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10 harte Tipps für ihre Mitarbeiterführung

Kuscheln Sie noch oder führen Sie schon?

Schluss mit dem ständigen Schmusekurs gegenüber Mitarbeitern, fordert der Coach Roland Jäger. Sein Rezept: klare Ansagen und Kontrolle statt Lob und Nachsicht. Sind Sie dafür Chef genug?

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Harte Worte, klare Ansagen: Chefs sollen nicht verständnisvoll sein und auch nicht alle Mitarbeiter gleich behandeln. Im Gegenteil - wer es nicht bringt, der fliegt.

Klingt Ihnen das zu hart, zu plakativ, zu sehr nach BILD? Oder spricht Ihnen da endlich jemand aus der Seele - wozu ist man schließlich Chef, wenn man nicht mal Klartext reden darf?

Schwache Chefs bekommen die Mitarbeiter, die sie verdienen!
Diese harten Empfehlungen stammen aus dem Buch "Ausgekuschelt - Unbequeme Wahrheiten für den Chef" von Coach Roland Jäger. Doch Vorsicht: Der Berater ist nicht nur ein Freund markiger Sprüche. Er geht auch mit schwachen Vorgesetzten ins Gericht. Denn solche Chefs, so Jäger, haben genau die Mitarbeiter, die sie verdienen.

"Angst und Schrecken" sind keine Führungsinstrumente!
Keinen Grund zur Freude haben bei Jäger jedenfalls jene Chefs, die von Haus gerne rumpoltern und vor allem per "Angst und Schrecken" regieren. Denn genau das ist nicht, was der Coach empfiehlt. Angst und Schrecken sind für Jäger keine Führungsinstrumente.

Was der Coach mit seinen plakativen Thesen wirklich erreichen will? Einen besseren Führungsstil: konsequent, klar, zielorientiert. Da bleiben klare Worte und harte Schnitte nicht aus. Doch unter dem Strich sei das besser für das Unternehmen, die Mitarbeiter und den Chef.

Nächste Seite: Stellen Sie sich hinter Ihre Mitarbeiter - und schneiden ihnen den Fluchtweg ab!

Schneiden Sie Mitarbeitern den Fluchtweg ab!

Eine von Jägers Thesen lautet: "Die besten Chefs stehen nicht vor ihren Mitarbeitern, sondern hinter ihnen". Der Grund: Wer ständig seine Leuten "beschützt", der macht sie faul und unselbstständig.

Ein Beispiel: Wenn der Chef alles selbst regelt
Ein Beispiel hat Roland Jäger dafür auch parat: Ein Unternehmer besucht mit einem neuen Mitarbeiter einen Kunden. Das ist sehr nett von ihm, ist der Neue doch noch unsicher und nervös.

Die lange Fahrt zum Kunden verläuft harmonisch, die Gespräche drehen sich um Familie, Fußball ... Beim Kunden nimmt der Chef die Sache in die Hand. Während er den Vertrag abschließt, sitzt der Neue ruhig dabei, hört zu ... Alle sind zufrieden: Der Chef freut sich über den Erfolg, der Kunde über die Aufmerksamkeit des Chefs und der Mitarbeiter über die "Hilfe" des Chefs.

Alle sind zufrieden, nur der Coach nicht: Der Chef habe seine eigentliche Aufgabe aus den Augen verloren - den Mitarbeiter zu führen. Satt ihm klare Ziele vorzugeben, hat der Chef ihm gleich komplett die Arbeit abgenommen.

Die Schwäche der Chefs: Sie wollen geliebt werden
Ungewöhnlich ist das nach Jägers Erfahrung nicht: Auch Vorgesetzte wollen geliebt und gebraucht werden, weiß de Coach. Da kommen Mitarbeiter mit Problemen gerade recht für die Selbstbestätigung des Chefs.

Mitarbeiter brauchen klare Ziele, keine netten Chefs
Das Problem: Mitarbeiter merken schnell, wenn der Chef so eine Art "Helfersyndrom" hat. Und nutzen es oft aus. Da bleibt der Eigenantrieb auf der Strecke - und darunter kann der ganze Betrieb leiden.

Jägers Rat: Schützen Sie Mitarbeiter nicht! Auch dann nicht, wenn es immer wieder Probleme gibt. Sie müssen lernen, selbst damit fertig zu werden. Statt sich zu beschützen und vor sie zu stellen, sollten Sie sich hinter Sie stellen, Vertrauen zeigen - und ihnen den Fluchtweg aus unangenehmen Situationen abschneiden. Nur dann könnten sich Mitarbeiter entwicklen.

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Führungsbedürftige Mitarbeiter verdienen kein Lob, sondern Kontrolle

Jäger unterscheidet Mitarbeiter nach ihrem Verhalten. Und da gebe es zwei gängige Verhaltensmuster:

  • Der eine Typ Mitarbeiter arbeitet eigenverantwortlich.
  • Andere Mitarbeiter sind dazu nicht in der Lage.
Daher sei es ungerecht, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln, warnt Jäger. Warum auch sollte man Lob mit der Gießkanne verteilen? Die selbstständigen Mitarbeiter brauchen vor allem Vertrauen statt Lob. Und die Unselbstständigen? Die werden auch durch Lob nicht selbstständiger. Da helfen nur klare Anweisungen und Kontrollen.

Ein praktisches Beispiel
Ein Beispiel hat Jäger dafür auch gleich parat: Da ist der Chef mit den zwei Mitarbeiterinnen. Die eine ist jung, frisch zurück aus der Elternzeit, befristeter Vertrag, halbtags tätig, zuverlässig und engagiert. Ihre ältere Kollegin ist so lange dabei, dass sie fast schon zum Inventar gehört. Jedenfalls länger als ihr Chef. Und so führt sie sich auch auf.

Kein Wunder, dass dem Chef der Umgang mit der jüngeren Mitarbeiterin leichter fällt. Also bespricht er alles mit ihr und beauftragt sie auch, Aufgaben an die ältere Kollegin zu delegieren. Nur, dass die sich von der Jüngern kaum etwas sagen lässt.

Die Folge: Die Jüngere ist ständig im Stress - und schließlich unterläuft ihr ein schwerer Fehler. Eine Überweisung geht ohne Gegenunterschrift vom Chef raus. Die ältere Mitarbeiterin, an die sie diese Aufgabe delegiert hatte, hatte es vergessen.

Wer ist für den Fehler verantwortlich?
Sie ahnen es: Der Chef ist mindestens mitverantwortlich. Er hätte den Fehler vermeiden können, wenn er Führung übernommen hätte, sagt Jäger. Dazu gehöre es, Mitarbeiter nicht gleich zu behandeln. Die Jüngere hätte in diesem Beispiel Vertrauen gebraucht statt Kontrolle. Und die Ältere? Klare Anweisungen und Kontrollen.

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Die 10 hammerharten Tipps auf einen Blick

1. Kontrollen sind wichtiger als Lob!
Jäger: Führungsbedürftige Mitarbeiter verdienen kein Lob, sondern Kontrolle. Denn es wäre ungerecht, wenn Sie alle Mitarbeiter gleich behandeln.

2. Klare Linie vom Chef ist wichtig!
Jäger: Die harten Hunde haben die stärksten Rudel. Denn Mitarbeiter sind froh, wenn ihr Chef weiß, was er will.

3. Gut gemeint ist meistens schlecht!
Jäger: Inkonsequente Chefs verdienen kein Vertrauen, sondern Entmachtung. Denn wer nur Kuschelkurs fährt, der sät Krieg statt Frieden im Betrieb.

4. Wer nicht mitzieht, der fliegt!
Jäger: Von hoch qualifizierten Mitarbeitern ohne Eigenantrieb muss man sich trennen. Denn unmotivierte High Potentials sind die schlechtesten Mitarbeiter von allen.

5. Zu viel Mitarbeiterloyalität ist schädlich!
Jäger: Wessen beste Mitarbeiter nach drei Jahren nicht kündigen, der ist ein schlechter Chef. Denn wer leistungsbereit ist und keine Entwicklungsmöglichkeiten im Betrieb hat, der bleibt einfach nicht länger. Es sei denn, er hat sich damit angefunden - und will nicht mehr volle Leistung bringen.

6. Chefs sind keine Hängematte!
Jäger: Die besten Chefs stellen sich nicht vor ihre Mitarbeiter, sondern hinter sie – denn es nützt nichts, wenn Sie Mitarbeiter vor den Folgen ihres Handelns schützen.

7. Nachsicht ist Geldverschwendung!
Jäger: Nachsichtige Chefs beweisen nicht Größe, sondern verschwenden Geld. Und undisziplinierte Mitarbeiter haben ein Recht auf harte Sanktionen.

8. Zeigen Sie keine Schwächen!
Jäger: Chefs von schwachen Mitarbeitern sind selbst schwach und von ihren Teams abhängig.

9. Konsequenz ist wichtiger als Kreativität!
Jäger: Nicht geniale Ideen, sondern konsequentes Handeln bringt Erfolg - daher ist Beharrlichkeit für Führungskräfte wichtiger ist als Kreativität.

10. Teamarbeit ist alles!
Jäger: Mit dem richtigen Team ist jede Strategie die richtige. Dem Chef nützt es hingegen nichts, wenn nur er den Kurs kennt und dabei alleine unterwegs ist.

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Lernen Sie von Enterprise-Kommandant Picard!

Und wie sieht nun der ideale Chef aus? Das Gegenmodell zum kuschelnden Chef ist für Roland Jäger der "Enterprise"-Kommandant Jean-Luc Picard:

  • Picard gelinge es hervorragend, Sachebene und Gefühle zu trennen.
  • Picard überzeuge durch ein kritisches, aber faktenbasiertes Feedback gegenüber Mitarbeitern.
  • Er vermittele auf der Beziehungsebene grundsätzliches Vertrauen in seine Mitarbeiter, verbinde das aber auch mit einer klaren Erwartungshaltung.

Ihre Meinung: Klare Linie oder Schmusekurs?
Können Sie etwas mit Roland Jägers Tipps anfangen? Oder gehen sie am Alltag Ihres Unternehmens vorbei? Wie führen Sie in der Praxis? Wie freuen uns auf Ihre Kommentare!

Weitere Infos zum Thema:

(jw)

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