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Streit über Verzögerungen am Bau

Kunde droht Stuckateur mit dem Tod

Ein Auftrag zieht sich hin, die Kosten steigen? Nicht alle Kunden nehmen das gelassen. Was ein Handwerker in Wolfsburg erlebte, klingt wie ein Gangsterfilm. Und ist leider kein Einzelfall.

Ein Stuckateur und seine Familie werden bedroht.
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Ein Sonntag im März 2012. Ein Stuckateur trifft sich mit zwei Kunden auf einer Baustelle in der Wolfsburger Innenstadt. Der Handwerker arbeitet schon ein paar Monate für die beiden Männer. Er hat den Innenausbau zweier Gewerbeimmobilien übernommen. Die Männer treffen sich in einem Geschäftsraum, den die Auftraggeber zu einem Lokal umbauen wollen, berichten die  Wolfsburger Nachrichten.

Doch das Treffen verläuft unerwartet für den Handwerker: Nicht nur seine Auftraggeber warten auf ihn, sondern sechs weitere Männer.

Die Situation wird brenzlig: Einer verlangt von ihm, die Arbeit ohne Bezahlung fortzusetzen. Außerdem soll er 10.000 Euro zahlen.

Die Männer halten ihn fest. Einer "setzte mir außerdem den Zeigefinger an die Stirn und drohte, mich zu erschießen. Vorher wollten sie aber meiner Frau und meiner Tochter schlimme Dinge antun, bei denen ich zusehen müsse", zitieren die Wolfsburger Nachrichten.

Zwei Stunden lang setzen die Männer den Handwerker unter Druck. Schließlich erklärt sich der 50-Jährige bereit, die Forderungen der Männer zu erfüllen. Als Pfand für die 10.000 Euro muss er seinen Anhänger voller Werkzeug zurücklassen.

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Die andere Seite der Geschichte
War der Handwerker im Verzug? - Und rechtfertigt das Mafia-Methoden?
Und rechtfertigt das Mafia-Methoden?
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Acht Monate später landet der Fall vor dem Amtsgericht. Dort wird allerdings auch klar: Es gab eine Vorgeschichte.

Streit hatte es schon länger zwischen dem Stuckateur und den beiden Männern gegeben. Er arbeitete seinen Kunden nicht schnell genug. Andererseits verlangte der Mann mehr Geld, berichtet die Wolfsburger Allgemeine. Der Stuckateur sei aus finanziellen Gründen in Verzug geraten, heißt es zudem in den Wolfsburger Nachrichten. Die Auftraggeber stellten die Zahlungen ein, der Handwerker die Arbeit. Zudem hatte der Mann auch Streit mit zwei der anderen Täter: Es ging um Unstimmigkeiten bei Arbeiten in deren Privatwohnung.

Auftraggeber entschuldigen sich
Die Auftraggeber ließen vor Gericht durch ihre Anwälte mitteilen, dass sie bei dem Treffen nur über den Bau sprechen wollten. Sie selbst hätten den Handwerker nicht bedroht. Das bestätigte das Opfer vor Gericht: Die Auftraggeber hätten die prügelnden Männer zurückgehalten und sich später telefonisch dafür entschuldigt.  

Später hat der Handwerker die Arbeiten in dem Lokal sogar noch beendet.

Keine Aussagen, keine Zeugen? Milde Strafe!
Da die Angeklagten vor Gericht keine Aussage machten und ein Zeuge nicht erschien, wurde der Prozess gegen Auflage eingestellt: Jeder der Angeklagten muss nun 750 Euro zahlen – über 6 Monate verteilt in kleinen Raten.

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