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Selbst machen oder einkaufen?

Kundenmagazine: Was ist das Richtige für Ihren Betrieb?

Ein eigenes Kundenmagazin ist eine tolle Sache. In der Realität haben kleine Betriebe allerdings kaum Zeit und Geld für die Umsetzung. Doch es gibt Alternativen.

Kundenmagazine erfolgreich zu Werbezwecken nutzen: - Es gibt viele Wege, aber auch viele Fragen, die sich Betriebe vor der Nutzung stellen sollten.
Es gibt viele Wege, aber auch viele Fragen, die sich Betriebe vor der Nutzung stellen sollten.
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Sie wollen ein Kundenmagazin für Ihren Betrieb – als Werbemittel, das nicht jeder hat? Dann sollten Sie im Vorfeld genau überlegen, welche Ziele Sie damit verfolgen.

Einerseits: „Kundenmagazine sind ein klarer Mehrwert für die Kunden“, sagt Daniel Dirkes von Artland Marketing. Kleine Betriebe, die ein eigenes Kundenmagazin haben, können sich interessant machen und von der Konkurrenz abheben.

Andererseits: „Kundenmagazine eignen sich nicht für jeden Betrieb“, sagt Dirkes. Für schnelle Geschäfte seien Magazine selten der richtige Weg. Sie haben ein anderes Ziel: Ihre Kunden lesen das Magazin, sprechen darüber und empfehlen Sie im Idealfall weiter. Oder sie erinnern sich an Ihre Dienstleistung und kommen das nächste Mal zu Ihnen mit einem (Folge-)Auftrag, anstatt zu einem Konkurrenzbetrieb. „Vorausgesetzt, das Magazin hält, was es verspricht“, unterstreicht er. Und das führt zu einigen Fragen:

1. Frage: Passt das zu uns?
Wer ein Kundenmagazin einsetzen will, sollte sich zunächst folgende Fragen stellen: Wofür steht unser Betrieb? Welche Philosophie verfolgen wir? Passt ein Kundenmagazin zu uns, unserer Zielgruppe und unseren Zielen? Haben wir dafür Zeit und/oder Geld?

2. Frage: Was passt zu unseren Kunden?
In den Mittelpunkt aller weiteren Überlegungen gehören allerdings die eigenen Kunden: Wer ist meine Zielgruppe? Welche Kunden würden das Magazin wirklich lesen? Was interessiert diese Zielgruppe?

Haben Sie beispielsweise hauptsächlich Kunden über 50 Jahren, müssen Sie thematisch und sprachlich ganz anders planen, als mit jungen Lesern. Sind Sie ein junges, dynamisches Unternehmen, sollte das Kundenmagazin das auch widerspiegeln. „Die Kunden sollen erkennen, wer dahinter steht. Es muss authentisch sein“, sagt Dirkes.

Diese Überlegungen sind entscheidend: Wer ein langweiliges Magazin verteilt, verschwendet nicht nur Geld und Zeit. Sondern stößt auch die Kunden vor den Kopf und verliert Aufträge.

3. Frage: Wollen wir das Magazin selbst machen?
Wer ein Kundenmagazin komplett selbst auf die Beine stellen will, sollte ein paar Bedingungen erfüllen, rät Dirkes:

  • Sie haben einen großen Kundenstamm und sind nicht auf Neukunden angewiesen?
  • Ihre Geschäfte laufen gut und die Rechnungen werden regelmäßig bezahlt?
  • Sie haben ausreichend Ressourcen für Werbung und Marketing?
  • Sie haben gute Ideen und ein motiviertes Team?
  • Ihre finanzielle Situation ist so gut, dass Sie über die Erstellung neuer Produkte nachdenken?
Unter solchen Voraussetzungen könnte es sich lohnen, ein eigenes Magazin zu entwickeln. Denn eigene Ideen, Texte, Fotos, Layout – von der Idee über die Planung bis zum druckfertigen Erzeugnis, kosten reichlich Zeit. Und das jede Ausgabe aufs Neue. Die wenigsten Betriebe können und wollen das leisten, sagt Dirkes: „Neun von zehn Handwerksbetrieben haben kein eigenes Magazin.“

Keine Zeit zum Selbermachen - Sie wollen lieber ein fertiges Magazin?
Was Sie bei der Auswahl beachten sollten, lesen Sie auf Seite 2.

4. Können wir ein Magazin "fertig" kaufen?
Nicht alles können Betriebe selber machen: - Wer ein fertiges Magazin nutzt, sollte vorher den Markt gut durchtesten.
Wer ein fertiges Magazin nutzt, sollte vorher den Markt gut durchtesten.
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Ja! Ist die Antwort: Eine einfachere Alternative bieten Kundenmagazine, die einige Verbände, Verlage oder Hersteller für verschiedene Branchen anbieten.

Dirkes Rat:

Sichten Sie den Markt und lassen sich von allen für Ihr Gewerk interessanten Anbietern Exemplare schicken. „Der Vergleich lohnt sich, denn die Themenauswahl und die Qualität der Magazine kann variieren“, weiß Dirkes.

Lesen Sie selbst, sichten die Themen und schauen, welches Angebot am besten zu Ihrem Betrieb passt. Hinter welchem Heft können Sie sich versammeln? Sie sollten auf keinen Fall ein Kundenmagazin eines fremden Anbieters an Ihre Kunden aushändigen, wenn Sie sich nicht damit identifizieren können. Das schadet Ihrem Image und schreckt die Kunden eher ab.

Sie haben einen Favoriten? Dann lassen Sie ihn von einigen typische Kunden testen. Erst danach sollten Sie sich für ein Medium entscheiden. Denn was für den Kunden langweilig ist, kann negativ auf Ihren Betrieb zurückfallen.

Eine interessante Option:  „Am besten eignen sich Medien, die für Betriebe eine Individualisierungsmöglichkeit bieten“, empfiehlt Dirkes. Das bedeutet: Sie können im „fertigen“ Magazin eine oder einige Seiten oder Beiträge aus Ihrem Unternehmen beisteuern oder auf Ihre Bedürfnisse und die Zielgruppe anpassen. Der Vorteil: Sie können Ihren Betrieb und Ihre Produkte und Dienstleistungen trotzdem platzieren, sparen aber Zeit und Kosten. Der Klassiker der Individualisierung mit wenig Aufwand: Auf der Titelseite können Sie Ihr Logo oder Ihren Firmennamen ergänzen.

5. Frage: Wer bekommt das Magazin – und wie?
Egal, ob Sie sich für ein eigenes oder ein „fertiges“ Magazin entschieden haben: Überlegen Sie sich auch, wie Sie es verteilen oder übergeben möchten. Das ist wichtig für Auflage und Kosten. Diese Punkte sollten Sie laut Daniel Dirkes im Vorhinein überdenken:

  • Sind die Informationen für alle Kunden bestimmt oder wollen Sie nur Stammkunden an dem Mehrwert teilhaben lassen?
  • Liegen die Hefte im Laden frei zugänglich aus oder werden sie persönlich von den Mitarbeitern an Ihre Kunden verteilt?
  • Wie soll das Magazin präsentiert werden?
Beispiel Bäckereien: Dort können Sie es auf dem Verkaufstresen oder im Café auslegen. Wenn Sie es persönlicher mögen, kann es die Verkäuferin auch den Kunden beim Bezahlen mitgeben. Dann hat es nochmal eine andere Wertigkeit, als wenn es sich der Kunde selbst nimmt.

Beispiel Friseure: Dort empfiehlt es sich auch, das Magazin nur den Stammkunden zu geben, wenn Sie darin beispielsweise Tipps für die Haarpflege oder zu Ihren Produkten geben. Damit haben die Kunden einen Mehrwert und einen Anlass, wieder zu Ihnen zu kommen oder bei Ihnen bestimmte Pflege- und Stylingprodukte zu kaufen.

Betriebe ohne Ladengeschäft können den Versandweg wählen. Das kostet zwar mehr, ist aber auch persönlicher und direkter.

Nächste Seite: Wie eine Kfz-Werkstatt ein fertiges Magazin erfolgreich nutzt
und wie Sie die Wirkung von Kundenmagazinen testen.

Gute Kunden sind gute Tester

 „Wer die Wirkung eines Kundenmagazins spüren will, muss einen langen Atem haben“, sagt Daniel Dirkes. Bis zu drei Jahre kann es aus seiner Erfahrung heraus dauern, bis durch die Kundenmagazine spürbares Feedback ankommt.

Dabei sind Wirkung und Erfolg von Kundenmagazinen schwer messbar. „Sie haben keine Garantie dafür, dass Kunden das Heft auch lesen“, betont Dirkes.

Sein Rat: Lassen Sie Kunden – vor allem Kunden, die Sie gut kennen – das Kundenmagazin lesen und holen Sie sich Feedback ein. Fragen Sie beispielsweise:

  • Wissen meine Kunden überhaupt, dass es ein Kundenmagazin gibt?
  • Haben Sie es gelesen?
  • Spricht es Sie an? Warum ja, warum nicht?
  • Interessiert Sie der Inhalt?
  • Welche Themen begeistern? Was fehlt ihnen inhaltlich?
  • Wie kommen die Gestaltung und das Aussehen an?

Die Ergebnisse bieten Ihnen die Chance, die Inhalte nachzujustieren, um noch besser zu werden.
Praxisstimme aus dem Handwerk: „Mit der AMZ-Autohelden sind Kunden gut beraten“
Die Website von AMZ Autohelden (www.amz-autohelden.de): - Hier können interessierte Werkstätten das Magazin zur Weitergabe an ihre Kunden bestellen.
Hier können interessierte Werkstätten das Magazin zur Weitergabe an ihre Kunden bestellen.
Screenshot: Jahn

In der Kfz-Werkstatt Bernd Schmidt haben in den vergangenen Wochen viele Kunden einen Urlaubscheck mit ihrem Fahrzeug machen lassen. „Wenn ich den Kunden erkläre, was dazu alles nötig ist, kann ich das mit dem Magazin „AMZ-Autohelden“ anschaulich machen“, sagt der Kfz-Meister. Anhand der Fotos und Texte können sich die Kunden gut vorstellen, was zu tun ist. Und sie nehmen auf Wunsch das Magazin mit nach Hause. „Dort können sie sich auch über andere interessante Themen aus dem Heft informieren“, ergänzt der Braunschweiger Handwerksunternehmer.

Er habe schon einige andere Magazine gesehen und getestet. Aber so gut wie die AMZ-Autohelden sei bisher keines bei den Kunden angekommen. Auch der Meister selbst findet die Auswahl an Themen gelungen, die Infos seien absolut brauchbar.

Es braucht ein bisschen mehr Zeit, seine Kunden mithilfe des Magazins zu beraten. „Aber es lohnt sich“, sagt Schmidt. Die Beratung kommt gut an und die Kunden sind zufrieden. Davon habe am Ende der ganze Betrieb etwas.

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