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Leserstimmen zum „Junior Professional“

„Komplette Diskriminierung des Meistertitels“

Ein Bundesratsausschuss will für Meister den alternativen Titel „Junior Professional“ einführen. handwerk.com-Leser sind empört.

Auf einen Blick:

  • In der Diskussion um die Reform des Berufsbildungsgesetzes hat ein Ausschuss des Bundesrates mit einem neuen Vorstoß für Aufsehen gesorgt.
  • Als Ergänzung zum Meistertitel plädiert das Ländergremium für die Einführung der Bezeichnung „Junior Professional“.
  • Dieser Vorschlag bewegt viele Leser von handwerk.com. In Leserbriefen üben sie vor allem Kritik. Ein Überblick.

In die Diskussion um die mögliche Einführung des „Bachelor Professional“ hat sich auch der Kulturausschuss des Bundesrates eingeschaltet. Das Ländergremium lehnt diese Bezeichnung als Ergänzung zum Meister ab. Mit dem „Junior Professional“ haben die Politiker einen neuen Vorschlag ins Spiel gebracht. Das kritisiert nicht nur der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Auch viele handwerk.com-Leser sind empört.

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Vorbehalte von Eltern: Neuer Titel hilft dem Handwerk nicht

Elektromeister Christoph Blum gehört zu den Handwerkern, die den Vorschlag des Ländergremiums kritisch sehen. Er empfindet den Begriff „Junior Professional“ als „Abqualifizierung“. Und genau das sieht er vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels und der Einstellung vieler Eltern problematisch. „Grundsätzlich halten alle Eltern heute ihren Nachwuchs für so ambitioniert, dass nur der höchste Schulabschluss in Frage kommt“, meint Blum. Die neue Bezeichnung wäre nur „eine weitere Bestätigung, diesen Ausbildungsweg auf keinen Fall zu empfehlen“, fürchtet der Meister.

Diskriminierung und Herabwertung des Meistertitels

Auch Galvaniseur- und Metallschleifermeister Michael Pohl ist wenig begeistert. Der Begriff „Meister“ sei bislang aussagekräftig genug gewesen. Der Geschäftsführer eines Berliner Betriebes versteht nicht, warum im Zuge der Europäisierung „jetzt alle Bachelor oder sonst wie heißen“ müssten. Die Bezeichnung „Junior Professional“ sieht er als „komplette Diskriminierung des Meistertitels“. Sollte sich der Bundesratsausschuss mit seinem Vorschlag durchsetzen, ist für Pohl schon klar, was er tun wird: „Heute – nach 24 Jahren als Meister – würde ich es mir verbitten, ‚Junior‘ genannt zu werden“, schreibt der Unternehmer.

Nein zum Junior, aber ja zu Bachelor und Meister

Ähnlich sieht es Raumausstattermeister Markus Görgen. „Ich würde mir mit 51 Jahren komisch vorkommen, wenn ich mich Junior Professional nennen sollte“, schreibt der Unternehmer aus dem hessischen Osterspai.

Von der Idee, den Bachelor als ergänzende Bezeichnung einzuführen, sei er angetan gewesen. Die jungen Leute, die den Aufwand und die Kosten für eine Meisterausbildung auf sich nehmen, sollten mit dem gleichen Titel abschließen wie Studierende, so Görgen. Dadurch seien sie in ihrem Freundeskreis nicht nur „Handwerker“ sondern könnten mit dem gleichen Abschluss aufwarten wie Theoretiker.

Den nun vorgeschlagenen Titel „Junior Professional“ lehnt der Raumausstattermeister ab: „Bleibt lieber beim Meister“, schreibt er. Denn da wisse man wenigstens, „dass man es mit einem Handwerker zu tun hat“.

Halber Meister?

„Soll jetzt der Meister zum halben Meister gemacht werden“, fragt sich Uwe Petersen. Schon der Bezeichnung „Bachelor Professional“ habe der Unternehmer aus dem niedersächsischen Oyten wenig abgewinnen können. „Dieser Titel wäre eines Gesellen würdig“, meint er. Wenn es schon ein anderer Titel für den Meister sein müsse, wäre Petersens Favorit der „Master Professional“.

Allerdings meint er: „Jeder Meister würde auf so einen Zusatz verzichten, um sich nicht der Lächerlichkeit preiszugeben“. Mit dem „Junior Professional“ werde nun versucht, „alles noch zu verschlimmbessern“, so der Unternehmer weiter. Trotzdem versucht Petersen, die ganze Diskussion mit Humor zu nehmen: „Ab dem 50. Lebensjahr wird dann sicher die Bezeichnung Senior Professional vergeben“, schreibt er.

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