Hat sich das durch die Pandemie verändert. Wir haben bei zwei Betrieben nachgefragt.
Foto: Sirichai Puangsuwan - stock.adobe.com

Aus der Praxis

Kunden, Aufträge und Corona: Zwei Unternehmer berichten

Wegen Corona gehen manche auf Abstand, andere haben weniger Geld zur Verfügung. Wirkt sich das auf die Auftragslage aus? Zwei Unternehmer berichten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Nach Einschätzung von Unternehmerfrau Heidi Prigge ist die Auftragslage nach wie vor gut. Veränderungen stellt sie durchaus fest, aber sie weiß sich zu helfen.
  • Auch Malermeister Julien Stapel kann bei der Auftragslage bislang keine Veränderung feststellen. In der warmen Jahreszeit hat er allerdings von einem Zufall profitiert.
  • Geht es Ihnen ähnlich wie oder machen Sie ganz andere Erfahrungen? Kommentieren Sie mit auf handwerk.com!

Ob Hygienemaßnahmen, Kurzarbeit oder Arbeit im Homeoffice – infolge von Corona hat sich vieles geändert. Manche Kunden sind momentan besonders vorsichtig, weil sie eine Ansteckung mit dem Virus fürchten. Andere haben mit den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen und zurzeit weniger Geld im Portemonnaie. Wirkt sich das bei Betrieben im Bau- und Ausbaugewerbe auf die Auftragslage und die nachgefragten Leistungen aus? Wir haben bei zwei Unternehmern nachgefragt!

Homeoffice mit Folgen: Privatkundengeschäft bricht ein

Weil während der Corona-Krise viele Privatkunden ins Homeoffice wechselten, brachen bei Malermeister Frank Braunschweig die Aufträge massiv ein. Ging es Ihnen ähnlich?
Artikel lesen >

Corona-Krise: Viele Kunden renovieren anstatt in den Urlaub zu fahren

„Die Auftragslage ist nach wie vor gut“, sagt Prokuristin Heidi Prigge von der Bauunternehmung & Fliesenlegerei Prigge. Ihrer Erfahrung nach haben sich die meisten Kunden mittlerweile an die neue Situation gewöhnt: „Viele Privatkunden nehmen jetzt Projekte in Angriff, die sie immer schon mal angehen wollten. Sie machen es sich zu Hause schön statt in den Urlaub zu fahren.“

Infolge von Corona sieht Prigge deshalb eine leichte Zunahme im Privatkundengeschäft. Auch bei der öffentlichen Hand beobachtet sie Veränderungen: „Zu Beginn der Corona-Krise haben Kommunen zum Teil versucht, ohnehin geplante Aufträge vorzuziehen und so die Schließzeit in den Schulen zu nutzen.“

Und wie reagieren die Kunden sonst auf Corona? „Sorgen hat vor allem die Kundschaft ab 70 Jahren“, berichtet die Unternehmerfrau. Doch Älteren bleibe dennoch oft nichts anderes übrig als die Handwerker ins Haus zu lassen. „Zum Beispiel, wenn die Oma aus der Kurzzeitpflege zurückkommt und die Dusche umgebaut werden muss“, sagt Prigge. Sie versucht deshalb den Kunden soweit es geht durch Informationen die Ängste zu nehmen und gibt Tipps.

Der Unternehmerfrau zufolge versorgen gerade Rentner die Handwerker gerne mit Kaffee und Kuchen: „Zurzeit sage ich ihnen deshalb, dass das zwar eine schöne Geste aber in der momentanen Situation nicht nötig ist.“

Trotz der Sorgen hat das Team von Prigge aber gute Erfahrungen mit Aufträgen bei Älteren Kunden gemacht: „Von einigen haben wir sogar schon Folgeaufträge bekommen“, sagt Heidi Prigge.

Malermeister: Konstante Auftragslage, aber 2020 mehr Fassadenarbeiten

Eine Veränderung der Auftragslage kann auch Malermeister Julien Stapel nicht feststellen, der in Hildesheim einen Betrieb mit vier Mitarbeitern führt. „Es kommen nach wie vor regelmäßig neue Aufträge rein“, sagt der Unternehmer. Mit seinem Betrieb hat er sich auf kreative Arbeiten im Innenbereich spezialisiert und arbeitet vorwiegend für Privatkunden.

Stapel und seine Mitarbeiter sind deshalb viel bei Kunden zu Hause unterwegs. „Ältere und Kranke sind wegen Corona gerade vorsichtig, aber auch sie wollen es schön haben“, sagt er. Einen Auftragsrückgang bei dieser Kundengruppe spürt er nicht.

Auf Risikopatienten nehmen Stapel und sein Team allerdings besondere Rücksicht: „Vorab besprechen wir mit den Kunden genau, wie wir vorgehen. Zudem achten wir während der Arbeiten besonders auf die Corona-Etikette“, berichtet der Unternehmer.

Das Jahr 2020 hat für den Malermeister noch weitere Veränderungen mit sich gebracht: „Wir haben so viele Außenarbeiten wie nie zuvor.“ Das hält Stapel für einen glücklichen Zufall. „Schon zu Jahresanfang habe er einen großen Auftrag für Fassadenarbeiten bekommen“, berichtet der Unternehmer, der über die Entwicklung sehr dankbar ist.

Doch was ist, wenn es kälter wird? „Da mache ich mir natürlich Gedanken, wie es weitergeht“, sagt der Firmenchef. Für die Arbeit in Innenräumen sieht er sich aber gut aufgestellt: „Mit dem nötigen Abstand ist das kein Problem.“ Wichtig ist aus Sicht des Unternehmers nur, dass sich beide Seiten an die Hygieneregeln halten.

Was sind Ihre Erfahrungen: Hat sich die Auftragslage in Ihrem Betrieb durch Corona verändert? Kommentieren Sie hier unter dem Beitrag!

Tipp: Wenn Sie mehr zum Thema Strategie erfahren möchten, abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt gleich anmelden!

Auch interessant:

Corona: Ist mein Betrieb überlebensfähig?

Corona geht an die Existenz. Wer wissen will, wie es um die Überlebensfähigkeit seines Betriebs bestellt ist, sollte diese 3 Fragen ehrlich beantworten.
Artikel lesen >

Liquidität sichern – was kann ich selbst tun?

Wird die Liquidität knapp, können Handwerksbetriebe einiges selbst tun, um die finanzielle Lage zu verbessern. 8 Tipps für Ihre Liquidität – nicht nur in der Corona-Krise.
Artikel lesen >

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.