Mit dem Job-Futuromaten des IAB finden Sie eine Antwort auf diese Frage.
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Job-Futuromat

Könnten Roboter schon jetzt Ihren Job machen?

Roboter sind technisch in der Lage, so manche Arbeiten zu übernehmen. Ein Grund, Angst zu haben? Wir haben einen Tischler und eine Wissenschaftlerin gefragt.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat den Job-Futuromaten entwickelt. Berufstätige können mit dem Tool herausfinden, ob und in welchem Umfang ein Roboter ihren Job bereits heute übernehmen könnte.
  • Tischlermeister Ralf Göhler hat für handwerk.com den Test gemacht. Ergebnis: 58 Prozent. Hier sagt er, was er von dem Resultat hält und warum er keine Angst um die Zukunft im Tischlerhandwerk hat.
  • Wissenschaftlerin Britta Matthes vom IAB ordnet die Ergebnisse des Job-Futuromaten ein und sagt, vor welchen Herausforderungen sie das Handwerk sieht.

Könnte ein Roboter Ihren Job erledigen? Eine Antwort auf diese Frage liefert der Job-Futuromat, den das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) entwickelt hat. Dazu geben Sie einfach unter job-futuromat.iab.de Ihren Beruf in die Suchmaske des Online-Tools ein. Tischlermeister Ralf Göhler, der im niedersächsischen Belm die Tischlerei Kubusline führt, hat das Tool für uns ausprobiert. Was den Einsatz neuer Technik angeht, ist der Unternehmer zwar aufgeschlossen, doch die Ergebnisse des Job-Futuromaten sieht er kritisch.

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So schneidet der Beruf des Tischlers ab

Dem Online-Tool zufolge besteht der Beruf des Tischlers im Wesentlichen aus zwölf Tätigkeiten, sieben davon könnten schon heute Roboter übernehmen – das entspricht einem Anteil von 58 Prozent. So könnten Roboter laut Job-Futuromat den Möbelbau übernehmen, aber auch die Maschinenbedienung und die Holzoberflächenverarbeitung.

Dazu sagt Tischlermeister Göhler: „Ein hoher Automatisierungsgrad mit Robotern ist schwierig, wenn es darum geht, individuelle Kundenwünsche umzusetzen.“ Der Unternehmer hat sich auf die Fertigung exklusiver Möbel spezialisiert, einen großen Teil seiner Arbeit macht daher die Beratung aus. Einen hohen Automatisierungsgrad hält er aber nicht nur deshalb für unrealistisch: „Das ist in der notwendigen Fertigungstiefe bei Stückzahl 1 nicht rentabel einsetzbar.“

Sind die Ergebnisse des Job-Futuromaten also unbrauchbar oder müssen sie anders eingeordnet werden? „Das Tool sagt allein etwas über die technische Machbarkeit aus“, erläutert die Soziologin Britta Matthes, die den Job-Futuromaten mit ihrem Team beim IAB entwickelt hat.

Keine Angst vor der Zukunft

Um das Tischlerhandwerk macht sich die Wissenschaftlerin keine Sorgen. „Es werden auch künftig Tischler benötigt, die etwas von den Grundfertigkeiten wie Sägen, Schleifen und Bohren verstehen.“ Allerdings geht die Soziologin davon aus, dass Automatisierung in diesem Gewerk insbesondere bei schmutzigen und körperlich anstrengenden Arbeiten für Entlastung sorgen kann und dass Tischler deshalb andere Kompetenzen brauchen als bislang. Konkret heißt das: „Tischler müssen Roboter bedienen – also mit Informationen versorgen – können“, sagt Matthes.

Ralf Göhler beschreibt sich und seinen Betrieb durchaus als innovativ. Neuen Techniken will er sich nicht verschließen, allerdings ist ihm eines wichtig: „Wie und in welchem Maße wir neue Techniken nutzen, liegt in unserem Ermessen.“ Angst um die Zukunft seines Handwerks macht er sich angesichts komplexer Anforderungen an die Mitarbeiter und den zukünftig technischen Möglichkeiten nicht: „Die Zeiten sind im Handwerk anspruchsvoller und besser denn je“, meint Göhler.

Veränderung der Ausbildung im Handwerk?

Eine Herausforderung sieht Wissenschaftlerin Britta Matthes angesichts der Anforderungen, die der digitale Wandel mitbringt, allerdings auch auf das Tischlerhandwerk zukommen. „Es wird sicher zu klären sein, welche neuen Ausbildungsinhalte es geben wird und welche alten nicht mehr benötigt werden.“ Sie kann sich vorstellen, dass es auf eine modularisierte Ausbildung hinauslaufen wird, bei der Auszubildende zunächst Grundfertigkeiten ihres Gewerks erlernen und sich später spezialisieren – beispielsweise auf Automatisierung oder kreative Gestaltung.

Doch das ist nicht der einzige Punkt, in dem sich die Arbeitswelt verändern dürfte. „Es wird künftig nicht mehr reichen, dass die Leute drei Jahre eine Lehre absolvieren und dann ausgelernt sind“, betont die Wissenschaftlerin. Das lebenslange Lernen werde immer wichtiger. „Ich glaube aber nicht, dass wir künftig nur noch Automaten haben, die die Arbeit machen.“

Haben Sie den Job-Futuromat schon ausprobiert? Was halten Sie von den Ergebnissen? Schreiben Sie uns unter redaktion@handwerk.com.

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