Attest bis zum Ende des gekündigten Arbeitsverhältnisses: In diesem Fall war das laut Landesarbeitsgericht Niedersachsen unproblematisch, weil der Mitarbeiter schon vorher krankgeschrieben war.
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Attest bis zum Ende des gekündigten Arbeitsverhältnisses: In diesem Fall war das laut Landesarbeitsgericht Niedersachsen unproblematisch, weil der Mitarbeiter schon vorher krankgeschrieben war.

Recht

Krank nach Kündigung: Was gilt für die Lohnfortzahlung?

Wenn sich ein Mitarbeiter nach der Kündigung krank meldet und wochenlang ausfällt, ist das verdächtig. In diesem Fall muss der Betrieb Lohnfortzahlung leisten.

Der Fall: Ein Mitarbeiter legt zu Monatsanfang eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei seinem Arbeitgeber vor. Demnach fällt er krankheitsbedingt fünf Tage aus. Der Betrieb kündigt dem Mann noch am gleichen Tag und zwar zum Monatsende. Drei Tage nach Erhalt der Kündigung legt der Mitarbeiter eine Folgebescheinigung vor. Laut seinem Arzt ist er bis zum Monatsende arbeitsunfähig. Der Betrieb findet das verdächtig und verweigert die Lohnfortzahlung.

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Das Urteil: Zu Unrecht, entscheidet das Landesarbeitsgericht (LAG) Niedersachsen. Einer Krankschreibung komme grundsätzlich ein hoher Beweiswert zu. In diesem Fall gebe es allerdings keinen Grund an dem Attest zu zweifeln, sodass der Mitarbeiter Anspruch auf Lohnfortzahlung habe.

Das Gericht stellte aber klar, dass Arbeitgeber den Beweiswert einer Krankschreibung durchaus anzweifeln können. Ein „bloßes Bestreiten“ der Arbeitsunfähigkeit reiche aber nicht, wenn es ein Attest gibt. Für Arbeitgeber sei es nicht einfach, Beweise zu liefern, die den Beweiswert einer Krankschreibung erschüttern. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts seien Betrieben daher Erleichterungen bei der Darlegungs- und Beweislast zuzubilligen. Dem LAG zufolge könne es daher ausreichen, wenn sich ein Mitarbeiter direkt nach einer Kündigung durch den Arbeitgeber arbeitsunfähig meldet.

Den vorliegenden Fall bewerteten die Richter allerdings anders. Denn der zeitliche Ablauf sei hier genau umgekehrt gewesen: Der Mitarbeiter hatte bei seinem Arbeitgeber ein Attest eingereicht und erhielt dann die Kündigung. Somit sei er nicht erst nach Erhalt der Kündigung motiviert worden, zum Arzt zu gehen. (Urteil vom 8.03.2023, Az.: 8 Sa 859/22)

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