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Steigende Strompreise

Kostenexplosion mit Folgen

Strom wird ab 2013 teurer, Handwerksbetriebe werden ordentlich zur Kasse gebeten. Beispiel: Eine norddeutsche Bäckerei zahlt 800.000 Euro mehr, eine bayerische Schreinerei 2000 Euro. Haben Sie schon nachgerechnet, was es Sie kostet?

Kostenexplosion: - Strom wird 2013 deutlich teurer und Betriebe müssen tief in die Tasche greifen.
Strom wird 2013 deutlich teurer und Betriebe müssen tief in die Tasche greifen.
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Kommendes Jahr müssen Betriebe fast 50 Prozent mehr für Strom bezahlen. Grund ist die so genannte EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom. Mit der Umlage reichen die Netzbetreiber ihre Ausgaben für die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hoch vergüteten Erzeugungsanlagen weiter.

Ausnahmen nur für die Industrie
Vergünstigungen bekommt bislang nur die Industrie – das Handwerk hat das Nachsehen. Etwa 700 Betriebe sind von den Kosten der Umlage befreit. Ab 2013 soll die Schwelle für das Privileg noch gesenkt werden, schätzungsweise 2000 Betriebe werden dann voraussichtlich nicht zahlen müssen.

Die Ausnahmen stoßen im Handwerk auf massive Kritik: Dort heißt es, das Handwerk subventioniere so Teile der Industrie mit. Die Privilegien zur Kostenbefreiung müssten dringend überprüft werden, fordern nicht nur die Handwerks­organisationen.

Zwei Betriebe haben nachgerechnet: Wie sie mit den  Mehrkosten umgehen, lesen Sie auf Seite 2.

Kunden tragen die Kosten mit

Und was sagen die Betriebe?

Auf die Schreinerei Steininger im bayerischen Dingolfing kommt eine Mehrbelastung von etwa 2000 Euro im kommenden Jahr zu. Den Strom verbrauchen dort vor allem Sägen und Fräsen. „Die Maschinen müssen laufen, egal, was der Strom kostet“, sagt Schreinermeister Konrad Steininger. Eine energiesparende Beleuchtung hat der Unternehmer schon seit Jahren eingebaut. Und durch die Rückführung der warmen Absaugluft spart der Betrieb Kosten zur Erwärmung der Außenluft im Winter. Dennoch werde er einen Großteil der Strom-Mehrkosten auf die Produkte umlegen müssen. „Die Belastbarkeit der Betriebe ist erreicht, auf lange Sicht zahlen die Kunden“, betont der Unternehmer. 

Und die Bäcker? „Wir haben zwar langfristige Stromverträge bis einschließlich 2013 abgeschlossen, aber gesetzliche Veränderungen der EEG-Umlage beeinflussen auch unsere Stromkosten“, sagt Carsten Lackert von der Brotmeisterei Steinecke mit Sitz in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Er hat nachgerechnet: Rund 800 000 Euro wird die Bäckerei zusätzlich zahlen müssen. „Dass die Kosten für die Energiewende die gesamte Bevölkerung tragen muss, überrascht mich nicht“, betont er. Die Bürger hätten sicherlich auch schon früher über die Kosten des Atomausstiegs von der Regierung informiert werden können. Grundsätzlich werden erhöhte Stromkosten die kalkulatorischen Grundlagen aller Betriebe beeinflussen. Die Konsequenz: Auch bei Steinecke muss man gegebenenfalls die Preiskalkulationen neu bewerten.

Übrigens: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits angekündigt, die Ausnahmeregelung auf den Prüfstand zu stellen. Aber, ob tatsächlich nachgebessert wird, steht noch in den Sternen.

Haben Sie schon nachgerechnet? Wie gehen Sie mit den hohen Stromkosten um? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!


(ja)


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