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Happy Divorce!

Ja, ich will ... meine Scheidung feiern!

Scheidungspartys sind der neue Trend, eine Ehe auf eine positivere Art und Weise als üblich enden zu lassen. Anstatt in Trauer zu versinken, können die Geschiedenen ihren Frust bei Fotoshootings oder einem Umstyling herauslassen.

 - Nicht unbedingt. Der Trend zu Scheidungspartys schwappt aus den USA immer stärker auch nach Deutschland.
Nicht unbedingt. Der Trend zu Scheidungspartys schwappt aus den USA immer stärker auch nach Deutschland.
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Verliebt, verlobt, verheiratet – geschieden. Immer mehr Ehen gehen in die Brüche, aber nicht immer muss das Ende einen bitteren Beigeschmack haben. Neben Hochzeitsplanern gibt es inzwischen auch Scheidungspartyplaner. Möchte man das Ende seiner Ehe mit einem großen Knall feiern, sind sie die richtigen Ansprechpartner. Eine wichtige Rolle in ihrem Team spielen auch Handwerker. Sie haben ihre Hände im Spiel, wenn es darum geht, Scheidungstorten zu kreieren, die passende Kosmetik für die Party zu finden oder das Zerstören des Brautkleides beim Fotoshooting in Szene zu setzen.

Dass eine Ehe nicht immer bitter, sondern auch mal süß endet, zeigt die Konditorei Holger Rönnfeld aus Hamburg. Dort werden neben Hochzeitstorten inzwischen auch Scheidungstorten produziert. „Wir gestalten die Torten nach den Ideen unserer Kunden“, lautet das Motto von Holger Rönnfeld. Und das können ihm zufolge auch Torten für ganz besondere Anlässe sein. Zwei Kunden haben bei ihm bereits eine Torte für eine Scheidungsparty in Auftrag geben. Als Tortenmotiv hat er für einen der Kunden ein zerbrochenes Herz genommen, um widerzuspiegeln „Die Frau kriegt alles, der Mann kriegt nichts, außer seiner Freiheit.“

Nicht nur geschiedene Frauen zieht es zur Scheidungskosmetikerin. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

 

„Eine komplette Typveränderung ist oft erwünscht“
 - Nicht nur bei Frauen ist nach der Scheidung eine komplette Typ-Veränderung gefragt.
Nicht nur bei Frauen ist nach der Scheidung eine komplette Typ-Veränderung gefragt.
Michael Zeisset

Für das perfekte Make-up sorgt Steffi Oesterwind, die in Hamburg ihr eigenes Spa (Wellness Center) betreibt. Im „Sakura Spa“ wird ein Programm, bestehend aus Kosmetikbehandlungen für Gesicht und Körper, Haarschnitt für Frau und Mann oder Maniküre und Pediküre angeboten. Einen romantischen Look zaubert sie gewöhnlich für Bräute, doch inzwischen hat sie monatlich zwei bis drei Kundinnen, die sich nach einer Scheidung eine komplette Typveränderung wünschen.

Steffi Oesterwind erzählt, wie diese Verwandlungen aussehen: Einerseits gehört dazu ein komplett anderer Make-up Stil. Mochten die Frauen es vor der Trennung eher schlicht, so entscheiden sich viele danach für einen auffälligeren Lidstrich und Smoky Eyes, wodurch die Augen stärker betont werden sollen. Viele der Kundinnen probieren auch eine neue Frisur aus. So verwandelt sich dann auch mal eine langhaarige Blondine in eine kurzhaarige Brünette. Ein sauberer Schnitt, nicht nur am Ende der Ehe.

Zu Steffi Oesterwinds Kunden zählen jedoch nicht nur Frauen. Auch Männer, die eine Trennung hinter sich haben, lassen sich von der Visagistin umstylen. Ihnen verpasst sie beispielsweise ein Brustwaxing. Während Männer alleine ins Spa gehen, bringen Frauen oftmals ihre Freundinnen mit. Dort lassen sie sich gemeinsam auf- oder umstylen und gehen anschließend zusammen auf die Scheidungsparty. „Es ist sozusagen wie bei einem Junggesellinnenabschied, nur andersherum“, erklärt die Kosmetikerin.

Wenn das Brautkleid der Schere zum Opfer fällt! Wie eine Fotografin die Scheidung in Szene setzt, lesen Sie auf der letzten Seite.

„Scheidungsfotoshootings sind ganz besonders kreativ“

 Als „Scheidungsfotografin“ bezeichnet sich die Münchnerin Carmen Palma. Sie fotografiert auf Scheidungspartys, macht jedoch auch Fotoshootings, wo Frauen ihre Brautkleider besonders in Szene setzen. Da jedes Fotoshooting individuell auf die Frauen zugeschnitten wird, ist auch jedes Fotoshooting einzigartig. Manche Frauen zerreißen oder zerschneiden ihre Kleider. Andere, die es heißer und gefährlicher mögen, setzen diese sogar in Brand. Warum sie die Scheidungsfotografie als ein weiteres Standbein aufgebaut hat, erläutert die Fotografin: „Es sind unsere Geschichten aus dem Leben, die wir auf das Papier bringen wollen, damit wir später etwas haben, worauf wir zurückblicken können. Warum dann auch nicht solche Geschichten?“ Jedes Fotoshooting berge daher eine Geschichte in sich, die auf den Fotos erzählt werden soll.

Eine ihrer Kundinnen hatte einen Automechaniker geheiratet. Da der Mann während der Ehe mehr mit dem Beruf verheiratet war als mit seiner Ehefrau, kam sie zu dem Entschluss, das Fotoshooting in einer Autowerkstatt stattfinden zu lassen: So wischte die Frau mit ihrem Kleid nicht nur alte Erinnerungen weg, sondern auch ein Auto sauber. Auch die Aussage „Mein Mann hat sich während der Ehe, die einer Baustelle glich, sehr kindisch verhalten“, wurde schon detailgetreu in einem Fotoshooting von Carmen Palma umgesetzt. Sie fotografierte die Frau in ihrem Brautkleid auf einer Baustelle. Um sie herum verteilte sie Kinderspielzeug.

 „Bei der Scheidungsfotografie geht es nicht nur um die Scheidung im herkömmlichen Sinne, sondern eher um das Scheiden vom Brautkleid“, erklärt die 41-Jährige. Daher fotografiert sie nicht nur Frauen, die ihren Mann durch Trennung oder Tod verloren haben, sondern auch diejenigen, deren Brautkleid im Schrank hängt und mit der Zeit verstaubt. Auch dem Brautkleid von Carmen Palma erging es nach ihrer Scheidung so. Auf die Idee mit der Scheidungsfotografie kam sie, nachdem sie die Trends aus den USA verfolgt hatte. Ihr zufolge gibt es dort seit etwa 30 Jahren Scheidungspartys und ähnliche Fotoshootings. In Deutschland sei sie erst die zweite Fotografin, die sich dem Thema Scheidungsfotografie ausführlich widme.

Ein Großteil ihrer Kundinnen sei jünger als 30. „Diese Frauen kaufen sich die Brautkleider meist günstig, da ein Brautkleid für sie einen anderen Status hat als für eine ältere Frau“, erzählt sie. Demnach komme es für sie auch eher in Frage, das Kleid zu zerstören.

Der Scheidung einen besseren Beigeschmack geben, dabei haben Handwerker in Deutschland inzwischen ihre Rolle gefunden.

(akb)

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