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Schräges Drama

Kranke Geschichte um die GEZ

Es gibt Schlagzeilen, die gibt’s gar nicht: "Psychisch kranker Kunde meldete Verkäuferin bei GEZ an". Ein Betrieb in Nordrhein-Westfalen bietet derzeit die Bühne für eine wirklich scharfe Behördenposse.

Kein Radio, kein Betrieb: -
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"Das einzige Elektrogerät ist der Backofen." Mit diesem Satz beginnt eine GEZ-Komödie über eine Bäckerei, in der es schlicht kein Radio gibt. Und natürlich auch keinen Fernseher. Erwischt hat es in diesem Fall aber nicht den Handwerksunternehmer, sondern die Bäckereifachverkäufern Andrea B.

Die dramaturgischen Details hat das Internetportal derwesten.de aufgeschrieben. Danach hatte ein "psychisch kranker Kunde vor dreieinhalb Jahren den Namen der Verkäuferin und die Adresse der Bäckerei in Hamm in ein 'GEZ-Anmeldeformular für Gewerbetreibende' eingetragen und abgeschickt". Warum? Diese Frage beantwortet Andrea B. so: "Er ist verwirrt und glaubt, mit Marianne Rosenberg verheiratet zu sein." Guter Grund.

Jedenfalls erscheint bald darauf der Postbote "mit einer Mahnung der GEZ vor der Verkaufstheke". Empfangsgerät in der Bäckerei, im Auto, Mahngebühren, Auslagen – rückwirkend ab Januar 2009 fordern die Gebührenjäger 121,23 Euro. Andrea B. legt der Behörde, die bald "ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice" heißen wird, ihre Sicht der Dinge dar: 1. Es gibt kein Radio im Betrieb. 2. Sie besitzt keinen Firmenwagen. Denn 3.: Die Bäckerei ist nicht ihre.

Spektakulärer Auftritt: Ein Vollziehungsbeamter erscheint in der Bäckerei – lesen Sie Seite 2.

Kassenpfändung für die Kunst
Kreativer Kölner: -
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Klingt logisch. Aber was ist schon Logik in der Kunst? Monate später hat plötzlich ein "Vollziehungsbeamter" der Stadt Hamm seinen Auftritt in dem Bühnenstück, er soll die 121,23 Euro für die GEZ eintreiben. Offenbar ein netter Typ, er hört auf den schönen Namen Sommer. Der Mann hat sich "kaputtgelacht und noch im Laden bei der GEZ angerufen". Der Vorschlag, den er von der GEZ hört, ist wiederum eine interessante Wendung im Skript: Er soll eine Kassenpfändung vornehmen. Wirklich pfiffig. Dass Andrea B. der Inhalt der Kasse nicht gehört, ist da fast vernachlässigbar.

In ihrer Verzweiflung schreibt die Handwerkerin die Ereignisse noch einmal auf, fügt eine eidesstattliche Versicherung bei und hofft, dass "der Vorgang hiermit erledigt ist". Man ahnt es, das Publikum wird wieder nicht enttäuscht. In dem Antwortschreiben der GEZ steht zwar, dass ihre Kündigung – warum eigentlich Kündigung? – akzeptiert wird, eine Nachzahlung von 279,47 Euro sei jedoch angebracht, die Gebührenspezialisten stellen vier weitere Radio-Quartale in Rechnung. Plus Mahngebühren. Szenenapplaus.

Neuer Auftritt: Wieder steht Herr Sommer im Laden, wieder gehen Schriftstücke hin und her, wieder zahlt Andrea B. nicht, wieder hofft sie, dass der Irrsinn ein Ende findet. Lange Zeit hört sie nichts. Doch die Ruhe ist trügerisch, vor zwei Wochen hat die GEZ eine Zwangsvollstreckung angedroht. Die Hauptdarstellerin ist ratlos, gegenüber derwesten.de sagt sie: "Wenn ich zum Anwalt marschiere, kann ich das Geld gleich an die GEZ überweisen."

Bizarre Inszenierung: Die GEZ erkennt im im Fall Andrea B. keinen Fehler – lesen Sie den letzten Akt.

Kritiker bejubeln bizarre Inszenierung

So endet dieses Theaterstück im Fragment, die GEZ will "nochmal alles schriftlich...". Vorhang. Die Kritiker bejubeln eine bizarre Inszenierung.

Nachtrag: "Die GEZ erkennt im Fall Andrea B. keinen Fehler. Entsprechend der Anmeldung 2009 seien die Gebühren korrekt berechnet worden, ohne dass die Angestellte formal Widerspruch eingelegt habe. Daher die regelmäßigen Rechnungen.“ Aber das geht wirklich zu weit, wie soll man das dem Publikum verkaufen? Andrea B. soll jetzt "eine verbindliche Erklärung zu den Vorgängen abgeben".

Zugabe: Für alle User, die die Hymne auf die GEZ und ihre Mitarbeiter noch nicht kennen. Feines Wochenende.



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