Heimlicher Mitschnitt: In einer ausweglosen Situation kann das gerechtfertigt sein.
Foto: Microgen – stock.adobe.com
Heimlicher Mitschnitt: In einer ausweglosen Situation kann das gerechtfertigt sein.

Streit um Kündigung

Fieser Chef: Dann sind heimliche Tonaufnahmen erlaubt!

Ein Mitarbeiter zeichnet verdeckt Teile eines Personalgesprächs auf. Eigentlich ein Kündigungsgrund, doch in diesem Fall gab es einen guten Grund.

Der Fall: Der Kassierer in einer Drogeriekette verließ seinen Arbeitsplatz 15 Minuten zu früh. Am nächsten Tag folgten deswegen ein Streit mit einer Kollegin und ein Personalgespräch mit dem Filialleiter. Der Kassierer nahm Teile des Gesprächs heimlich mit seinem Handy auf, was unzulässig ist. Sein Arbeitgeber kündigte ihm deswegen fristlos.

Doch der Kassierer klagte: Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, denn der Chef habe ihn in diesem Vier-Augen-Gespräch beleidigt und diskriminiert. Um das beweisen zu können, habe er die heimliche Aufzeichnung gestartet. Dass dies illegal ist, habe er nicht gewusst.

Das Urteil: Die Richter am Landgericht Rheinland-Pfalz entschieden im Sinne des Kassierers und erklärten die Kündigung für unwirksam. „An sich“ würde der heimliche Mitschnitt eines Personalgesprächs zwar eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. In diesem Fall aber habe der Vorgesetzte seinen Mitarbeiter wegen seiner Religion beleidigt („Ihr Moslems lügt doch alle.“).

Der Mitarbeiter habe sich in einer „ausweglosen Situation“ befunden, so das Gericht. Außerdem sei sich der Kassierer nicht bewusst gewesen, etwas Verbotenes zu tun. Angesichts des langjährig bestehenden und des mehr als 17 Jahre störungsfreien Arbeitsverhältnisses, wäre es für den Arbeitgeber zumutbar gewesen, den Kassierer zum Beispiel in eine andere Filiale zu versetzen. (Urteil vom 19. November 2021, Az. 2 Sa 40/21)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Kündigungsgründe: Wann darf ich Mitarbeiter entlassen?

Wer mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt, fällt unter das Kündigungsschutzgesetz. Eine Kündigung muss dann gut begründet werden. Ein Überblick.
Artikel lesen

Diese 6 formalen Fehler machen eine Kündigung unwirksam

Ganz egal, ob eine Entlassung begründet ist oder nicht: Bei diesen formalen Fehlern entscheidet das Arbeitsgericht gegen den Arbeitgeber.
Artikel lesen
Foto: Ann Precious – Fotolia.com

Recht

Kündigung nach Beleidigung mit Emoticons möglich

Ein Mitarbeiter beleidigte seinen Vorgesetzten mit Emoticons bei Facebook: im Prinzip ein Kündigungsgrund, entscheidet ein Gericht. Doch es kommt auf die Umstände an.

Kündigungsgrund: Die Drohung mit körperlicher Gewalt ist keine Grundlage für vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Foto: fpic - stock.adobe.com

Urteil

Wer dem Chef droht, fliegt raus!

Eine fristlose Kündigung darf nur aus wichtigem Grund erfolgen. Was ist, wenn ein Mitarbeiter seinen Vorgesetzten und dessen Familie bedroht?

Ein Buchhalter droht nach einer Auseinandersetzung, dass er den Chef aus dem Fenster schmeißen will. Dafür kassiert er eine fristlose Kündigung.
Foto: fpic - stock.adobe.com

Urteil

Fristlose Kündigung nach Drohung gegen den Chef?

Ein Mitarbeiter droht, dass er den Chef aus dem Fenster schmeißen will und erhält die fristlose Kündigung. Doch er klagt gegen den Rausschmiss.

Foto: Halfpoint - stock.adobe.com

Recht

Personalgespräch heimlich aufgezeichnet: Kündigung ist gerechtfertigt

Audiomitschnitte sind per Smartphone kein Problem. Doch diese Funktion in einem Personalgespräch heimlich zu nutzen, ist weit mehr als ein Kavaliersdelikt.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.