Weil Lehrer fehlen, fällt immer wieder Unterricht an den Berufsschulen aus.
Foto: archideaphoto - stock.adobe.com

Berufsschule

Lehrermangel: Was lernen die Azubis noch?

Kammern und Handwerker sind alarmiert: Schlechte Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen gefährdet die Qualität der Ausbildung

Inhaltsverzeichnis

Können Quereinsteiger das Problem lösen?

In Sachsen-Anhalt werden laut Ministerium derzeit 50 Stellen an den Berufsschulen besetzt. „Bei einer Besetzung der 50 Stellen ist das Einstellungsvermögen für Berufsschule ausgeschöpft“, sagt Sprecher Thurmann. Niedersachsen hat nach Angaben des Kultusministeriums 2018 insgesamt 546 Lehrkräfte eingestellt – 480 für Theorie- und 66 für Fachpraxis-Unterricht. 98 von ihnen sind Quereinsteiger. Allerdings lösen die Neueinstellungen das Problem nur teilweise. Denn für den Fachpraxisunterricht, wo die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen nur bei 88,5 Prozent liegt, gibt es nur wenige neue Lehrer.

Bei den Kammern sieht man diese Strategie zwiespältig, denn es werden auch Meister aus den Betrieben zu Lehrkräften in den Berufsschulen. „Natürlich liegt uns die gute Ausbildung der Lehrlinge am Herzen“, so Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg. „Aber gleichzeitig fehlen die Meister in den Betrieben doppelt – bei der täglichen Arbeit und bei der Anleitung von Auszubildenden.“

Unterrichten und einen Betrieb führen? Unmöglich!

Auch Danny Perkampus hat schon eine Anfrage erhalten, ob er nicht mit 15 Stunden Unterricht an die Berufsschule gehen will. „Aber ich führe einen Betrieb. Wie soll ich da noch nebenbei unterrichten?“, fragt er. Der Tischlermeister ärgert sich vor allem über die langfristigen Folgen der schlechten Unterrichtsversorgung. „Es spricht sich auch unter den jungen Leuten herum, wenn es in der Berufsschule nicht gut läuft. Dann finden wir noch schlechter neue Auszubildende.“ Er plädiert für eine zentrale Lösung: „Wir bräuchten überregionale Ausbildungszentren für die Berufsschule mit Internaten, damit alle Azubis auch die gleichen Bedingungen haben.“

Wie geht es Ihren Auszubildenden an der Berufsschule? Fallen auch Stunden aus oder läuft alles bestens? Kommentieren Sie hier oder schreiben Sie an wolf@handwerk.com

Tipp: Sie wollen automatisch alle wichtigen Meldungen zum Thema Mitarbeitergewinnung erhalten? Dann abonnieren Sie einfach den handwerk.com-Newsletter. Hier geht es zur Anmeldung!

Auch interessant:

Azubi-Blog einer Malerin: "Nichts für Prinzessinnen"

Jessica Jörges will anderen Jugendlichen zeigen, dass sich eine Ausbildung im Handwerk lohnt. Die angehende Malerin schreibt seit einem Jahr einen Blog. Warum sie dafür gern Nachtschichten in Kauf nimmt, erklärt sie im handwerk.com-Interview.
Artikel lesen >

Ausbildungsabbruch: „Man merkt, ob es klappt!“

Interview mit Dagmar Hartwig, die als kaufmännische Leitung in der Tischlerei Berndt aus Tangermünde die Azubis einstellt.
Artikel lesen >

Politik und Gesellschaft

Leerplan: Miese Bedingungen an Berufsschulen

Ein Maurermeister schimpft über Berufsschulen, die sich in einem "trostlosen" Zustand befinden. Eine verständliche Klage?

Personal

Kranke Azubis: "Es ist zum Verzweifeln"

Sind Auszubildende öfter krank als andere Mitarbeiter? Diese Frage bestätigt mancher Chef im Handwerk. Und Krankenkassen machen dieselbe Erfahrung.

Personalentwicklung

5 potenzielle Zielgruppen für Ihre Mitarbeitersuche

Studienabbrecher, Quereinsteiger oder Menschen mit Behinderung: Wer Fachkräfte sucht, muss sich bewegen und in Menschen investieren. Oft zahlt es sich aus.

Personal

Flüchtlinge im Handwerk: Wie groß ist das Abschieberisiko?

Bundesweit häufen sich Fälle, in denen Flüchtlingen während der Ausbildung die Abschiebung droht. Wie real ist diese Gefahr für das Handwerk?