwegs.

Auf einen Blick:

  • Neu: Mit dem TGE steigt Nutzfahrzeugspezialist MAN in den Markt für leichte Transporter ein
  • Vielfältig: Den TGE gibt es mit verschiedenen Höhen- und Längenmaßen. Der Laderaum fasst bis zu 18,3 Kubikmeter Fracht.
  • Der Antrieb: Die Vier-Zylinder-Motoren haben durchgängig zwei Liter Hubraum und leisten 102, 122, 140 oder 177 PS. Die Kraft der Triebwerke werden über eine serienmäßige 6-Gang-Schaltung oder eine 8-Gang-Automatik weitergegeben. Angetrieben werden die vordere, die hintere oder in der Allradversion gleich beide Achsen.
  • Helfer: Dank unterschiedlicher Assistenzsysteme kommt man dem autonomen Fahren immer näher.

Von Lutz Odewald

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Der König ist tot, es lebe der König. Nach dem Ende der schwesterlichen Produktion von Sprinter und Crafter setzt Volkswagen auf Eigenständigkeit. Im polnischen Wrzesnia errichtete der norddeutsche Autobauer in Rekordzeit ein Riesenwerk eigens für den neuen Crafter. Währenddessen zeichneten und konstruierten die Ingenieure in Wolfsburg und Hannover emsig an ihrem neuen Vorzeige-Van. Und beschlossen, ihn komplett baugleich auch als MAN vom Band laufen zu lassen. Wir nutzten die Chance einer ersten Probefahrt.

Verzwickte Vielfalt

Die gesamte Crafter-Palette steht auch MAN zur Verfügung. Zwei Radstände, drei Dachhöhen und drei Fahrzeuglängen stehen zur Auswahl. Der Kas­tenwagen kann also zwischen 5,98 und 6,83 bis zu 7,29 Meter lang werden und von 2,34 über 2,57 bis zu 2,8 Meter hoch. Das macht in der maximalen Ausbaustufe ein Laderaumvolumen von 18,3 Kubikmetern. Für das große Gepäck sollte das auch reichen. Das Gesamtgewicht reicht von 3,0 bis zu 5,5 Tonnen. Die kantig gezeichnete Karosse weiß sich dabei angenehm in Szene zu setzen, nicht zuletzt durch die markante MAN-Front.

Allen Varianten gemein ist die motorische Ausstattung mit einem zwei Liter großen Vierzylinder-Diesel, der 102, 122, 140 oder 177 PS stark ist. Schon die 102 PS starke Variante weiß mit ordentlich Vortrieb und Durchzugstärke auch im beladenen Zustand zu überzeugen. Während die mittleren Leis­tungsstufen sicher den Großteil der Auslieferungen einkassieren werden, macht die Topmotorisierung aus dem Van einen rasenden Zustelldienst.

Angetrieben werden die vordere Achse, die hintere Achse oder in der Allradversion gleich beide Achsen. Und dirigiert wird serienmäßig über eine 6-Gang-Schaltung oder eine 8-Gang-Automatik.

Aktive Assistenzsysteme

Autonomes Fahren

Der Schritt zum autonomen Fahren ist näher, als man denken mag. Das wird deutlich, wenn man einen TGE fährt, der den Spurhalteassistenten mit Abstandswarner, Notbremsassistent und Tempomat kombiniert. Hände vom Steuer? Erst nach rund 20 Sekunden fordert die Elektronik ein erneutes manuelles Eingreifen, bis dahin zieht der große Kasten stoisch seine Bahn, auch in Kurven, mit wechselndem Tempo oder in dichtem Verkehr.

Die Assistenzsysteme sind auch in den Leichtlastwagen angekommen. Rückfahrassistent, Müdigkeitswarner, Parklenk- und Flankenschutzassistenz sowie ein Anhängerrangierassistent wollen den Umgang mit der großen Kiste auch für ungeübte oder häufig wechselnde Fahrer einfacher und beulenfrei machen.

Der Umgang mit dem TGE, sein Raumangebot, die technischen Features und nicht zuletzt die Qualität der Verarbeitung lassen die Grenzen zwischen Pkw und Nkw verschwindend gering werden, trotz seiner Größe. Und so fällt es nicht schwer, Crafter und TGE einen ordentlichen Verkaufserfolg vorherzusagen. Doch welcher ist der bessere Deal?

Crafter vs TGE

Noch ist der Vertrieb bei MAN sich sicher, auf eine im Van-Bereich übliche Preisliste verzichten zu können. Schließlich würden voraussichtlich 40 Prozent aller TGE auf Bestellung modifiziert mit allen möglichen Aufbauten, etliche davon im Ein-Rechnungs-Geschäft. Doch bei einer geplanten Stückzahl von mehr als 20 000 Einheiten, die pro Jahr ausgeliefert werden sollen, wird man diese Strategie sicher noch einmal überdenken. Schwer ist die Hürde ja nicht zu nehmen, denn der TGE wird auch preislich mit dem Crafter gleichziehen. Und der hat genau diese Preisliste. Wenn alle kaufwilligen Speditionen ihren Bedarf gedeckt haben, gilt es, neue Kundengruppen jenseits der schweren Nutzfahrzeuge anzusprechen.

Womit wir beim Thema Zielgruppe sind. Auf die Frage, ob man mit dem leichten MAN nicht in der VW-Kundschaft wildere, antworteten die Vertriebs-Verantwortlichen mit einer ganz eigenen These: MAN wäre für Logistiker und Bau die erste Adresse, Handwerker und Behörden würden den Crafter vorziehen.

Service wie bei den "großen Brummern"

Doch beim Blick auf das Service-Angebot von MAN geraten solche Theorien schnell in Schieflage. Natürlich würde der TGE den gleichen Service wie die großen Nutzfahrzeuge von MAN bekommen, versichern die Verantwortlichen von MAN bei seiner offiziellen Markteinführung. Also 365 Tage und meist von 7 bis 22 Uhr. Und zwar ohne Terminabsprache. Nichts Besonderes bei der schweren Kavallerie. Ungewöhnlich, betrachtet man die eher Pkw-orientierten VW-Werkstätten. Doch ob ein Handwerker eher dazu bereit ist, sich im Falle eines technischen Problems auf Wartezeiten in der VW-Werkstatt einzulassen, wenn das bau- und preisgleiche Modell von MAN, ohne Werkstatt­termin, wesentlich schneller wieder vom Hof rollen kann, wird die Praxis zeigen. Zumindest dürfte dem MAN-Vertriebler das Verkaufsgespräch mit solchen Service-Angeboten leichter fallen.

Daten

  • Name: MAN TGE
  • zul. Gesamtgewicht: max 5,5 t
  • Motor: 2-Liter-4-Zylinder-Diesel,
  • 102, 122, 140 und 177 PS, Euro 6
  • Antrieb: Vorderrad, Hinterrad, Allrad
  • Getriebe: 6-Gang-Schalter,
  • 8-Gang-Automatik
  • Laderaumvolumen: max 18,3 Kubikmeter
  • Preis: ab 28 730 Euro (netto)