Der Zimmerermeister hat sich auf Dienstleistungen für andere Handwerksunternehmen spezialisiert.
Foto: Torsten von Reeken

Strategie

Outsourcing – eine Strategie gegen den Auftragsstau?

Viele Betriebe kämpfen mit einem Auftragsstau. Handwerker Malte Kattenbaum hat sich deshalb etwas einfallen lassen: Er nimmt Kollegen zeitraubende Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Die Auftragsbücher vieler Handwerksbetriebe sind prall gefüllt. Das Bauhandwerk arbeitet nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) an der Kapazitätsgrenze.

  • Zimmerermeister Malte Kattenbaum hat sich auf Dienstleistungen für andere Handwerksbetriebe spezialisiert. Er will dadurch anderen Handwerkern Arbeit abnehmen, damit sie sich auf ihre Kernaufgaben fokussieren können.

  • Outsourcing von zeitraubenden Tätigkeiten kann nach Einschätzung von Betriebsberater Joachim Hagedorn eine mögliche Strategie sein, um den Auftragsstau besser bewältigen zu können.

Handwerker, die von Termin zu Termin hetzen? Davon kennt Zimmerermeister Malte Kattenbaum aus Oldenburg einige. Der Grund: volle Auftragsbücher. Laut Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) lag die Auftragsreichweite zuletzt durchschnittlich bei 7,7 Monaten. In den Bau- und Ausbaugewerken ist die Auftragsvorlaufzeit sogar noch deutlich größer. „Es gibt Betriebe, die schon jetzt bis Ende des Jahres ausgebucht sind“, berichtet Kattenbaum. Der 29-Jährige hat sich deshalb etwas einfallen lassen.

Geschäftsidee: Dienstleistung für andere Handwerksbetriebe

Im März hat der Zimmerermeister den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, aber nicht mit einer Zimmerei. Stattdessen hat er einen Handwerksbetrieb gegründet, mit dem er Dienstleistungen für andere Zimmereien anbietet. Kattenbaum hat sich auf die Abbund- und Holzbauplanung spezialisiert. Er arbeitet vorwiegend am Rechner und plant per CAD-Software für andere Betriebe Holzrahmenbaukonstruktionen, Dachstühle, Carports oder Terrassendächer.

Eine Arbeit, die viel Zeit frisst. Denn gerade in kleinen Betrieben fehle zunehmend das Know-how, meint Kattenbaum. Und für die Arbeit im Büro bleibe meist wenig Zeit. Deshalb will er den Zimmereien Arbeit abnehmen. „Dann können sich die Betriebe auf ihre Kernaufgaben fokussieren“, erläutert der Gründer sein Geschäftsmodell.

Entlastung gesucht? Diese Strategien können helfen!

Laut Betriebsberater Joachim Hagedorn von der Handwerkskammer Oldenburg können solche Leistungen Betriebe entlasten: „Dinge an andere abzugeben, die im eigenen Betrieb eher aufhalten, kann sehr hilfreich sein“. Als Beispiele nennt er das Aufmaß beim Kunden und die Angebotserstellung. Seiner Beobachtung nach gibt es zunehmend junge, digital aufgestellte Unternehmen, die sich auf solche Dienstleistungen spezialisieren.

Aber Hagedorn sieht noch weitere Stellschrauben, um den Auftragsstau zu bewältigen. „Betriebe können sich gegenseitig aushelfen“, sagt der Betriebsberater. Gerade in den Bau- und Ausbaugewerken sei das eine gute Möglichkeit. Schließlich seien die Unternehmer oft in Innungen organisiert und dadurch gut vernetzt. Allerdings warnt Hagedorn: „Betriebe müssen aufpassen, wie sie eine solche Kooperation gestalten.“ Zum Bespiel ist Arbeitnehmerüberlassung im Baugewerbe generell nicht zulässig.

Bauwirtschaft laut DIW an Kapazitätsgrenze

Kooperation zwischen Betrieben setzt allerdings freie Kapazitäten voraus. Doch gerade in der Bauwirtschaft dürfte das wenig realistisch sein. „Die Bauwirtschaft operiert nach unserer Einschätzung an der Kapazitätsgrenze“, sagt Claus Michelsen, Forscher am Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW). Indikatoren dafür seien:

  • Auftragsbestände in Rekordhöhen,

  • kräftig steigende Preise,

  • steigende Löhne und

  • flächendeckende Probleme, Stellen zu besetzen.

Der Personalmangel konnte jahrelang durch Fachkräfte aus dem Ausland gelindert werden, so der Ökonom. „Das funktioniert aber nicht mehr, weil die Baukonjunktur mittlerweile auch in Südeuropa deutlich angezogen hat“, sagt Michelsen. Doch wie lassen sich die Kapazitäten ausweiten? Ausbildung ist nach Einschätzung des Forschers eine mögliche Stellschraube. Das sieht auch Betriebsberater Hagedorn so. Allerdings betont er: „Das ist keine kurzfristige Lösung.“

Tipps für den Umgang mit dem Auftragsstau im Betriebsalltag

Der Auftragsstau wird das Handwerk daher vermutlich noch länger begleiten. Doch wie sollten Betriebe mit dieser Situation umgehen? Betriebsberater Hagedorn hat drei Tipps:

  1. Offene und ehrliche Kommunikation mit den Kunden: Dazu gehöre vor allem eine realistische Zeiteinschätzung. Betriebe sollten nichts versprechen, was sie nicht halten können.

  2. Richtige Prioritäten setzen: Wegen der hohen Nachfrage können sich Betriebe aussuchen, welche Aufträge sie annehmen. Dabei sollten sie sich auch die Frage stellen, ob die Auftraggeber Stammkunden sind und pünktlich zahlen.

  3. Nicht zu viele Baustellen gleichzeitig anfangen: Das berge die Gefahr, dass ein Auftrag doch liegen gelassen werden muss. Resultat: Unzufriedenheit – bei Kunden wie Mitarbeitern.

Vom Nebenerwerb in die Selbstständigkeit

Malte Kattenbaum profitiert vom Auftragsstau in den Betrieben. Seit knapp zwei Monaten bietet er seinen Service für Zimmereien an und gewinnt seither kontinuierlich neue Kunden hinzu. Sein Fokus liegt noch auf dem Raum Oldenburg. Er kann sich aber gut vorstellen, auch bundesweit zu agieren – Computer und Telefon machen es möglich.

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